Ihr Fuhrpark soll grüner werden. Wie sieht dafür der Zeitplan aus?

Wir haben 2011 begonnen, unseren Fuhrpark bestehend aus circa 9000 Fahrzeugen schrittweise umzuwandeln. Im nächsten Jahr werden 1300 Elektrofahrzeuge im Einsatz sein. Bis Ende 2016 wollen wir eines unser großen Etappenziele geschafft haben: In Wien soll dann die gesamte Brief- und Werbepostzustellung an Privatkunden nur noch mit Elektrofahrzeugen oder zu Fuß durchgeführt werden.

Eine solche Umwälzung geschieht bei einem derartig großen Unternehmen vermutlich nicht über Nacht?

In der Tat. Wir könnten jetzt schon 50 Prozent unserer Flotte elektrisch betreiben. Die am Markt erhältlichen Fahrzeuge würden es in puncto Reichweite und Zuladung erlauben, die Zustelltour zu absolvieren. Die Energie für die eingesetzte Flotte erzeugen wir in zwei eigenen Fotovoltaikanlagen selbst. Aber so eine Umwandlung kann nicht in einer Hauruck-Aktion geschehen. Vorher müssen die Auswirkungen genau abgeschätzt werden.
Ein Konzern unserer Größe hat den Vorteil, dass er mehr probieren kann: Die Kapazitäten, mit denen wir Elektrofahrzeuge derzeit einsetzen, machen bei anderen Unternehmen den gesamten Fuhrpark aus. Im Fuhrpark der Post entspricht das nur zehn Prozent der Gesamtflotte. Somit fällt das Risiko deutlich geringer aus.

Was gilt es zu beachten?

Die Post hat die Vorgabe, innerhalb Österreichs 95 Prozent aller Briefe am nächsten Werktag zuzustellen. Eine solche Effizienz müssen wir beibehalten. Wir müssen aber nicht nur die Kunden zufriedenstellen, sondern dürfen nicht vergessen, Berührungsängste der Mitarbeiter abzubauen: Schließlich haben die wenigsten Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen. Hier gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Daher nehmen wir uns bei der Übergabe auch in Kooperation mit den Herstellern besonders viel Zeit. Zusammengefasst: Unser Ziel ist ein nachhaltiger wie zuverlässiger Fuhrpark, der unsere Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen zufriedenstellt – und das alles natürlich zu vertretbaren Kosten.

Wie ist denn bisher die Resonanz auf die Elektrofahrzeuge?

Laut Mitarbeiterumfragen sind über 90 Prozent damit zufrieden. Viele wollen es gar nicht mehr hergeben. Aber auch die Kunden reagieren bislang sehr positiv. In der Auslieferung hat sich ohnehin nichts verändert. Aber nachhaltige Ansätze werden ja inzwischen in der Bevölkerung verstärkt wohlwollend betrachtet. Und Anrainer freuen sich auch darüber, wenn das Postlermoped nicht mehr stinkt und knattert.

Kunden und Mitarbeiter sind also zufrieden. Gilt das auch für den Controller?

Um finanzielle Erfolge zu vermelden, ist es im Moment noch zu früh – es sieht jedoch nicht schlecht aus, wenn wir unsere Hochrechnungen betrachten. Bis jetzt sind wir auf Fördermittel angewiesen: Aufgrund des geringen Wettbewerbs ergeben sich sehr hohe Anschaffungskosten, aber das sollte sich bald ändern. Eine Hemmschwelle für den Umstieg ist für manche Interessenten natürlich der im Vergleich deutlich höhere Anschaffungspreis. Jedoch ist es einfach kurzsichtig, sich davon abschrecken zu lassen: Langfristig ist so ein Fahrzeug durch geringere Instandhaltungskosten und die Energieeinsparung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch die bessere Wahl.

Warum sind Elektrofahrzeuge bei der Wartung im Vorteil?

Gerade bei der Post werden Fahrzeuge ja viel intensiver beansprucht als bei einem durchschnittlichen Gebrauch. Ein Elektroauto hat wesentlich weniger wartungsintensive Bauteile: Das permanente An- und Abfahren strapaziert normalerweise das Getriebe und die Kupplung – das fällt hier natürlich weg. Jedoch ist die Infrastruktur für die Wartung von Elektrofahrzeugen noch ausbaufähig, da es nicht überall die dafür zertifizierten Werkstätten gibt. Das ist durchaus eine Herausforderung, weil wir seit einiger Zeit keine eigenen Werkstätten mehr unterhalten. Aber ihre Anzahl wird sicher steigen, wenn sich die Elektrofahrzeuge weiter verbreiten. Das ist einfach ein Nischenprodukt, das gerade erst aus der Nische herauswächst.