HR Dr. Peter Schweppe
Präsident Netzwerk Risikomanagement Österreich

Der Anwendungsbereich von Risikomanagement erstreckt sich nicht nur auf Hochrisikobereiche, Störfälle oder risikoreiche Geschäfte, sondern auch auf die Risiken des täglichen Lebens. Risikomanagement kann dementsprechend als der systematische Umgang mit Risiken, mit dem Ziel, auf diese Einfluss zu nehmen und deren Wirkung in Hinblick auf eigene Zielvorstellungen zu minimieren bzw. zu steuern, definiert werden.

Das Hauptziel von Risikomanagement besteht darin, das Überleben der jeweiligen Organisation sicherzustellen. Daneben zielt es auch darauf ab, auf Grundlage der festgelegten Risikostrategien die Risikokosten zu optimieren, sowie Bedrohungen von absoluten Schutzgütern (wie Leib und Leben) zu vermeiden.

Risikomanagement beschäftigt sich aber auch mit der Prioritätenverteilung. Der Begriff des Risikos ist nicht nur negativ im Sinne von Bedrohungen und Gefahren behaftet, sondern beinhaltet auch den positiven Aspekt der Chancen. Für die Risikogröße ist neben der Auswirkung insbesondere deren Eintrittswahrscheinlichkeit zu berücksichtigen.

Systematischer Ansatz

Zur Einführung und Umsetzung von Risikomanagement haben sich – abhängig vom Wirtschaftszweig und Tätigkeitsfeld – verschiedenste Standards etabliert. Besondere Erwähnung sollte jedoch die Norm ISO 31000 finden, zumal sie aufgrund ihres „Open Framework“ grundsätzlich in sämtlichen Bereichen und Branchen herangezogen werden kann und ein Benchmark für Organisationen, die ein unternehmensweites Risikomanagement betreiben wollen, darstellt. Die praktische Umsetzung kann der ONR 49000 entnommen werden.

Beiden Normen liegt ein systematischer Ansatz zu Grunde. Risikomanagement ist eine Führungsaufgabe. Diese wird dazu genutzt, um ein System einzurichten, zu betreiben und zu steuern, und das Risikobewusstsein sämtlicher Beteiligter zu schärfen, über Risiken zu kommunizieren und eine positive Kultur im Umgang mit unerwünschten Ereignissen, Fehlern und kritischen Zwischenfällen zu schaffen. Diese Elemente des Risikomanagements tragen dazu bei, die richtigen Maßnahmen und Strategien zur Risikobewältigung auszuwählen und umzusetzen.

Risikomanagement benötigt Kultur und schafft Werte und Vertrauen“

Als Beispiel für eine gelungene Anwendung von systematischem Risikomanagement in einem Unternehmen der Gesundheitsversorgung ist das klinische Risikomanagement in Krankenhäusern zu nennen. Gerade in diesem Bereich spielt der Faktor Mensch eine wesentliche Rolle, zumal 60–80 Prozent der kritischen Zwischenfälle in Bereichen komplexer Arbeitsbedingungen auf menschliche Fehler bzw. Fehlleistungen zurückzuführen sind. Die Patientensicherheit, somit die Gewissheit für den Patienten, im Rahmen der Behandlung keinen Schaden zu erleiden, wird durch Reduktion der Behandlungsrisiken und Optimierung der Abläufe erhöht.

Risikomanager sowie Experten aus Medizin und Pflege durchleuchten die Behandlungsprozesse in Hinblick auf Risiken und Fehlermöglichkeiten und arbeiten Vermeidungs- und Bewältigungsstrategien aus. Risikomanagement zu betreiben bedeutet zwar keine absolute Sicherheit, dass ein Risiko nicht eintreten wird, systematisches Risikomanagement hilft aber, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen zu reduzieren und den Fokus nicht vorwiegend auf die Suche nach „Schuldigen“, sondern auf die Ursachen zu legen, um zukünftig aus Ereignissen und Entwicklungen lernen zu können.

Vernetzung der Risikomanager in Österreich

Netzwerk Risikomanagement Österreich wurde als gemeinnütziger Verein mit dem Vereinszweck gegründet, die Verbreitung von Risikomanagement in den verschiedensten Anwendungsbereichen zu fördern. Dies erfolgt durch Kongresse, Ausbildungslehrgänge und Publikationen.