Henning Heise
Geschäftsführer, heise fleetconsulting GmbH

Die gängigen TCO-Berechnungen und prozentuellen Zusammensetzungen sind zwar richtig, jedoch nicht vollständig (siehe Grafik Kostenverteilung). Sie berücksichtigen eine Kostenposition nicht, welche die Vollkosten während eines Nutzungszyklus wesentlich beeinträchtigt. Hier sind die direkten und indirekten Aufwendungen für Schäden gemeint, die während der Laufzeit des Fahrzeugs auftreten bzw. am Ende der Laufzeit den Wiederverkaufswert mindern und teilweise zu hohen Nachzahlungen führen. Es kann somit von sogenannten Life-Cycle-Costs gesprochen werden, die nicht nur die TCO sondern auch das Fahrerverhalten in eine vollständige Betrachtung miteinbeziehen.

Kostenfaktor Schäden

Durchschnittlich hat ein Firmenfahrzeug zwischen 0,9 und 1,2 Schäden pro Jahr. Im Vergleich zu Privatnutzern, die ca. 0,3 Schäden pro Jahr haben, ist dies das 3 – 4 fache. Sogleich liegt der Erklärungsversuch nahe, dass der Dienstwagenfahrer, im Gegensatz zum Privaten (12.000 km p.a.), im Durchschnitt auch 3 mal so viele Kilometer (35.000 km p.a.) fährt. Untersuchungen haben aber ergeben, dass ca. 70% der Schäden bei Firmenfahrzeugen sogenannte Klein- und Bagatellschäden mit Kosten von < € 1.200 sind. Der Großteil dieser ist vermeidbar, da sie primär auf Unachtsamkeit zurückzuführen sind. Warum ist das so? Die meisten Firmenfahrzeuge sind kaskoversichert, sodass nur der Selbstbehalt anfällt und dieser in der Regel von der Firma bezahlt wird. Dem Fahrer entstehen in den seltensten Fällen Kosten oder Unannehmlichkeiten. Oftmals sehen sie die Rechnungen gar nicht und kennen die Höhe des Schadens nicht. Vom Unternehmen selbst werden als Unfallkosten meist auch nur die direkten, wie Selbstbehalte oder Ersatzwagenkosten gesehen, nicht aber die indirekten, die oft viel höher sind. Das sind exemplarisch zum einen die internen Kosten der Abwicklung, der Arbeitszeitausfall des Fahrers und viele andere. Richtig teuer wird es, wenn Kundentermine nicht wahrgenommen werden können und dies zu Umsatz- und Ertragseinbußen führt.

„Ein proaktives Schadensmanagements und eine bestmögliche Steuerung des Fahrerverhaltens sind unerlässlich.“

Da das Unternehmen nur den Selbstbehalt bezahlen muss und den Rest die Versicherung trägt, führt ein hohes Schadensaufkommen zu negativen Schadensverläufen. Das heißt der Aufwand für die Schäden ist höher als die eingezahlten Prämien. Die Versicherungen reagieren hier schnell mit Prämienerhöhungen, die dann direkt auf die Vollkosten der Fahrzeuge durchschlagen. Das gesamte Thema Schaden kann die TCO eines Fahrzeuges in Summe um 10 – 30% erhöhen!

Optimierte Prozesse und Prävention halten die Kosten im Zaum

Ein proaktives Schadensmanagements und eine bestmögliche Steuerung des Fahrerverhaltens sind somit unerlässlich. Spezialisierte Dienstleister bieten hier Lösungen, welche von der durchgängigen Abwicklung durch Experten, der Analyse des Schadensverlaufs über Bewusstseinsmachung bei den Firmen und den Fahrern bis hin zur präventiven Maßnahmensetzung reichen. Ein gutes  Schadensmanagement zeichnet sich auch dadurch aus, dass beschädigte Fahrzeuge in zertifizierte Werkstätten geroutet, in denen primär alternative Reparaturmethoden - wie Spot- oder Smartrepairs - angewendet werden. Diese sind qualitativ gleichwertig zu herkömmlichen Reparaturmethoden, sparen aber viel Zeit, Kosten und sind auch vom umwelttechnischen Aspekt deutlich besser. Eine 24h Fahrerhotline, die Hilfe bei der Zurverfügungstellung von Ersatzfahrzeugen sowie ein regelmäßiges und aussagekräftiges Reporting sollten ebenfalls inkludiert sein. Zur Prävention, dass es erst gar nicht zum Schaden kommt, bieten sich Fahrsicherheitstrainings an, welche in Bälde auch in Form von webbasierten Onlinetrainings angeboten werden. Die Fahrer absolvieren hier Tests aus denen dann abgeleitet werden kann in welchen Bereichen bei den einzelnen Fahrer das höchste Risiko besteht. Anschließend werden den Fahrern entsprechende Übungseinheiten für genau jene Bereiche angeboten. Bereits die dadurch verbesserte individuelle Risikowahrnehmung kann nachweislich zu einer Reduktion der Schadensquoten von 15-35% führen. Dies senkt wiederum die TCO und die jährlichen Kosten pro Fahrer sind dabei weit geringer als die Kosten nur eines Selbstbehaltes.