Franz Klammer bezeichnet sich als Genussmensch und so lebt er auch. Mediaplanet-Redakteur Lukas Wieringer hat mit ihm über sportliche wie kulinarische Genüsse, regionale Spezialitäten und dem Hochgefühl am Berg gesprochen. 

 

Hat sportlicher und kulinarischer Genuss für Sie etwas gemeinsam?

Unbedingt! Wenn nach körperlicher Betätigung der Hunger kommt und mit ihm die Lust auf ein gutes Essen, gehen sportlicher und kulinarischer Genuss Hand in Hand. Wer guten Sport macht, muss danach auch gut essen. Mit einem Teller Spaghetti kann man nichts falsch machen, mit einem Stück hochwertigem Fleisch natürlich auch nicht.

 

Haben Sie in Österreich bevorzugte Regionen, deren kulinarische Genüsse Sie besonders schätzen?

Echte Kärntner Kasnudeln bekomm ich nun einmal nur in meiner Heimat Kärnten. Wenn ich in Wien bin, esse ich gerne einen guten Tafelspitz in Restaurants, die bekannt dafür sind. Ein Wiener Schnitzel hingegen kann man zwar in ganz Österreich essen, aber auch nur in Österreich. Im Burgenland käme ich nie auf die Idee, Kasspätzle zu essen. Die schmecken mir in Tirol oder im Salzburgischen am besten. Dort sind sie daheim, dort macht man sie genauso, wie sie sein sollen. 

 

Spielt Regionalität für Sie bei kulinarischen Genüssen eine große Rolle?

Das ist mir sehr wichtig. Jede Region in Österreich hat ihre Spezialitäten, die dort beheimatet sind und die dort am besten schmecken. Gutes Essen gehört zur Gegend, aus der es stammt. Schließlich haben sich regionale Spezialitäten über viele Jahrhunderte entwickelt. Das macht sie für mich so reizvoll.  

 

Gibt es heimische Genüsse, die Sie vermissen, wenn Sie längere Zeit im Ausland sind?

Auf meinen Reisen versuche ich, mich an die jeweilige Gegend anzupassen. Ich möchte in Texas ein Steak essen, genauso wie ich in Japan kein Wiener Schnitzel bestelle, sondern japanische Gerichte probiere. Wenn Reisen aber länger dauern als einige Wochen, freut man sich schon auf bekannte Gerichte am Teller. Während einer langen Überseetournee war ich in Japan beim Österreichischen Botschafter auf ein Szegediner Krautfleisch eingeladen. Das war so unglaublich gut…

 

Sie sind gebürtiger Kärntner, leben aber in Wien. Auch dem Genuss wegen?

Hauptsächlich aus beruflichen Gründen, aber Wien hat natürlich durchaus seine Genüsse zu bieten, mehr als andere Weltstädte. Ich liebe es, am Naschmarkt zu gustieren und einzukaufen oder zum Heurigen zu gehen und dort gut zu essen und zu trinken. In seiner klassischen Form gibt’s den Heurigen ja nur in Wien und Niederösterreich. Diese Heurigenkultur genieße ich schon sehr. 

 

Genießen muss nicht immer mit Kulinarik zusammenhängen. Welchen Genüssen geben Sie sich in Österreich neben dem Essen sonst noch hin?

Ich genieße es sehr, Sport zu betreiben und dabei in der Natur zu sein. Wenn ich mit dem Rad durch den Wienerwald fahre, im Wörthersee eine Runde schwimme oder in Westösterreich auf dem Gipfel eines Berges stehe, kann ich die Natur und unser schönes Österreich so richtig genießen. Dabei erlebe ich ein richtiges Hochgefühl. Die Menschenmassen in der U-Bahn zu genießen fällt mir da etwas schwerer. Spaß beiseite, das Wichtigste für mich war und ist, jeden Tag bewusst zu leben.

Ein besonders kalter, klarer Wintermorgen ist genauso wunderschön wie ein warmer Tag im Frühling, an dem man beobachten kann, wie die Natur nach einem langen Winter erwacht. Da fällt es mir nicht schwer, innezuhalten und den Moment besonders zu genießen.