E-Mobilität kommt in Schwung: Die Industrie hat in den letzten Jahren viel investiert und eine große Anzahl marktreifer E-Mobilitätsprodukte und -services entwickelt. Bis zum Jahr 2020 sind rund 30 weitere Fahrzeugmodelle zu erwarten. Vor allem Plug-in Hybridfahrzeuge und Range Extender Fahrzeuge erleben neben den reinen Elektrofahrzeugen zunehmend Zuspruch und selbst im Nutzfahrzeugbereich zeigt die Trendkurve beim Einsatz von E-Fahrzeugen nach oben.

Gemäß der aktuell vorliegenden Zahlen der Statistik Austria wurden im letzten Jahr 1.677 rein elektrische Fahrzeuge sowie 1.101 Plug-in Hybride bzw. Range-Extender Fahrzeuge neuzugelassen, was in beiden Fahrzeugsegmenten ein deutliches Plus gegenüber den Vorjahren darstellt. Neuzulassungen mit reinem Elektroantrieb gehören mit einer Wachstumsrate von 31 % gegenüber dem Jahr 2014 damit erneut zu dem am stärksten wachsenden Fahrzeugsegment.

Das beeinflusst auch die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen positiv, die im Jahr 2015 in Österreich bei einem Wert von 125 g CO2/km lagen. Zum Vergleich: Fünf Jahre davor betrug dieser noch 169g CO2/km. Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit der Integration von E-Fahrzeugen im eigenen Fuhrpark. Wir erleben gerade den Übergang der E-Mobilität vom Pionierdasein zur Alltagsanwendung.

Eine diesbezügliche Auseinandersetzung seitens der Wirtschaft ist auch notwendig, um den ambitionierten CO2-Zielsetzungen der EU nachzukommen. So sieht etwa das Weißbuch Verkehr die Halbierung der Verwendung konventioneller Fahrzeuge in der Stadtlogistik und eine CO2-freie City-Logistik in größeren urbanen Zentren bis zum Jahr 2030 vor.

Wirtschaftlichkeit von E-Mobilität im Fuhrpark

Rund 60 % der Neuzulassungen sind Firmenfahrzeuge. E-Mobilität in Unternehmen zu forcieren kann damit eine enorme Hebelwirkung für einen sauberen Verkehr entfalten. Die Steuerreform, die mit Anfang 2016 in Kraft getreten ist, setzt genau hier an und befreit reine Elektrofahrzeuge und Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge von Vorsteuer und Sachbezug. Einziger Wermutstropfen: Aus Expertensicht ist es völlig unverständlich, warum man die Brückentechnologien der Plug-in Hybride und Range Extender Fahrzeuge außen vor gelassen hat. Gerade in Unternehmen gibt es zahlreiche Anwendungsfälle, wo genau diese Fahrzeuge eine zentrale Rolle spielen. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich die

Steuerreform in den Zulassungszahlen von E-Fahrzeugen niederschlagen wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch den möglichen Vorsteuerabzug und etwaige Förderungen können bei der Anschaffung eines E-Nutzfahrzeuges, dem Nissan e-NV200 etwa, gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor rund 10.000 Euro erspart werden.

Durch die Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer bedeutet dies bei einer Laufzeit von acht Jahren eine Ersparnis von insgesamt mehr als 13.000 Euro. Dazu kommen noch weitere Aspekte, die sich positiv in den laufenden Kosten niederschlagen: Bei E-Fahrzeugen ist je nach Fahrweise und Strompreis mit Energiekosten von zwei bis vier Euro pro 100 km zu rechnen. Zudem weisen diese etwa um ein Drittel weniger Wartungskosten auf.

Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht planen

Mit der Umstellung des Fuhrparks kommen auf einem Unternehmer nicht nur Fragen in Bezug auf die Fahrzeugauswahl zu, sondern auch hinsichtlich der Ladeinfrastruktur gilt es, sich mit dem Thema eingehend auseinanderzusetzen. Wichtig ist, dass dabei die Ladetechnik bedarfsgerecht implementiert wird: So gilt es zu beachten, ob langsames, beschleunigtes oder schnelles Laden am Unternehmensstandort Sinn macht, welche Steckertypen benötigt werden und ob die Ladetechnik Services wie die Reservierbarkeit oder Abrechnungsmöglichkeit von Ladeleistungen aufweisen muss.

Letzteres ist in jenem Fall anzuwenden, wenn die unternehmenseigene Ladeinfrastruktur auch externen Usern zur Verfügung stehen sollte, denn es ist erwartbar, dass 40 % der gesamten Ladeinfrastruktur in Anwendungsbereichen wie Firmengeländen zu finden sein werden. Dadurch werden auch Businessmodelle entstehen, die Unternehmen ein Ladeservice für Kunden, benachbarte Betriebe oder auch Private anbieten lassen.

Hinsichtlich der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur ist Österreich aktuell stark in Verzug: Bei der Ladeinfrastruktur gibt es trotz aktueller Anstrengungen seitens einzelner Marktplayer noch kein ausreichendes und bedarfsgerechtes Ladenetz, um den Nutzern die Reichweitenangst zu nehmen. Hier fehlt es derzeit größtenteils noch am politischen Willen.