Wie wird man Start-up-Millionär?

Ich war eigentlich immer schlecht in der Schule, aber wusste schon früh, dass ich mich selbständig machen will. Das Internet hat sich da angeboten, weil man nur einem Computer braucht, um die „Low-Hanging-Fruits“ zu erreichen. Mit 13 habe ich dann begonnen, Internetgeschäfte zu machen und Programmieren zu lernen. Mit 17 wollte ich nach vielen Fehltritten dranbleiben und dann ist etwas daraus geworden.

Hast du jemals Kredite oder andere Finanzierungsformen genutzt?

Anfangs habe ich versucht, viel Kapital aufzustellen. Das ist aber nichts geworden, weil keiner einem 17-Jährigen vertraut hat. Erst als es gelaufen ist, kam ein Angebot über 10 Prozent für 100.000 Euro von einem Investor aus London. Damals sind wir aber schon gut gewachsen und ohne Kapital ausgekommen. Bei der neuen Firma haben wir einen Kredit aufgenommen.

Was hältst du von Outsourcing?

Ich habe immer nur Kleinigkeiten ausgelagert. Man zahlt viel Lehrgeld, wenn man etwas nicht kann, weil einen die Leute schnell abzocken. Wichtig ist aber immer, dass das Core-Business im Haus bleibt.

Wie kam es zum millionenschweren Exit?

Ich war mit meinem Sales Manager in Israel bei Meetings. Beim Fortgehen haben wir dann jemanden von Matomy getroffen. Aus dem Gespräch ging schnell hervor, dass sie MobFox kaufen wollten. Sie haben direkt gefragt, wie viel ich verlange – geantwortet habe ich aber natürlich nicht gleich.

Du hast ja mittlerweile das Start-up „apilayer“ gegründet. Wie entstand die neue Idee?

Bei MobFox ergab sich das Problem, dass KundInnen die Rechnung zum Beispiel in US-Dollar bezahlen wollten. Dazu muss die Währung in Echtzeit mit dem aktuellen Kurs umgerechnet werden. Der automatisierte Prozess war aber ziemlich kompliziert. Bei apilayer verkaufen wir jetzt genau diese APIs (Schnittstellen). Wir kaufen die sekundengenauen Kurse bei Banken ein und Start-ups fragen sie dann bei uns ab.

Mit wem hast du apilayer gegründet?

Mit meinem Bruder. Er wollte eigentlich Arzt werden und hat dann bei mir gesehen, wie erfolgreich ein Internetbusiness sein kann. Darum hat er gelernt, wie man programmiert und mit mir das neue Business gegründet. Wir haben das Grundgerüst in einer Woche selbst entwickelt und nach drei Monaten ist die erste Zahlung gekommen. Da war klar, dass wir weitermachen.

Mittlerweile habt ihr ja zehntausende KundInnen. Besitzt ihr eine Kreditversicherung, um Zahlungsausfälle zu überbrücken?

Bei MobFox brachten uns die Top Ten KundInnen etwa 80 Prozent des Umsatzes. Das Risiko, wenn drei abspringen, ist natürlich extrem. Da kann man nicht so gut schlafen – konnte ich auch nicht. Jetzt aber ist es so, dass der größte Kunde ein paar hundert Euro pro Monat zahlt, wir aber 80.000 Kunden haben.

Darum sind die Zahlungsströme gut verteilt. Wir haben eine Charge Back Rate von circa einem Prozent, aber das ist für uns verkraftbar und normal für ein Business im Bereich Software-as-a-Service. Wenn wir etwas Handfestes verkaufen würden, wäre das schon ein Thema. Wir setzen aber Fraud-Tools ein, um automatisiert zu prüfen, ob es mit einem Kunden schon Probleme gab.

Ist ein weiterer Exit für dich ein Thema?

Man sollte nicht schon am Anfang an einen Exit denken, sonst trifft man Entscheidungen zu kurzfristig. Im Moment läuft es gut und macht Spaß. Im Jänner eröffnen wir ein Büro in London. Mal schauen, vielleicht kommt ja irgendjemand, der es kaufen will, vielleicht läuft es aber auch so gut, dass wir noch zehn Jahre weiter machen.

Verrätst du uns deine bisher größten Learnings?

Englisch habe ich gelernt (lacht). Und Mitarbeiterführung. Wir hatten bei MobFox 30 Leute und Leadership war für mich Learning by Doing. Ich lese auch viel, um zu sehen, wie es andere machen. Wie kürzlich, als ich zum Beispiel ein Provisionsmodell für unser Sales-Team aufgesetzt habe.

Welche Tipps hast du für zukünftige GründerInnen?

Nicht zu früh Kapital aufnehmen und aus eigenem Profit wachsen. Vielleicht sollten viele auch eher international denken. Viele denken zu lokal und probieren ihr Business mal in Wien aus. Das ist, glaube ich, der komplett falsche Ansatz. Man muss sich natürlich professionell präsentieren, damit man international mithalten kann.

Gerade neue Produkte nimmt der Markt im Ausland aber eher an. Wenn wir uns nur auf Österreich konzentriert hätten, wäre nichts draus geworden. Bei MobFox kam am Schluss nur mehr jeder hundertste Kunde aus Österreich.