Ein Leben ohne Plastik oder sogar Erdöl ist zwar möglich, im Regelfall aber nur eine Option für besonders experimentierfreudige Haushalte. Die Sensibilität gegenüber der Erdölthematik steigt aber. Immer mehr Menschen sind nicht mehr gewillt, sich das schwarze Gold in seiner raffinierten Form ins Gesicht zu schmieren, als Textilien zu tragen oder Lebensmittel aus Kunststoffverpackungen zu konsumieren.

Natürlich schön und sauber

Gerade bei Pflege-, Hygiene- und Reinigungsprodukten wächst das Misstrauen gegenüber Paraffin, Glycerin und den zahllosen anderen Produkten der petrochemischen Industrie. Ökologische Reinigungsmittel sowie Natur- und Biokosmetik nutzen dagegen Inhaltsstoffe aus der belebten und unbelebten Natur.

Häufig eben pflanzliche Öle oder Wachse, Kräuterextrakte, unbelastete Erden, ätherische Öle aus Wildsammlung oder biologischem Anbau. Dabei stehen alte  Kräuter der traditionellen europäischen Medizin genauso im Fokus wie exotische Zutaten, etwa Arganöl.

Großer Wert wird oftmals auf umweltschonende Herstellungsverfahren und recyclebare Verpackungen genauso wie auf den Verzicht auf Tierversuche und in vielen Fällen tierische Bestandteile gelegt. Um die KundInnen davor zu bewahren, in die Irre geführt zu werden, gibt es mittlerweile mehrere Zertifizierungssysteme, die für Transparenz im Begriffswirrwarr sorgen sollen.

Der Verzicht auf potenziell giftige Inhaltsstoffe kommt dabei nicht nur den KundInnen zugute, sondern mindert auch Schadstoffe, die durch das Abwasser in die Umwelt gelangen.

Chic, fair und nachhaltig?

Wenn man schon nur natürliche Pflegeprodukte an die eigene Haut lässt, macht es nur Sinn, es auch bei Kleidung so zu halten. Das ist allerdings gar nicht immer so einfach. Baumwolle und andere natürliche Materialien wie Wolle, Seide und Leinen haben zwar großen Anteil an der Textilproduktion, werden aber oft in Verbindung mit erdölbasierten Fasern wie Polyester, Nylon oder Polyacryl verarbeitet.

Gerade Funktionskleidung besteht oft zu 100 Prozent aus den vielseitigen Fasern. Doch auch in diesem Bereich steigt das Interesse an nachwachsenden Materialien: Polyactide werden aus Stärke von Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr gewonnen und lassen sich nicht nur zu Kaffeebechern und Einweggeschirr, sondern auch zu Textilfasern verarbeiten.

Ebenso lassen sich aus Cellulose, das vor allem in Holz enthalten ist, moderne Materialien wie Viskose, Modal oder Lyocell fertigen. Während Baumwolle an sich ein Naturprodukt ist, geht es bei ihrem Anbau nicht immer umweltschonend zu.

Hier haben aber Eco- und Fairfashiontrends dazu beigetragen, dass Angebot und Nachfrage nach Biobaumwolle stetig wachsen und sich selbst große Modeketten dieser Entwicklung nicht mehr verschließen können.

Nachhaltigkeit heißt saisonal und regional

Zwar finden sich einzelne erdölbasierte Produkte, wie der Geschmacksstoff Vanillin in unseren Lebensmitteln, ungleich größere Mengen, als wir sie direkt essen, werden aber bei der Herstellung unserer Lebensmittel verbraucht. Größte Energietreiber sind dabei alle jene Produkte, die weder regional noch saisonal verfügbar sind.

Im Regelfall schlägt sich Transport dabei durch einen höheren Energiebedarf nieder als ein Gewächshaus. Für gute, gesunde und umweltschonende Lebensmittel braucht es aber nicht nur das entsprechende Know-how und eine intakte Umwelt, auch kurze Lieferketten helfen dabei, dass diese frisch und vitaminreich bei uns ankommen.

Ein genauer Blick auf Gütesiegel und Inhaltstoffe lohnt selbst hier: Nicht alles, was Hersteller als „natürlich“ deklarieren, würde dieses Siegel auch von uns KonsumentInnen bekommen. Aus Sägespäne gewonnenes Erdbeeraroma darf als „natürlich“ gelten, weil Sägespäne eben ein natürliches Produkt sind.

Bei Erdbeeraroma denken wir aber eher die roten Köstlichkeiten, die gerade auf den Feldern duften und nicht an Bakterienkulturen im Labor.