Für Mitarbeiter stellt also nicht nur der Umzug eine Herausforderung dar, sondern sie müssen sich und häufig auch ihre Familien einem hohen Risiko aussetzen. Die Gefahr, Opfer einer Entführung oder Erpressung zu werden, ist eine reale Bedrohung. Folgen sind nicht nur hohe Lösegeldzahlungen oder Unterbrechungen der Geschäftstätigkeit, sondern auch ein langer Rechtsstreit, der für Unternehmen zu horrenden Vermögensschäden und zu Imageverlust führen kann. Jeder Risikoplan eines multidimensionalen Unternehmens sollte eine Strategie ausarbeiten, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.  

Hintergründe für Entführungen und Erpressungen sind meist vielschichtig und liegen bei Hochrisikoländern in politischen Unruhen, Gesetzlosigkeit und Armut begründet. Entführung hat sich gerade in einigen Regionen der Welt zu einem Geschäft entwickelt, bei dem es den Tätern in den meisten Fällen auf die Zahlung von Lösegeld ankommt und nicht darauf, ihren Geiseln Schaden zuzufügen. Leibwächter, technische Sicherungen, welche regelmäßige Information über Gefährdungssituationen geben, und eine verpflichtende Teilnahme an Seminaren zur Risikoprävention können das Risiko minimieren, aber einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.

Was tun, wenn der Notfall eintritt?

Um Unternehmen in solchen Fällen zu beraten, hat sich inzwischen eine Riege von speziellen Beratungsunternehmen formiert. Sie arbeiten Strategien und Notfallpläne aus, kümmern sich um ortskundige Unterhändler und beraten die Unternehmen bei den Verhandlungen. Die Kooperation mit lokalen Behörden vor Ort ist je nach Situation individuell und in Abhängigkeit vom jeweiligen Land zu entscheiden, denn die lokale Polizei könnte beispielsweise mit den Tätern zusammenarbeiten.

Allerdings ist ohne Kontakt zu offiziellen Stellen vor Ort die Befreiung einer Geisel kaum möglich, weswegen in solchen Situationen mit Militär oder Staatspolizei kooperiert wird. Viele Länder Lateinamerikas sowie zahlreiche Länder Afrikas und  Asiens  werden von Experten spezialisierter Risikoberatungsgesellschaften als Länder mit hohem Risiko eingestuft.

Die Bereitschaft und auch die Fähigkeit dieser Länder, fremde Menschen, Sachwerte und Vermögen zu schützen, entsprechen häufig nicht den europäischen Rechtsauslegungen. So können sich Sicherheitsrisiken nicht nur in Entführungen, sondern auch in Körperverletzungen, Diebstählen, Beschädigungen von Anlagen, Erpressungen oder Bestechungen widerspiegeln.

Eine Versicherung für die Sicherheit

Für Unternehmen und Organisationen bieten Versicherungen verschiedene Policen an, um sich gegen Entführungsrisiken abzusichern. Eine Versicherung deckt ein ganzes Spektrum möglicher Schadensfälle ab, wie garantierte Liquidität des geforderten Lösegelds, Beratung im Krisenfall oder Kosten der Evakuierung. Bedingung für eine solche Versicherung sind allerdings meistens Präventionsmaßnahmen, wie Aufbau eines Krisenkonzepts oder entsprechendes Training von Mitarbeitern, die ins Ausland entsendet werden.  Für die Höhe der Versicherungsprämie wird auch die Frequenz berücksichtigt, mit welcher sich Mitarbeiter eines Unternehmens in gefährlichen Ländern aufhalten.


Facts

  • Seit 1984 erfassen Forscher und Spezialisten vom Kieler Krisenforschungsinstitut alle öffentlich gewordenen inländischen und ausländischen Krisenfälle, Skandale und Katastrophen von Unternehmen, Verbänden und Behörden mit Hauptsitz in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Liechtenstein. Mittlerweile ist jeder achte Krisenfall in den Kieler Datenbanken mit dem Vermerk „International“ gekennzeichnet. Während die Zahl der Krisenfälle auf europäischem Boden seit Ende der 90er Jahre kontinuierlich sinkt, ist die Zahl der Auslandskrisen von Unternehmen und Einrichtungen aus dem deutschsprachigen Europa rasant angestiegen.
  • Auf der Website des österreichischen Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres finden sich Informationen über Terrorgefahren und länderspezifische Reise- und Sicherheitshinweise. Zusätzlich hat das Ministerium eine Hotline für Notfälle eingerichtet, die weltweit 24 Stunden am Tag erreichbar ist.