Mag. Michael Frank
Mitglied des Vorstands Garant Versicherungs AG

Welche Risiken gibt es im International Business?

Es gibt eine ganze Reihe von Risiken, die sich grob in zwei Blöcke unterteilen lassen. Der erste Block sind die kommerziellen Risiken, wie etwa die Insolvenz des Geschäftspartners, der seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann.

Der zweite Block sind politische Risiken. Da kann es dann vorkommen, dass der Käufer gar nicht zahlen darf - etwa, weil sein Staat den Abfluss von Devisen verhindern will oder ein Bürgerkrieg ausbricht. Wenn man von internationalen Wirtschaftstransaktionen spricht, kommt auch ein Transportrisiko dazu. Im Idealfall wird man versuchen, diese Risiken auszuschalten oder zu minimieren.

Worauf müssen Geschäftsleute im International Business besonders achten?

Der wichtigste Faktor ist in meinen Augen, dass man sich der Risiken bewusst wird und sie genau analysiert. In weiterer Folge müssen diese Risiken dann überwacht werden – was heute noch ein Risiko ist, muss morgen keines mehr sein, dafür können andere auftauchen. Wenn ich meine Risiken kenne kann ich agieren – sie vermeiden, minimieren und mich dagegen absichern.

Was bedeutet das im Detail?

Es muss klar sein, dass die Gefahrenpotentiale sehr individuell sind. So habe ich etwa nach Deutschland weder politisches noch Währungsrisiko, bei Geschäften in die USA kann es zu Dollarkursschwankungen kommen und der nahe Osten ist politisch instabil. In allen Fällen existiert ein kommerzielles Risiko was den Geschäftspartner betrifft.

Wenn sich die politische Großwetterlage, etwa durch eine Wahl oder Revolution, verändert, dann zieht das einen Rattenschwanz an Folgen nach sich. Es gilt also, jedes Geschäft einzeln zu betrachten und zu bewerten. Danach kann und soll man handeln.

Wie kann sich ein Unternehmer wappnen?

Nach der erfolgten Analyse folgt das strategische Vorgehen: Gemeinsam mit den professionellen Partnern muss der Unternehmer genau überlegen, wie man den jeweiligen Risiken entgegentreten kann. Zu diesen Partnern gehören etwa die Hausbank, staatliche Exportversicherungsagenturen oder Kreditversicherer.

Besonders letztere können wirtschaftliche und politische Risiken flexibel und individuell übernehmen, was für den staatlichen Versicherer ein Kernbedürfnis ist. Im Hinblick auf Transportrisiken wie Warenverlust oder höhere Gewalt stellt darüber hinaus die klassische Schadensversicherung gewissermaßen die Basisaustattung dar.

Welche Chancen entstehen durch Business am Internationalen Markt?

Die Chancen sind in meinen Augen sehr wesentlich und groß. Als Österreicher wissen wir das besonders gut, da unsere Wirtschaft sehr offen und exportorientiert strukturiert ist. Gerade in Zeiten, in denen die Inlandskonjunktur schwächelt, ist das wichtig, da die starken Exporte die heimische Wirtschaft auffangen und stützen.

Dadurch kann man einzelne Konjunkturzyklen gut abfedern. Wir sprechen bei International Business also nicht nur von einer Chance, sondern vom Erfolgsgeheimnis der österreichischen Wirtschaft.