Kaum eine Projektbeschreibung oder ein Pitch kommt heutzutage ohne aus: Nachhaltigkeit. Als fixe Größe am Buzzword-Himmel ist es Mascherl und Projektionsfläche zugleich, man gehört zu den Guten. Trotz anderweitiger, inflationärer Verwendung ist Nachhaltigkeit als soziale und wirtschaftliche Größe heute tiefer im Tourismus verankert denn je.

Das fängt schon beim Betrieb selbst an: Während ich vor Jahren mit dem Umbau meines Hotels in ein Null-Energie-Haus den Grundstein gelegt habe, gibt es heute zig Betriebe, die sich dem ökologischen Gedanken verschrieben haben und damit bestens wirtschaften, Tendenz steigend. Das geht über die Produkte, die wir anbieten, bis hin zu der Auswahl unserer Geschäftspartner auf.

Und es spiegelt sich im Mindset der Gäste wieder. Sie machen bewusster Urlaub und konsumieren gezielter. Geiz ist nicht mehr geil, Produktions- und Haltungsbedingungen von Waren und Tieren alles andere als egal.

Bleibende Werte im Wandel

Setzt man nachhaltig nur mit „grün“ oder „ökologisch“ gleich, greift man allerdings zu kurz – und zwar deutlich. Dienstleistung ist Peoples Business, Tourismus die Königsdisziplin und soziale Nachhaltigkeit die Maxime, ob im eigenen Betrieb oder in der ganzen Region. Während anderswo Fabriken zusperren und Jobs outgesourced werden, sind Hotels Garanten für Beschäftigung und Wertschöpfung vor Ort – für jung oder alt, Akademiker oder Hilfsarbeiter, in der Stadt oder den entlegensten Tälern in den Bergen.

Und sie werden es auch bleiben! Die Branche wächst stetig und ist auf der Suche nach neuen Fachkräften. Tradierte klassenkämpferische Bilder werden mancherorts noch gern bemüht, könnten aber nicht ferner der modernen Arbeitswelt in der Top-Hotellerie sein. Arbeiten im Hotel heißt Teamwork, seinen MitarbeiterInnen auf Augenhöhe begegnen und sie selbstbestimmt und organisiert an ihren Job herangehen lassen.

Blick in die Zukunft

Nachhaltigkeit heißt aber auch Vorausschau und Planung. Wie gehe ich als Stadt mit meinem touristischen Erfolg um. Welche Impulse muss ich setzen, damit das Gleichgewicht zwischen Bewohner und Gästen nicht kippt? Auch das sind Fragen, denen sich die Branche stellen muss – und es auch tut. Der nächste ÖHV-Kongress, vom 13. bis 15. Januar 2019 in Villach, steht deshalb unter dem Motto #RethinkTourism und beleuchtet das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit, Regionalität und Phänomene wie Overtourism.