Wer Marktlücken intelligent nutzt, kann die sonst stärkere Konkurrenz oft sehr gut ausstechen. Wer sein eigenes Unternehmen führt, ist sein eigener Chef und trifft auch seine eigenen Entscheidungen. Besonders österreichische Unternehmen haben für strategische Entscheidungen offenbar ein gutes Auge, vor allem, wenn es um das Auslandsgeschäft geht: Seit dem EU-Beitritt 1995 haben sich die Exporte verdreifacht. So weit, so erfreulich.

Wer allerdings geschäftlich international tätig ist, wird auf andere Probleme stoßen als im Heimatmarkt. Während dieser wie ein vertrautes Gewässer ist, scheint im grenzüberschreitenden Geschäft oftmals die raue hohe See zu warten. In fremden Märkten lauern Risiken, die zuhause in dieser Form entweder nicht vorhanden sind oder durch die bessere Kenntnis des Umfeldes leichter zu handhaben sind.

Risikomanagement so gut wie nicht vorhanden

Besonders Österreichs KMU-Betriebe unterschätzen diese Risiken sehr häufig, warnen Experten. Während die Bedeutung des Außenhandels in den Bilanzen weiterhin stetig steigt, ist das Bewusstsein, dass Unwägbarkeiten auftreten können, nach wie vor unzureichend ausgeprägt.

Dabei könnten oft schon relativ einfache Versicherungsprodukte auftretende Schwierigkeiten für die betroffenen Unternehmen spürbar abfedern. In den meisten Betrieben ist die Aufgabenzuteilung „Risikomanagement“ schlichtweg nicht oder nur sehr unzureichend vorhanden, wie verschiedene rezente Studien aufzeigen.

Oftmals liegt diese Aufgabe beim Eigentümer oder Geschäftsführer selbst, der dieses Gebiet am Rande mitbetreut. Eine unzureichende Konstruktion. Sowohl daheim als auch auswärts liegen sehr viele Risikopotentiale verborgen, die es im Auge zu behalten gilt, denn gerade für ein kleineres Unternehmen kann ein Forderungsausfall erhebliche Probleme bedeuten.

Ausfallsszenarien sind zu wenig im Blickfeld

Da sich KMU-Chefs aber in der Regel eher auf ihre Kernkompetenz – nämlich die Führung ihres Unternehmens – konzentrieren sollten, können sie diese Dinge nur sehr peripher im Auge behalten. Dadurch kann auf auftretende Probleme zumeist nur im Nachhinein und ohne festgelegte Strategie situationsbezogen reagiert werden, was Reibungsverluste hervorruft, die vermeidbar gewesen wären.

Probleme treten oft unvorhergesehen auf

Grundsätzlich liegen Risiken in verschiedenen Bereichen. Der naheliegendste Bereich ist das reine Markt- oder Finanzrisiko, wo etwa ein neuer Mitbewerber dazugehören kann oder diverse Trends des Marktes, die Auswirkungen auf das Geschäft selbst und dadurch auf Liquidität oder Kreditwürdigkeit haben können.

Natürlich sind aber auch Ausfälle wie ein Werksbrand oder ein durch Schneefall gesperrter Zufahrtsweg zu beachten. Gerade im Ausland kommt zum wirtschaftlichen aber auch noch ein politisches Risiko dazu. Für den Exporteur können das etwa Devisentransferbeschränkungen sein. Hat man etwa einen Abnehmer in einem politisch instabilen Land, der zahlungswillig ist, aber aufgrund politischer Restriktionen Devisen nicht außer Landes bringen darf, so kommt man nicht an sein Geld.

Dass diese Probleme rasch und schwer vorhersehbar auftreten können, hat gerade die jüngere Vergangenheit gezeigt: So waren etwa Russland oder die Ukraine bis vor Kurzem noch relativ stabile Handelspartner. Auch innerhalb der EU haben etwa Griechenland und Ungarn beispielhaft dargestellt, dass politische Unwägbarkeiten oft schneller auftreten können als gedacht.