Mag. Michael Mock
Geschäftsführer Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungs-Unternehmungen

In Österreich wächst die Zahl von Erdgasautos jährlich. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbandes der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen, über Erdgasmobilität.

Seit wann sind in Österreich Erdgasautos erhältlich?

Vor über 15 Jahren kam das erste Erdgasauto auf den österreichischen Markt. Inzwischen gibt es ausreichend Tankstellen, technologische Verbesserungen im Fahrzeugbau und eine große Produktpalette an Fahrzeugmodellen für die unterschiedlichsten Fahrbedürfnisse.

Flüssiggas (LPG) wird ebenfalls als Treibstoff verwendet - gibt es wesentliche Unterschiede zu Erdgas (CNG)

Gegenüber CNG (Compressed Natural Gas) hat LPG (Liquified Petroleum Gas) einige Nachteile: Es wird bei wesentlich geringerem Druck flüssig gespeichert und transportiert. Erdgas kann im Gegensatz dazu im vorhandenen Gasnetz umweltfreundlich weitergeleitet werden. Erdgas ist zudem  leichter als Luft und steigt bei einem Austritt nach oben. Somit besteht bei CNG weder Erstickungs- noch Explosionsgefahr.

Bis 2020 sollen in Österreich bis zu 200.000 Erdgasautos im Umlauf sein, wie sieht die derzeitige Situation aus?

Aktuell sind knapp 8300 Fahrzeuge unterwegs, Tendenz steigend. Erdgas verbrennt ruß- und partikelfrei und leistet einen wichtigen Beitrag zur Emissionsreduktion. Der Ausbau öffentlicher Verkehrsnetzwerke, die mit Erdgas betrieben werden, kann zur Entschärfung der Luftschadstoffproblematik beitragen. Um die Zahl an Erdgasfahrzeugen zu erhöhen, wurden entsprechende Fördermaßnahmen entwickelt.

Welche Förderungen können beim Kauf eines Erdgasautos in Anspruch genommen werden?

Derzeit gibt es bundesweit den NoVA - (Normverbraucherabgabe) Bonus, der den Kauf eines Erdgasautos mit bis zu 600 € fördert, dieser ist noch bis Ende 2015 gültig. Zusätzlich gibt es Landesförderungen sowie Sonderaktionen von Automarken, Gasanbietern oder Kreditinstitutionen. Wer sich rechtzeitig über Förderungen informiert, kann sich mehrere tausend Euros bei Erwerb eines Erdgasautos ersparen.

Welche Vorurteile gegenüber Erdgasautos könnten KundInnen von der Anschaffung abhalten?

Oft wird noch immer die geringe Anzahl von Erdgastankstellen angeführt, wobei es aber in Österreich ein flächendeckendes Netz von knapp 200 Tankstellen gibt, die eine problemlose Versorgung gewährleisten. Hartnäckig hält sich auch das Vorurteil, dass die Einfahrt mit einem Erdgasauto in eine Tiefgarage nicht erlaubt wäre. Aus technischer Sicht ist dieses jedoch  unbedenklich und Verbotsschilder beziehen sich auf Autos, die mit LPG betrieben werden. Auch eine begrenzte Produktpalette ist kein Argument mehr, da gerade große Automobilhersteller verstärkt auf Erdgasmobilität setzen und ein breites Spektrum anbieten.

Welche politischen Rahmenbedingungen sollen in Österreich ausgebaut werden, um die Zahl an Erdgasautos zu erhöhen?

Die derzeitige Höhe der Besteuerung von Erdgas als Kraftstoff muss bis mindestens 2025 garantiert werden. Außerdem fordern wir gemeinsam mit dem ÖAMTC und den Erdgasautoherstellern die Verlängerung des NoVA-Bonus bis 2025. Eine Anhebung desselben auf 1.000 Euro wäre ein zusätzlicher Kaufanreiz.

Gibt es europaweit Vorzeigeländer, die bereits einen hohen Anteil an Erdgasautos aufweisen?

In Italien sind mehr als 800.000 Erdgasautos unterwegs, wobei Kostenersparnisse bei Treibstoff und Steuervergünstigungen als Hauptargumente angeführt werden. In Deutschland sind derzeit über 100.000 Erdgasautos registriert. Der weltweite Bestand an Erdgasautos liegt bei über 15 Millionen (Stand 2011).