Verkürzt könnte man Ihren Werdegang beschreiben: Von Kärnten nach Hollywood. Was hat Sie dazu bewogen, Ihr Glück in den USA zu versuchen?

Das ist durchaus passend, denn meine kulinarischen Anfänge liegen ja in Kärnten, wo ich aufgewachsen bin. Dadurch, dass meine Mutter als Köchin in einem Hotel gearbeitet hat, habe ich mich sehr früh dafür zu interessieren begonnen. Nach meiner Kochlehre in Villach bin ich zunächst nach Frankreich gegangen und habe dort sieben Jahre lang, unter anderem in Paris, gearbeitet. Ich wollte aber weiter nach Amerika, denn mein Ziel war es, genug Geld zu verdienen, um mir den Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen.

Also habe ich ein Jobangebot in New York angenommen, bin kurz darauf aber weiter nach Indiannapolis gezogen. Die Stadt hat mich deshalb gereizt, weil ich ein großer Fan von Autorennen bin. Allerdings gibt es dort ansonsten nicht viel, vor allem wenn man es mit Paris oder New York vergleicht. Deshalb ging ich 1975 weiter nach L.A., wo ich dann 1982 auch mein erstes Restaurant, das Spago, eröffnet habe.

Mittlerweile haben Sie ein regelrechtes Imperium aufgebaut. Das erfordert bestimmt viel Koordination und Organisation?

Das stimmt, es ist uns nach und nach gelungen, zu expandieren. Mittlerweile führe ich drei Unternehmen, nämlich die Wolfgang Puck Fine Dining Group, das Wolfgang Puck Catering sowie die Wolfgang Puck Worldwide Inc. Natürlich erfordert das alles eine große Portion Koordination und Organisation. Das Betreuen der Fine Dining und Fast Casual Restaurants weltweit, das Catering, wo wir ja auch seit über 20 Jahren den Governors Ball bei den Oscars betreuen, und der Vertrieb der Kochbücher und des Küchenzubehörs, das ist schon ein großer Aufwand.

Für eine Person alleine ist das nicht bewältigbar. Aber ich habe ein großartiges Team, darunter Freunde, mit denen ich schon seit 30 Jahren zusammenarbeite. Es ist toll, soviele Dinge gemeinsam erfolgreich umsetzen zu können. Aber ehrlich gesagt, am liebsten ist mir immer noch, wenn ich selbst in der Küche stehen kann und in meinem Restaurant koche.

Der Name Wolfgang Puck ist zur Marke geworden und international bekannt. Wie kam es dazu?

Das kann man vielleicht am besten mit den großen Modehäusern und deren Designern vergleichen. Beispielsweise ist der Name Karl Lagerfeld untrennbar mit dem Modehaus Chanel verbunden. So ähnlich ging es mir mit meinem ersten Restaurant. Der Name Wolfgang Puck stand jeher für das Restaurant Spago und umgekehrt.

Das liegt vielleicht daran, dass ich mich nie nur in der Küche versteckt und für meine Gäste gekocht, sondern mich auch im Lokal gezeigt und den Kontakt zu den Leuten im Restaurant gesucht habe. Das ist bei den Menschen hängen geblieben und so hat sich der Name Wolfgang Puck immer mehr zur Marke Wolfgang Puck entwickelt.

Sie gelten in Sachen Nachhaltigkeit als einer der Vorreiter, haben unter anderem das Projekt WELL ins Leben gerufen. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Die Abkürzung WELL steht für Wolfgang's Eat, Love, Live. Damit wollen wir unsere Philosophie zum Ausdruck bringen und aufzeigen, wie wichtig es ist, biologische und nachhaltige Standards in der Lebensmittelproduktion einzuführen und zu forcieren. Wir setzen schon seit vielen Jahren auf regionale und saisonale Produkte, da es uns ein wichtiges Anliegen ist, die lokalen Lebensmittelproduzenten zu unterstützen.

Außerdem legen wir großes Wert darauf, dass die tierischen Produkte, die wir verwenden, egal ob Fisch, Fleisch oder Eier, aus artgerechter Haltung kommen und die Tiere nicht künstlich hochgezüchtet werden. Zudem setzen wir vermehrt auf vegetarische und vegane Küche. Unser Essen soll sowohl für den Gast selbst, als auch für die Gemeinschaft und die Umwelt gut sein.

Welche neuen Projekte wollen Sie in Zukunft realisieren?

Unser Ziel ist es natürlich, weiterhin zu expandieren. Dabei schauen wir aber genau darauf, dass wir das in einem vernünftigen Rahmen tun und uns dabei nicht übernehmen. Geplant sind weitere Restaurants im Nahen Osten und in China, aber auch weitere Lokale an Flughäfen sind vorgesehen. Ganz wichtig ist mir auch, weiterhin Talente zu entdecken und in unserem Team zu fördern.

Natürlich werden wir in Zukunft auch nicht auf unsere bestehenden Restaurants und Bars vergessen. Wir wollen uns hier nach wie vor verbessern und neue Dinge ausprobieren, denn es muss auch hier immer eine Entwicklung und einen Vorwärtstrend geben, sonst läuft man Gefahr, nicht mehr aktuell und gefragt zu sein.

Trotz Ihres großen Erfolgs, sehen Sie sich bei neuen Projekten mit Problemen und Hürden konfrontiert?

Selbstverständlich gibt es immer wieder neue Probleme und Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Aber ich habe in den Jahrzehnten, in denen ich in der Gastronomie tätig bin, sehr viel dazugelernt und arbeite mit tollen Menschen zusammen, denen ich voll vertrauen kann.

Einen der wichtigsten Tipps, um nicht in  Probleme zu geraten und den ich noch heute beherzige, hat mir meine Mutter mit auf den Weg gegeben: Gib nicht mehr Geld aus als du hast! Das klingt simpel und ist es vielleicht auch, aber es ist ganz entscheidend. Es ist eine Maxime, die ich heute noch bei neuen Projekten berücksichtige!