Können Sie uns einen ersten Einblick geben, was Private Equity eigentlich genau bedeutet und worum es sich dabei handelt?

Der Begriff Equity bedeutet so viel wie Eigenkapital. Das Wort private steht hier im Gegensatz zu public, das heißt, es gibt keinen öffentlichen Marktplatz wie etwa die Börse, wo gehandelt werden kann. Der Einstieg eines Investors passiert direkt durch Anteilskauf oder durch eine Kapitalerhöhung. Unterschieden wird noch nach dem Zeitpunkt des Investments: Existiert das Unternehmen bereits, will es expandieren oder ist es noch in der Startphase – all das sind für Investoren zentrale Fragen.

Wer sind hier die richtigen Unternehmen, die sich für Private Equity gewissermaßen bewerben können?

Ein Unternehmen kann in verschiedenen Situationen privates Eigenkapital bekommen wollen, etwa dann, wenn ein Risiko mit Eigenkapital finanziert werden muss. Fremd- und Eigenkapital haben in der Finanzierungsstruktur jedes Unternehmens eine eigene Funktion. Im zunehmenden globalen Wettbewerb können Unternehmen nur durch zielgerichtete Investitionen nachhaltig wachsen und somit am Markt bestehen. Derartige Investitionen sind allerdings mit Risiko behaftet und können nicht immer zur Gänze mit Fremdkapital (also Krediten) finanziert werden.

Durch die strengen regulatorischen Vorgaben (Basel III) werden Banken klar auf ihre Rolle als Fremdkapitalgeber beschränkt und können nicht (mehr) die höheren Eigenkapitalrisiken übernehmen. Die Unternehmen brauchen also Finanzierungspartner, die Eigenkapital zur Verfügung stellen wollen und können.  

Welchen Vorteil bieten Private-Equity-Investoren für den Unternehmer?

Wie erwähnt, haben PE-Investoren eine klare Finanzierungsfunktion, die den Unternehmen zur Expansion verhilft. Eigenkapital hat im Unterschied zum Kredit keine Laufzeit, sondern ist so lang drin, wie ich es als Investor drin lasse. Das erhöht die finanzielle Flexibilität des Unternehmens.

Zusätzlich dazu können PE-Investoren strategischen Mehrwert bieten. Als Ergebnis ist Eigenkapital für jene Investitionen attraktiv, die vor allem strategisch und langfristig angelegt sind – etwa, wenn das Unternehmen schneller wachsen will als dies durch die eigens generierten Ertragskraft darstellbar wäre. Das damit verbundene Risiko ist durch Fremdkapital (Bankkredit) nicht finanzierbar. Darüber hinaus kann durch PE-Investoren auch ein Eigentümerwechsel finanziert werden – wie z.B. in Nachfolgesituationen bzw. bei einem Generationswechsel.

Wie hoch sollte eigentlich ein Investment sein, um in einen Private-Equity-Fonds einzusteigen?

Generell spricht man hier von Millionenbeträgen. Es gibt allerdings auch Fonds, die einen Einstieg schon ab rund 300.000 Euro anbieten – klassischerweise sind dies allerdings kleinere Fonds, die primär in Frühphasenunternehmen, also Start-ups, investieren, bei denen die Investitionssummen deutlich geringer sind.

Durch das neue Crowdfundinggesetz kann man auch mit sehr kleinen Summen direkt in ein Unternehmen investieren – verzichtet allerdings als Investor auf das professionelle Investitionsmanagement eines Fonds. Dieses neu in Österreich verabschiedete Gesetz ist gut und sinnvoll, wird aber keine großen Volumina generieren.

Sprechen wir noch über den österreichischen Markt: Wie ist die Situation hierzulande?

Katastrophal. Österreich ist im Bereich Private Equity extrem weit hinten. Das hat auch kulturelle Gründe, liegt aber vor allem daran, dass die gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen leider äußerst schlecht sind. Es gibt zu viele rechtliche Grauzonen, gleichzeitig wird Eigenkapital in Österreich faktisch doppelt besteuert. Dieser regulatorische und steuerliche Nachteil gegenüber dem Rest Europas ist massiv und führt dazu, dass sehr wenig privates Kapital in die Wirtschaft fließt.

Volkswirtschaftlich ist das eine Katastrophe, weil das Angebot von Fremdkapital nicht ausreicht, um die notwendigen Investitionen zu finanzieren. Und wenn man langfristige Investitionen nicht finanzieren kann – woher soll dann der konjunkturelle Aufschwung kommen?