Das Plastiksackerl für den Einkauf, der Einwegbecher für den Kaffee, das neue Vertragshandy – immer schneller schleusen wir wertvolle Rohstoffe durch ein lineares Wirtschaftssystem, das nach dem Durchlaufprinzip „take, make, waste“ („produzieren, konsumieren, wegwerfen“) funktioniert – und nehmen damit von der Erde mehr, als sie an Ressourcen erneuern und Abfall aufnehmen kann.

Klimawandel, Artensterben und Wassermangel sind Folgen eines Wirtschaftsmodells, das zunehmend das Fundament unserer Zukunft untergräbt und die Ressourcensicherheit gegenwärtiger und zukünftiger Generationen gefährdet. Wir wissen es schon lange: So, wie wir wirtschaften, kann es nicht weitergehen. Und ahnen: Es könnte alles auch ganz anders funktionieren!

Linien zum Kreis

Das dachte sich vor dreizehn Jahren auch die britische Weltumseglerin Ellen MacArthur. Mitten auf dem Ozean musste sie auf ihrem kleinen Boot über mehrere Monate mit wenigen Ressourcen haushalten. Die persönlich prägende Erfahrung führte ihr vor Augen, wie verschwenderisch wir als Menschheit mit wertvollen Ressourcen umgehen, die endlich sind, und wie gut es sich mit wenigen Ressourcen auskommen lässt, wenn wir sorgsam mit ihnen umgehen.

Als sie wieder den Fuß an Land setzte, hatte sich ihre Sicht auf die Erde grundlegend verändert. Seitdem reist sie um die Welt, um für einen Systemwandel unserer Wirtschaft zu werben. Ihr Ziel: die Umstellung unserer linearen Wirtschaft auf eine Kreislaufwirtschaft, welche eingesetzte Ressourcen möglichst lange nutzt, also sprichwörtlich im Kreis führt.

Mit ihrem Einsatz und der Arbeit der von ihr gegründeten Ellen McArthur Foundation gab sie in den vergangenen Jahren einer Idee Auftrieb, die zuvor bestenfalls in Fachkreisen diskutiert wurde, und lieferte damit wichtige Impulse für politische Entwicklungen und wirtschaftliches Engagement.

Nicht nur die Europäische Union, sondern auch einige Mitgliedstaaten und Unternehmen arbeiten inzwischen mit Feuereifer an einem Übergang von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft. Doch was macht das Modell der Kreislaufwirtschaft so attraktiv?

Produkte von Dauer

Statt Rohstoffe durch ein lineares System zu schleusen, zielt das Modell der Kreislaufwirtschaft darauf ab, Produkte oder Teile davon so lange wie möglich in der Nutzung zu halten. Will man die Wirtschaft als permanenten Kreislauf anlegen, muss allerdings von vornherein alles anders konzipiert sein: vom Produktdesign über die Herstellung und Nutzung bis hin zum Recycling. Dementsprechend setzt die Kreislaufwirtschaft auf Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Verbessertes Design sorgt dabei von Anfang an dafür, dass Produkte langlebig und reparaturfähig sind und leicht demontiert und recycelt werden können.

Vom Abfall zur Ressource, vom Verbraucher zum Nutzer, vom Produkt zur Dienstleistung

Alternative Geschäftsmodelle wie Sharing (Teilen), Repair/Reuse (Reparieren/Wiederverwenden), Produkte als Dienstleistung, Remanufacturing (Aufarbeitung gebrauchter Geräte) und Recycling halten die eingesetzten Materialien anschließend möglichst lange in der Nutzung. So kann der Lebenszyklus eines Produkts durch Reparatur, Wiederaufbereitung, Upgrading und Weiterverkauf deutlich verlängert werden.

Besitz neu definiert

Eine wichtige Rolle spielt dabei der erwähnte Verkauf von Produkten als Dienstleistung. Eigentümer des Produkts bleibt dabei der Hersteller, der damit auch für dessen Reparatur und Erhalt verantwortlich ist. In einer Kreislaufwirtschaft würden wir also die Waschmaschine nicht mehr kaufen, sondern mieten. Und weil die Maschine weiter dem Hersteller gehört, baut er sie besonders haltbar und so, dass er sie nach ihrem Einsatz wieder zerlegen und die eingesetzten Materialien für neue Produkte wiederverwerten kann.

Politische Steuerung

Das mag sich nach ferner Zukunftsmusik anhören. Tatsächlich wird die Kreislaufwirtschaft aber bereits auf den Weg gebracht. Im Dezember 2015 verabschiedete die Europäische Kommission das sogenannte „Kreislaufwirtschaftspaket“ mit dem Ziel, den Übergang zu einer kreislauforientierten Wirtschaft in der EU zu fördern. Das Paket umfasst unter anderem eine Liste von 54 Maßnahmen, die den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Materialien betreffen.

Hierzu gehören zum Beispiel Vorschriften zur Produktgestaltung, zur verbesserten Kennzeichnung von Produkten oder zur Förderung der Wiederverwendung. Nun geht es darum, das Engagement der EU auch in die Mitgliedstaaten und Regionen zu tragen und dort als Motor für lokale Entwicklungen zu nutzen. Aus gutem Grund: Wer in die Kreislaufwirtschaft investiert, investiert nicht nur in den Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch in regionale Wertschöpfung und die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Mit seinem Fokus auf Wartung, Reparatur, Wiederaufbereitung und Recycling bietet das Modell der Kreislaufwirtschaft vor allem im Dienstleistungssektor großes Potenzial für die Schaffung regionaler Arbeitsplätze. Gleichzeitig sinkt unsere Abhängigkeit von zunehmend teuren und oftmals schwankenden Rohstoffimporten durch das Halten wertvoller Rohstoffe im Kreislauf.

Achtsamer Umgang

Derzeit lässt sich zwar noch kein Leben nur mit Produkten und Dienstleistungen aus der Kreislaufwirtschaft führen. Aber wir können Pioniere unterstützen und Produkte kaufen, mit denen wir bewusster konsumieren. Setzen Sie bei Getränken auf Mehrweg statt Einweg, kaufen Sie mehr Produkt als Verpackung, schenken Sie mit einer Reparatur ein zweites Leben, trennen Sie Ihren Abfall und wenn Sie sich ihre nächste Waschmaschine anschaffen, investieren Sie in Qualität: Sie schonen damit nicht nur die Umwelt, sondern auch Ihren Geldbeutel. Und denken Sie daran: Jeder Schritt zählt. Das Wichtigste ist, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen!