Was ist eigentlich die richtige Motivation, um sich selbstständig zu machen?

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Menschentypen. Viele Menschen wollen Unternehmer sein, speziell Start-up-Unternehmer – gerade die Technologiebranche ist derzeit sehr attraktiv. Teilweise sind die Motivationsgründe wahrscheinlich die falschen, denn nicht jeder hat die Fähigkeiten, die es dazu braucht.

Wenn die Motivation einfach nur ist, viel Geld zu verdienen, dann sollte man es bleiben lassen. Richtig wäre es, ein echtes Problem lösen zu wollen, gekoppelt mit der Lust am kreativen Schaffen. Ein Beispiel: AirBnB ist aus der Problematik entstanden, dass der Gründer des Unternehmens einmal zu einer Konferenz reisen wollte, aber kein brauchbares Hotelzimmer gefunden hat.

Was verstehen Sie unter dieser Lust?

Mir zum Beispiel macht es am meisten Spaß, aus einer Idee heraus auf einem Zettel Papier ein Unternehmen zu entwerfen und aufzubauen. Es geht nicht um’s Geld, sondern um den Weg, den man beschreitet, das Schaffen an sich. Deshalb bin ich auch ab einer gewissen Größe immer ausgestiegen, weil ich keinen Spaß daran habe, einen großen Industrietanker zu lenken. Ich habe viele gute Manager kennengelernt, die aber keine guten Unternehmer wären.

Wie findet man am besten den Einstieg?

Wie schon gesagt – das beste ist es, ein bestehendes Problem zu lösen. Künstlich nach einer Idee zu suchen, ist meistens völlig sinnlos. Sehr oft kommen Leute zu mir und sagen, ich würde gerne eine App machen, haben aber keine Ahnung, was die eigentlich können soll. Das bringt natürlich gar nichts. Die besten Ideen kommen dann, wenn man eigentlich gar nicht damit rechnet. Natürlich kann man sich inspirieren lassen, auch durch Learnings aus früheren Projekten.

Haben Sie Tipps für Unternehmensgründer?

Stick to your idea, aber sei bereit, nachzujustieren. Oft kommt man im Prozess auf Dinge drauf, die vorher nicht absehbar waren. Eine gewisse Flexibilität braucht es also. Man sollte aber nicht zu viel justieren, sonst wird man abgelenkt, distracted. Wenn man sich nicht fokussiert und auf’s richtige Pferd setzt, ist man schneller tot als man glaubt – aber mit einem Tunnelblick schafft man’s auch nicht.

Ein strategischer Blick ist da sehr wichtig, damit man auch den Markt abschätzen und das Produkt später standardisieren und skalieren kann. Am Ende ist es eine Firma, die muss Geld verdienen und dazu braucht es ein solides Businessmodell. Das verliert man leicht aus den Augen.

Oft hat man den Eindruck, dass zum Erfolg eine Portion Glück nötig ist. Wie sehen Sie das?

In all meinen Firmen hat es diese Glücksmomente gegeben, ohne die es nicht so gut ausgegangen wäre. Glück ist mit Sicherheit ein entscheidender Faktor. Es gibt auch die gegenteiligen Momente, wo einfach gar nichts mehr geht, zum Beispiel, wenn du Mailprovider bist und unachtsamerweise alle Kundenmails und auch die Backups löschst. Dann darf man nicht aufgeben, dann muss man kreativ sein, neue Lösungen ausdenken und das wieder hinbiegen.

Nicht aufgeben ist ein zentraler Bestandteil. Ich glaube, dass viele Unternehmer zu früh aufgeben. Die Gründungsphase ist anstrengend, finanziell belastend, man hat schlaflose Nächte und oft so Momente, wo man vor dem Ende zu stehen glaubt. Da muss man durch. Es ist ein langes Geben, Geben, Geben – da darf man sich die Freude am Machen nicht nehmen lassen.

Warum geben aus Ihrer Sicht Unternehmer zu früh auf?

Es ist neben all den Belastungen – man darf nicht vergessen, das ist ja auch für das Umfeld, die Familie, nicht angenehm – wohl die Angst vor dem Scheitern. Gerade für uns Österreicher ist das zu oft ein Hemmschuh. Man darf nicht vergessen, auch in den USA wird statistisch nur aus einem von hundert Start-ups wirklich etwas sehr Großes. In Österreich ist Scheitern ja das ärgste, da haben wir noch ein Kulturproblem.

In den USA hab ich einmal mit einem Freund gesprochen, dessen Unternehmen ging es nicht gut. Er hat gesagt, für sechs Wochen hab ich noch Geld. Der ist aber völlig relaxed geblieben und hat weitergemacht. Das Ergebnis heißt Youtube. Was heißt denn Scheitern? Zu lernen, warum ein Projekt nicht funktioniert hat.

Es ist normal, Fehler zu machen, zu früh mit einem Produkt am Markt zu sein. Nur wiederholen sollte man die Fehler nicht. Ich habe sehr viel Respekt vor Menschen, die eine Passion haben, auch wenn sie scheitern. An dieser Respektskultur müssen wir in Österreich aber noch stark feilen.

Wie sehen Sie Österreich als Standort?

Man muss schon auch die positiven Dinge nennen. Es hat sich wirklich viel getan. Es gibt mittlerweile Kapitalgeber, eine gewisse Aufbruchstimmung, die gute Position Richtung Osten. Wir haben gerade in Wien mittlerweile exzellente Entwickler, die aber weniger kosten als anderswo. Natürlich haben wir hier viel Bürokratie, vieles ist in der Verwaltung zu kompliziert, aber es geht vieles in eine gute Richtung.

Wenn Österreich den Zugang zur Selbstständigkeit oder Mitarbeiterbeteiligungsmodelle fördert, wird das sicher helfen. Außerdem wäre es vielleicht gut, Leute stärker zusammenzubringen – denn jeder braucht Co-Gründer.

Was raten Sie jemandem, der vielleicht eine Idee hat, aber nicht weiß, wie er sie umsetzen soll?

Rede mit Freunden darüber, hole dir Meinungen. Kaum je wird dir jemand die Idee stehlen. Stelle sie auf Crowdfundingplattformen – dann sieht man recht schnell, ob die Idee etwas taugt, ob sie marktfähig ist und wenn ja, dann ist auch ein gewisses Startkapital dabei. Zuhause sitzen und nur nachdenken bringt nichts. Übrigens sind meistens Teams erfolgreich, da ist Austausch, Feedback. Wer keinen Co-Gründer findet, hat meistens ein Problem bei seinen Social Skills.

Abgesehen von diesen Punkten: Wann weiß ich, dass für mich der richtige Zeitpunkt gekommen ist?

Das ist wie beim Verliebtsein. Wann weiß ich das? Es lässt sich kaum beschreiben oder erklären – das spürt man einfach, du musst es tun. Dann, und nur dann, machst du es auch. Man kann es auch systematisch angehen und sagen, ich versuche die Idee selbst kaputtzureden. Wenn es gelingt, hat sie nicht getaugt. Ein gutes Projekt hat eine eigene Energie.