Für viele Menschen stellen Arbeit und Karriere einen wichtigen Teil des Lebens dar. Nicht nur die zeitliche Komponente ist bei einer 38-Stunden-Woche dominant, auch die Themen unseres Lebens werden von der Arbeitsaufgabe bestimmt. In diesem Zusammenhang spielt die oder der Vorgesetzte eine zentrale Rolle im Alltag von MitarbeiterInnen.

Manche Menschen verbringen mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz mit ihrem Chef als zuhause mit ihrer Familie. Andere wiederum entscheiden sich für eine reduzierte Stelle, ein Sabbatical oder eine Weltreise als Folge negativer Führungserfahrung und fehlender Work-Life-Balance. Umso spannender ist die Frage nach einem gesunden Führungsstil und dessen Merkmalen. Was ist Führung überhaupt und welche Art von Führung unterstützt die Work-Life-Balance von Menschen positiv?  

Führung – was ist das? 

Führung ist ein komplexer, sozialer Prozess. Es gibt zahlreiche Definitionen für den Begriff. Neben inhaltlichen Fähigkeiten und fachlicher Autorität wird die menschliche Komponente der Führung in vielen Definitionen hervorgehoben. Der Duden beschreibt das Führen als verantwortliches Leiten während ein Blick in das Wirtschaftslexikon weitere Perspektiven gibt: Es beschreibt Führung als psychologische und soziale Fähigkeit einer Person im Umgang mit Menschen.

Führen beinhaltet das Ausrichten des Handelns von Individuen und Gruppen auf die Verwirklichung vorgegebener Ziele in Organisationen. Hinzu kommen Interaktion und soziale Beziehungen mit Über- und Unterordnung. Die Liste der Anforderungen zeigt, dass es sich beim Führen um eine große Aufgabe handelt, die nicht jede(r) leisten kann.

Wie sieht gesundes Führen aus? 

So vielfältig Menschen sind, so vielfältig können gesunde Führungsstile sein. Was sich gesund anfühlt, ist sehr individuell, und trotzdem lässt sich bei der Beobachtung von Organisationen eine Tendenz feststellen: Man möchte sich am Arbeitsplatz wertgeschätzt und wohl fühlen.

Es ist angenehmer, in einer intakten Gruppe ehrlich und kooperativ zu arbeiten, als allein gegeneinander. Natürlich hat jede(r) von uns unterschiedliche Bedürfnisse. Für die einen sind flexible Arbeitszeiten wichtig, für die anderen ist es eine herausfordernde Aufgabe oder der jährliche Bonus. Selbstreflexion ist der erste Schritt.

Wie kann man die Situation verbessern? 

Ja, es gibt sie: Die geborenen Führungskräfte mit Charisma, Vision und einem sicheren Händchen für Menschen. Manch andere haben sich durch ihre fachliche Qualifikationen oder Zufälle nach oben gearbeitet. Coachings und Seminare werden Führungskräften inzwischen gezielt angeboten, um Motivationsfähigkeit, Feedback geben und weitere Soft Skills zu verbessern.

Auch Teamentscheidungen liegen in der Hand der Führungskraft. Der Klassiker ist die Team-Building-Veranstaltung. Ob Klettern im Wald oder der feucht-fröhliche Restaurantbesuch – Organisationen haben die Bedeutung von erfolgreichen Teams verstanden und fördern sie. Meistens lohnt sich die Investition, denn neue Situationen bringen die Mitglieder einander näher und erlauben eine Bindung abseits des Arbeitswahnsinns.

Jeder kann aktiv werden

Der Mitarbeiter wird geführt und lässt sich führen. Er nimmt damit eine aktive Rolle ein, ob er möchte oder nicht. Also ist die Führungskraft nicht alleinverantwortlich für gesundes Führen. Es ist ein Geben und ein Nehmen. MitarbeiterInnen sollten sich selbst genau kennenlernen, um ihre Bedürfnisse transparent machen und gesundes Führen einfordern zu können.

Offene Gespräche, detaillierte Ziel- und Zeitvereinbarungen sowie die Fähigkeit „Nein“ zu sagen können helfen, gesundes Führen gemeinsam mit dem Vorgesetzten entstehen zu lassen.