Was ist eine Gesellschaft? Vor dieser Frage steht man in Diskussionen immer wieder. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter die soziologische Definition: Eine Gesellschaft ist eine abgegrenzte Menge von Menschen, die miteinander interagieren.

So weit, so verständlich. Bei näherer Betrachtung kommen aber weitere Fragen auf: Wenn eine Gesellschaft abgegrenzt ist, dann gibt es Menschen, die an dieser Grenze sind – oder sogar außerhalb. Wie man damit umgeht ist ein wesentlicher Punkt für das Funktionieren eben dieser Gesellschaft. Wer am Rand steht, ist oft alleingelassen – mit allen Folgen, die das haben kann. Die Antwort auf dieses Problem heißt „Inklusion“, also die bewusste Einbeziehung in die Gesellschaft.

Beispiel Beruf: Mangelnde Inklusion als Belastung

In der Arbeitswelt haben es gerade Menschen mit körperlichen oder geistigen Benachteiligungen oft schwer. Oft begegnen sie Vorurteilen, die aus Unwissen resultieren. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie seltener eingestellt werden oder am Arbeitsplatz selbst in besonderem Maß um Anerkennung kämpfen müssen.

Das kann sehr belastend sein. Vor allem aber ist es falsch: Gehandicapte Menschen können sehr gute Leistungen erbringen. Der Physiker Stephen Hawking etwa gehört zu den besten seines Faches – seine Behinderung hat ihn davon sichtlich nicht abgehalten.

Positive Erfahrungen im Alltag

Seit geraumer Zeit werden immer wieder Maßnahmen gesetzt, um solche Menschen ins Boot zu holen, etwa Quotenregelungen oder Förderungen. Besonders, meinen Experten, hilft aber schlichtweg Erfahrung. Unternehmen, die sich bewusst für die Inklusion behinderter Mitarbeiter entschieden haben, berichten vorwiegend positiv.

Kein Wunder: Inklusion bedeutet Vielfalt. Je vielfältiger ein Team ist, desto mehr Denkansätze und Sichtweisen gibt es. Das fördert die Kreativität im Team. Dazu kommt ein sozialer Aspekt: Die anderen MitarbeiterInnen lernen, Vorurteile abzubauen und ihre soziale Kompetenz zu entwickeln.

Nachhaltig implementierte Inklusion beginnt allerdings nicht erst am Arbeitsplatz. Je früher Menschen lernen, mit den vermeintlichen oder realen Schwächen anderer umzugehen, desto besser können sie es verinnerlichen, desto selbstverständlicher wird es. Ein wesentlicher Ansatz zur gesellschaftlichen Inklusion findet daher bereits in der Schule statt.

Entwicklung in Österreich

Dazu gab es in Österreich Mitte der 1970er-Jahre die ersten Versuche, damals allerdings noch sehr unzureichend vorbereitet. 1982 wurde dann das erste Integrationskonzept vorgestellt, dem viele Schulbehörden aber noch kritisch gegenüberstanden. Ab 1985 entstanden daher verstärkt Öffentlichkeitsarbeit, Symposien und besser vorbereitete Inklusionsklassen. 1993 wurde schließlich integrative Schulausbildung gesetzlich verankert.

Im Jahr 2008 wurden das Behindertengleichstellungsrecht und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert – weitere Meilensteine. Auf dieser Basis wurden im Rahmen des „Jugendcoachings“ bereits über 35.000 Jugendliche an die Anforderungen des Arbeitsmarktes herangeführt. Der Bund finanziert darüber hinaus Programme zur Integration von Menschen mit Behinderung – ein wesentlicher Beitrag zu deren Inklusion am Arbeitsmarkt.