Dr. Eva Wlodarek

Psychologin, Hamburg

Vorfreude und eine aufregende Ungewissheit sind der Reiz des Reisens, das Unbekannte sorgt jedoch häufig auch für eine gewisse Unruhe. Das führt dazu, dass manche Passagiere mit gemischten Gefühlen, angespannt und gestresst an Bord gehen. Als gefragte Expertin im Bereich Lebenshilfe ist Dr. Eva Wlodarek mit diesem Phänomen vertraut. Ihre Ratgeberbücher sind Bestseller, die bereits in sechs Sprachen übersetzt wurden, und sie kennt auch wertvolle Tipps für das entspannte Reisen.

Kommunizieren Sie offen, dass Sie sich unwohl fühlen

Wer sich nervös fühlt, sollte das dem Flugbegleiter und ruhig auch seinem Sitznachbarn mitteilen. Die meisten Menschen reagieren sehr verständnisvoll und beginnen ein ablenkendes Gespräch. Das geschulte Bordpersonal kann darüber hinaus hilfreiche und interessante Informationen über den Ablauf im Flugzeug geben.

Machen Sie es sich gemütlich

Tauschen Sie Ihre Schuhe gegen bequeme Socken, lassen Sie sich ein kleines Kissen oder eine Decke bringen, falls Ihnen kalt ist. Lehnen Sie beim Start und bei der Landung den Kopf entspannt an. Vertiefen Sie sich in ein richtig spannendes Buch. Oder informieren Sie sich über Ihr Reiseziel. Das stärkt die Vorfreude und wer über sein Reiseziel gut informiert ist, fühlt sich besser gewappnet. Das beruhigt ebenfalls.

Wenn nötig, greifen Sie zu natürlichen Hilfsmitteln

Viele Personen, die beim Fliegen nervös sind, greifen zu chemischen Beruhigungsmitteln, aber davon möchte ich abraten. Sie fühlen sich dann meist noch nach der Landung wie betäubt, außerdem besteht bei häufigem Fliegen die Gefahr von Abhängigkeit. Wesentlich verträglicher sind dagegen pflanzliche Beruhigungsmittel, beispielsweise aus Extrakten der Passionsblume, Passiflora incarnata. Ihre heilende Wirkung ist seit Jahrhunderten in Europa bekannt.

Nutzen Sie Ihren Atem zur Entspannung

Sind wir nervös, atmen wir flacher und schneller, das kann oft für noch mehr Unruhe sorgen. Wer sich seiner Atmung bewusst wird und gezielt langsam in den Bauch atmet, wird schnell eine wohlige Ruhe verspüren. Träumen Sie sich während des Fluges an Ihr Reiseziel und stellen Sie sich vor, wie schön es sein wird, wenn Sie angekommen sind – das hilft die Vorfreude zu steigern, und Sie können sich ganz entspannt zurücklehnen.

Was Sie vor Ihrem nächsten Flug sonst noch tun können:

Kommen Sie nicht in letzter Minute zum Terminal, denn Zeitdruck verstärkt den inneren Stress. Planen Sie Zeit für einen Kaffee ein oder den Kauf von Bordlektüre. Nervöse Flieger sollten einen Gangplatz über den Tragflächen buchen. Wer am Gang sitzt kann zwischendurch leichter aufstehen und über den Tragflächen ist es außerdem ruhiger.

Reiseangst hat viele Formen:

Agoraphobie, Flugangst, Angst vor Krankheiten, Tieren oder Terrorismus.

Angst haben ist normal.

Wird sie zu einem Dauerzustand oder kann allein nicht bewältigt werden, liegt aber eine Angststörung vor.

Allgemein sensiblere Menschen entwickeln häufiger Angststörungen.

Die Angst allein oder weit weg zu reisen ist eine Form von Agoraphobie. Sie entsteht in Situationen, in denen eine Flucht nicht möglich oder peinlich ist.

Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden unter Flugangst, weitere 22 Prozent verspüren deutliches Unbehagen. Auslöser sind Enge, das Gefühl eingesperrt zu sein, Kontrollverlust, Terror- oder Höhenangst. Seltener auch negative Erfahrungen an Bord. Fluglinien bieten  Seminare für angstfreies Fliegen an. Ihre Erfolgsquote ist sehr hoch.

Verhaltenstherapie hilft gegen Angststörungen. Ziel ist zu lernen, dass das erwartete Unheil ausbleibt. Die Angst wird dadurch kontrollierbar.