Tourismus und Gastlichkeit haben in Österreich eine lange und reiche Tradition. Unsere Wirte und Hoteliers schaffen es wie kaum andere, internationales Top-Niveau mit der typisch österreichischen Gemütlichkeit zu vereinen. Diese einzigartige Kombination wird von Gästen aus anderen Ländern ebenso geschätzt wie von Einheimischen und verschafft unserem Tourismus in der ganzen Welt einen hervorragenden Ruf. Dieser Eindruck wurde erst vor kurzem wieder bei den Berufsweltmeisterschaften World Skills in Sao Paulo bestätigt, wo die österreichischen Vertreter im Bereich „Service“ und „Küche“ mit Top-Platzierungen für Furore sorgen konnten.

Tradition und Moderne

Die Österreichische Gastronomieszene definiert sich allerdings nicht nur über ihre Tradition. Gleichzeitig gibt es, vor allem in urbanen Gegenden, eine Fülle von Lokalen junger Köche und Unternehmer, welche offen für neue Entwicklungen sind und nicht selten „ahead of the curve“ die europäische Restaurantszene entscheidend mitgestalten. Gerade das breit gefächerte, kulinarische Angebot, welches den Gästen in der Bandbreite von Paleo bis Vegan kaum einen internationalen Trend vorenthält, kann sich sehen lassen.

Mobile Kost

Dabei sind Originalität, Regionalität und Nachhaltigkeit zentrale Punkte bei der Erstellung der Speisekarte. Anspruchsvolle Gäste wissen es zu schätzen, wenn zumindest ein Teil der Zutaten von einem „kleinen Bauernhof aus der Region“ stammen. Eine weitere, deutlich spürbare Neuentwicklung in der Branche ist der rasant wachsende Geschäftszweig der Lieferservices.

Heutzutage wird diese Annehmlichkeit nicht mehr nur von Wirten selbst bereitgestellt, sondern in der Regel ausgelagert. Davon kann sowohl der Lieferant als auch der Wirt profitieren. Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich auch im Bereich der Hotellerie. Neben traditionellen Häusern gibt es immer mehr Betriebe, welche spezielle Nischen bedienen und somit das allgemeine Angebot wesentlich erweitern. Auch hier geht der Trend immer mehr zu Individualität und Nachhaltigkeit, wie man an der wachsenden Beliebtheit von sogenannten „Green Hotels“ erkennen kann.

Reglementierte Wirtschaft

Mit einem jährlichen Umsatz von rund 16,3 Milliarden Euro ist das österreichische Hotel- und Gastgewerbe ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Zusätzlich dient die Branche als Impulsgeber für andere Wirtschaftszweige - von der Agrar- über die Getränkeindustrie bis hin zum Baugewerbe. Durchschnittlich arbeiten rund 242.000 Menschen im Gast- und Hotelgewerbe und es gibt noch reichlich Luft nach oben! Während in anderen Bereichen Arbeitsplätze im Inland eher abgebaut werden, kristallisiert sich der Tourismus, bedingt durch seine Standortgebundenheit, regelmäßig als Arbeitsplatzgarant heraus.

Doch diese Zahlen sind nicht selbstverständlich und beruhen auf der täglichen, harten Arbeit der UnternehmerInnen und ihrer MitarbeiterInnen. Die für den Berufsstand geradezu typische Lockerheit lässt manchmal vergessen, dass die Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen übergebührlich beansprucht wird. Vor allem die mangelnde Rechtssicherheit in vielen Bereichen macht den Betrieben besonders zu schaffen. Parallel dazu galt es in den letzten Jahren einerseits stagnierende Gewinnmargen zu verkraften und andererseits mit überbordender Reglementierung und Verwaltung fertig zu werden. Hier ist eindeutig die Politik gefordert, langfristige Konzepte zu entwerfen und die Branche nicht mit immer neuen Belastungen an die Grenzen der Rentabilität zu treiben. Bürokratieentlastungen, Lohnnebenkostensenkung und Flexibilisierung der Arbeitszeit sind wesentliche Themen, die man nicht verschlafen darf, ansonsten laufen wir Gefahr, unsere Spitzenposition als Tourismusland bald einzubüßen.