Das Schlagwort für 2016 lautet Wachstum, denn nach wie vor sind die Konjunkturaussichten gedämpft und die Arbeitslosenzahlen steigen. Aus aktuellen Umfragen wissen wir, dass die Stimmung mau ist, die Jungunternehmer aber nicht resignieren, sondern weiter an ihre Unternehmensidee glauben. Gemeinsam mit der leicht ansteigenden Stimmung bei den KMU aus Gewerbe und Handwerk ist das ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass unsere Unternehmen weiterhin an den Standort glauben.

Was es aber braucht sind gezielte gründer- und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen. Bedingt durch die Steuerreform haben die privaten Haushalte nun wieder finanziellen Spielraum für Investitionen. Hier muss die Bundesregierung mit der Verlängerung des Handwerkerbonus ansetzen und diese Förderaktion, die eine Win-win-Situation für Auftraggeber wie Auftragnehmer ist, auch 2016 realisieren.

Investitionsanreize dringend nötig

Wir benötigen aber auch Anreize, die dazu führen, dass unsere Betriebe selber wieder zum Investieren kommen: Das Investitionsniveau liegt unter jenem vor Ausbruch der Finanzkrise. Dazu braucht es Maßnahmen wie eine Investitionszuwachsprämie neu, denn nur wer in moderne Anlagen und neue Produktionsmethoden investiert, kann die Wettbewerbsfähigkeit halten. Gleichzeitig gilt es, intelligente Anreize zu setzen, die insbesondere KMU den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern.

Denn starke Unternehmen brauchen eine solide Finanzierung. Das bedeutet namentlich die Umsetzung einer Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft sowie die Einführung eines Beteiligungsfreibetrages für Jungunternehmen. Das ist die eine Seite. Die andere ist jene, die die bürokratische Belastung der Betriebe betrifft: Aus einer Befragung der Jungen Wirtschaft wissen wir, dass über die Hälfte der befragten Jungunternehmer (54 Prozent) Österreich als sehr bürokratisch empfinden.

Im Durchschnitt werden 8,35 Stunden in der Woche, also ein ganzer Arbeitstag, mit Bürokratie verbracht. Diese Zahlen zeigen, dass wir ein Bürokratieentlastungspaket brauchen, das unseren Standort zukunftsfitter macht. Beispiele sind das weite Feld des Betriebsanlagenrechts, wo auch das Prinzip des One-Stop-Shop Platz greifen muss oder weitere Vereinfachungen im Gründungsprozess etwa durch Mustersatzungen.

Grundsatz: Beraten statt strafen

Gleichzeitig gilt es, die Unternehmen im Falle des Falles „wenn etwas passiert“ nicht schlechter zu stellen, als andere Beteiligte in Verwaltungsverfahren. Hier drängt die Wirtschaft auf eine weitgehende Aufhebung des Kumulationsprinzips, also dass Strafen bei ein und demselben Vergehen künftig nicht mehr zusammenaddiert werden. Denn wenn auf einer Baustelle 20 Arbeiter ohne den erforderlichen Schutzhelm arbeiten, muss für jeden der Arbeiter eine eigene Strafe zu bezahlen.

In Zukunft soll es zur Verhängung von nur mehr einer Strafe kommen, wenn die Delikte zusammenhängen. Es gilt insgesamt, zu einer Kultur des Beratens statt Bestrafens zu kommen, denn die Fülle an Regelungen und gesetzlichen Bestimmungen ist für die Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmen nicht mehr zu überblicken!

Auch auf europäischer Ebene sind das die Themen, die uns begleiten, denn KMU in ganz Europa leiden unter den gleichen Problemen: hohe Kosten und Anstrengungen durch überbordende Bürokratie, Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzierung und Fachkräften. Auch die Herausforderungen durch die Digitalisierung der Wirtschaft gilt es in Chancen umzuwandeln.

Denn gerade mit dieser so wichtigen Zukunftsfrage müssen wir uns noch intensiver auseinandersetzen. Nur wenn sich der Standort Europa darauf konzentriert, alle seine Kräfte in Sachen Innovationen und Zukunft zu bündeln, wird es gelingen, zu nachhaltigen Wachstumszahlen zu kommen und Europa bestmöglich im internationalen Vergleich zu positionieren. 

Fakt ist: Unsere Unternehmen leisten Großartiges und das in wirtschaftlich sehr herausfordernden Zeiten. 2016 muss das Jahr werden, in dem gute und innovative Ideen nicht an Fragen der Finanzierung scheitern und unsere Unternehmen wieder Antrieb für Wachstum und die Schaffung neuer Jobs erhalten.