Etwa 20 Unternehmer aus 12 Ländern sowie Professoren aus den USA nahmen daran teil. Die Ergebnisse lassen aufhorchen:

  • Das Kopieren des Silicon Valley ist der falsche Ansatz! Die europäische unternehmerische Kultur hat andere Stärken, etwa Leidenschaft für Ingenieurwesen, Design, Details und Qualität – auf Kosten rascher globaler Vermarktung.
  • Europa hat hervorragende Leitindustrien mit ausgezeichneten Zulieferstrukturen, z.B. Luxusgüter, Umwelttechnologien, Automobilindustrie oder Industrieautomation. Allerdings laufen sie zunehmend Gefahr, durch neue Technologien und Paradigmen ersetzt zu werden.
  • Die Mischung aus großen, mittelständischen und kleineren Unternehmen in Europa ist ausgewogen.
  • Die europäischen Mitarbeiter sind vergleichsweise loyal, sodass sich Ausbildungsinvestitionen der Unternehmen lohnen; örtlich sind sie aber nur begrenzt flexibel.
  • Lebensqualität ist auf allen Ebenen hoch; zusammen mit der kulturellen Diversität ist Europa dadurch sehr attraktiv für gute Mitarbeiter und Führungskräfte.
  • Europäische Universitäten führen bei Wissenschaft und Technologie, zeigen allerdings auch traditionelle Strukturen, Silo-Denken und geringe Unternehmerfreude.
  • Viel in Europa akkumuliertes Kapital sucht hier Einsatzmöglichkeiten, wird aber von der Politik zu oft vertrieben, sodass es in den USA oder in Asien arbeitet.
  • Das Werteschaffen mit begrenzteren (v.a. finanziellen) Ressourcen als in den USA fördert Kreativität und Effektivität, verlangsamt aber das globale Vermarkten.

Ebenso deutlich wie die Stärken sind aber auch Europas (und Österreichs) Schwächen: zu ausgeprägte Kultur des Bewahrens; geringere Aufgeschlossenheit der Konsumenten gegenüber Innovationen; Angst vor unternehmerischen Fehlschlägen; eher naives und zersplittertes Lobbying auf den Weltmärkten; überbordende Regulierung und länderspezifisches Denken; wenig Kultur des „neidlosen Teilens“, sondern eher des Trennens.

Was kann nun jeder einzelne von uns tun, um Unternehmerschaft zu fördern, ohne ständig von der Politik nur zu fordern? Konkrete Maßnahmen – für die wir keine Politiker brauchen, sind:

1.        In möglichst vielen Menschen ein positives Bild von Wirtschaft, Unternehmertum und ökonomischen Zusammenhängen wecken …

… durch breites Engagement von Meinungsbildern und Führungskräften als positive Vorbilder in Schulen, Universitäten und Medien

2.        Eine positive Einstellung zu Risiko und Fehlern entwickeln, …

… um die Schwellenangst vor unternehmerischer Arbeit zu verringern und die Suche nach (ohnehin nicht vorhandener) Sicherheit in den Hinter-grund rücken zu lassen: Get up and try again!

3.        Etablierte Unternehmen: sich engagieren …

… als Coaches und Corporate Angels für junge Unternehmen und dabei neue Geschäftsmodelle, Professionalität und Innovationsansätze kennen-lernen und in die Unternehmen tragen

4.        Universitäten: sich öffnen …

… und Ausgründungen und Verwertung von Innovationen durch unternehmerische Professoren, Assistenten und Studenten forcieren

5.        Technische und fächerübergreifende Studiengänge fördern, …

… weil sie zukunftssicherer sind als die überlaufenen und aussichtsarmen Modestudiengänge Sprachwissenschaften, Wirtschaft oder Jus und weil Kreativität und Innovation vor allem durch fächerübergreifendes Denken stimuliert werden

6.        Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen, …

… weil dies unternehmerisches Denken und Kritikfähigkeit fördert! Die ideologisierte Politik bestraft das zwar eher, aber auf vertraglicher Basis gibt es viele Möglichkeiten, Mitarbeiter am Ertrag und auch am Substanzwachstum des Unternehmens zu beteiligen

7.        Immigration und Anstellung qualifizierter Ausländer fördern, …

… um als Unternehmen zu wachsen, zu diversifizieren und zu internationalisieren. Die EU und die Rot-Weiß-Rot-Karte ermöglichen das!

Alle diese Maßnahmen sind engagierten Menschen ohne Involvierung der Politik möglich! Für die Politik habe ich allerdings einen achten Punkt, gleichsam mein ceterum censeo, der keine Wähler verprellt, niemandem etwas wegnimmt und keinen Neid auslöst:

8.        Eine neue, unternehmerfreundliche Rechtsform einführen, …

… damit auch das Gesellschaftsrecht für innovative Unternehmen und deren Investoren adäquater wird. Sie sollte angesiedelt sein zwischen der eher auf Großunternehmen mit vielen Aktionären auf die Börse ausgerichteten AG und der mehr für langfristige (z.B. Familien-)Eigentümerstrukturen sinnvollen GmbH.

Unsere Politiker mögen ja grundsätzlich guten Willens und nur Gefangene unserer überholten politischen Strukturen und der traditionellen Einstellung der Bevölkerung sein – sodass es keine Lösung sein kann, sie nur zu „pushen“ nach dem Motto „Macht dies!“, „Tut das!“. Vielmehr muss die Bevölkerung einen „Pull“ auf die Politiker ausüben – sonst dreht sich die Abwärtsspirale aus höherem Staatsanteil, umverteilungsbedingter Trägheit und sinkender Wettbewerbsfähigkeit weiter und die Demokratie frisst ihre eigenen Kinder.