Ing. Josef Winkler
Komitee Manager und Risikomanager, Austrian Standards Institute

Was versteht man unter dem Begriff Risikomanagement im Generellen?

Ganz einfach ausgedrückt – Risikomanagement sichert das Überleben eines Unternehmens, einer Organisation oder eines Projekts. Es hat zum Ziel, die Unsicherheit von Entscheidungen zu vermindern, die Zielerreichung von Organisationen zu verbessern und die Sicherheit von Systemen zu erhöhen. Risikomanagement ist also das Dach des Ganzen und ein einfaches Steuerungsinstrument.

Um was geht es dabei genau?

Ganz zentral ist dabei, dass Risiko nicht nur als etwas Negatives verstanden wird. Im Alltag ist das leider oft der Fall. Ausgenommen im Sport und der Wirtschaft, wo Risiken bewusst eingegangen werden, um Gewinne zu generieren, ist Risiko dem allgemeinen Verständnis nach etwas Schlechtes. Beim Risikomanagement geht es aber nicht nur darum, Gefahren sichtbar zu machen und zu eliminieren, sondern auch darum, Chancen wahrzunehmen und diese zu realisieren.

Was sind die Vorteile von Risikomanagement?

Wie schon erwähnt, ist es ein sehr einfaches und effizientes Steuerungsmittel, welches noch dazu sehr rasch einsetzbar ist. Außerdem ist Risikomanagement, wenn es richtig angewandt wird, nicht wirklich kostenintensiv. Nicht nur, aber besonders im Krankenhausbereich, fungiert es auch als Schnittstellenmanagement. Dort wo Fehler passieren können, beispielsweise bei der Übergabe von Tagdienst zu Nachtdienst oder wenn Patienten die Station wechseln, setzt das Risikomanagement an.

Ist der klinische Bereich ein Sonderfall, wenn es um Risikomanagement geht?

Ein Sonderfall im positiven Sinn. In Österreich haben wir es geschafft, im Kranken- und Gesundheitswesen Risikomanager gut ins System zu integrieren. So sind beispielsweise in den Landeskrankenanstalten in der Steiermark, in Salzburg und in Tirol in den verschiedensten Bereichen – von der ärztlichen Stationsleitung bis zur Pflegedienstleitung – zertifizierte Risikomanager im Einsatz.

Wie sehen diese Zertifikate aus?

International gesehen gibt es anerkannte Grundsätze und Grundlagen, die Risikomanagement als Verantwortung der obersten Organe verstehen. Sie definieren Methoden, die notwendig sind, um Risiken zu beurteilen, zu bewältigen und zu überwachen. In Österreich haben wir darauf aufbauend die Serie der ON-Regeln ONR 49000 ausgearbeitet und immer wieder weiterentwickelt. Diese integrieren nicht nur die international erfolgten Normungsarbeiten, sondern beinhalten ein vollständiges Risikomanagement, sowie Notfall-, Krisen- und Kontinuitätsmanagement. Nach diesen Regeln werden die Risikomanager ausgebildet und zertifiziert.

Wie viele Risikomanager gibt es bereits?

Im deutschsprachigen Raum sind es um die 1500 nach ON-Regeln zertifizierte Risikomanager, die in den verschiedensten Bereichen arbeiten und die Zahl steigt immer weiter an. Besonders schön ist dabei die Entwicklung in der Schweiz. Dort hat die Bundesregierung beschlossen, Risikomanager auf der gesamten Bundesebene flächendeckend einzusetzen.