Mag. Julia Weinzettl
Geschäftsführerin Taskfarm Gmbh, Betreiberin der Interviewreihe: Future of Work - wie sich die Gesellschaft über Arbeit verändert

Wir arbeiten an Laptops und empfangen unsere Emails am Handy. Wir sind rund um die Uhr und egal an welchem Ort wir uns befinden, erreichbar. Es sei denn, wir schalten bewusst ab. Work-Life-Balance macht einem anderen Begriff Platz: Work-Life-Integration. Wir befinden uns sowohl bei der Arbeit in großen Konzernen, als auch in kleinen Unternehmen in einer Welt, in der es Usus ist, dass die Partner und Kollegen sich in anderen Ländern und anderen Zeitzonen befinden.
Mitarbeiterführung wird „remote“, also ohne miteinander von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren, umgesetzt. Das klassische Arbeiten von 9 to 5 ist obsolet geworden, Anwesenheit gilt in den meisten Fällen nicht mehr als notwendiger Garant für gut geleistete Arbeit. Führungsstil des Vertrauens ist die Devise - einen Vorschuss über den Erhalt der Umsetzung zu geben, ohne ständig über die Schulter zu sehen und zu kontrollieren. Das erfordert ein großes Umdenken für viele Manager einerseits, andererseits bietet es eine große Chance für die Zusammenarbeit und Förderung der Kreativität und der Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Digital Natives haben andere Werte

Sich mit diesen veränderten Bedingungen auseinanderzusetzen ist keine Luxusbeschäftigung, denn die Generationen, die nachkommen, die „Digital Natives“, die
bereits mit einer 99-prozentigen igen Handypenetration und der „always on“-Mentalität aufgewachsen sind, haben einen ganz anderen Zugang zur Arbeit an sich und ganz andere inhaltliche Vorstellungen.
Diese Generation Y, die in zehn Jahren laut Statistiken 70 Prozent unserer Entscheiderpositionen besetzen wird, haben wenig Verständnis für hierarchische Organisationsstrukturen. Sie sind die Generation, die als Kinder zusehen konnten, wie im Arbeitsleben der Eltern Schlagworte wie Burnout geprägt wurden und haben ebenso gesehen, daß ein großer Einsatz oft weder die gehoffte Erfüllung noch einen friedlichen Ausklang in der Pension gefunden haben. Mit dem zusätzlichen Gedanken, dass sie selbst vermutlich nicht mehr in Pension gehen können, hat sich der inhaltliche Anspruch an die Arbeitstätigkeit geändert.

„Work-Life-Balance wird abgelöst von Work-Life-Integration.“

Wenn schon lebenslang, dann sinnstiftend

Ihr Wertesystem differenziert sich aufgrund der technologischen und sozialen Gegebenheiten stark von der der vorherigen Generation. Das Internet und die Digitalisierung haben viele Möglichkeiten für den Einzelnen eröffnet, Leben und Umfeld nach den eigenen Wünschen zu gestalten sowie eine Wissensdemokratisierung mit sich gebracht. In dieser Welt sind sie aufgewachsen und haben den Ansatz des Sharings über Social Media von Anfang an mitgeprägt - die eigene Meinung oder was man für wichtig empfindet über Social Media Kanäle ständig zu teilen, war erst der Anfang, ist aber Teil eines Mindset. Bereits mit ökologischer Sensibilisierung ausgestattet, war das Teilen von Ressourcen, wenig genutzten Geräten, Immobilien, Autos und Wissen eine natürliche Folge in deren Entwicklung.

Knowledge Ownership wird ersetzt durch Teilen und Vermehren

Dies ist ein Knackpunkt in der Art der Mitarbeiterführung. Denn das Zurückhalten von Information um eine Machtposition zu beanspruchen, wird weder verstanden noch akzeptiert. Kooperation ist angesagt, Themenführerschaft statt Personenführerschaft. Mitarbeiter formieren sich selbst zu interdisziplinären Projektteams. Die Führungskraft wird als Mentor und Coach gesehen. In deren Verantwortungsbereich wird das Bereitstellen und Koordinieren der Life long Learning Maßnahmen noch wichtiger, denn die nächste Generation definiert sich über Wissen und nicht über Besitz. Sinnvolle Nutzung z.B. von MOOCs (Massive Open Online Courses) – Online-Unterricht, der weltweit von Universitäten angeboten wird, entspricht dem Sharing-Gedanken. Er ist von den nachfolgenden Generationen bereits gelernt und wird integrativ in der Arbeitslandschaft als effizienter Baustein verwendet.