Viele Seminare und Kongresse werden bereits teilweise oder vollkommen virtuell abgehalten. Gibt es aus Sicht einer Tagungsstadt erfolgreiche Strategien, um von diesem Trend zu profitieren?

Digitale Werkzeuge ermöglichen viele neue Anwendungsmöglichkeiten und verändern den Ablauf besonders hinsichtlich Bewerbung und Informationsaustausch. Der Ausbau von hochleistungsfähigem WLAN ist schon Standard und ein Muss. Linz ist hier mit seinen kostenlosen Hot Spots im öffentlichen Raum Vorreiterin.

Nachdem in der Stadt schon seit langem fächerübergreifend gearbeitet wird, gibt es noch eine weitere Besonderheit: Der weltweit einzigartige „Deep-Space“ des Ars Electronica Centers gestattet faszinierende Reisen durch den Körper des Menschen in 8K-Auflösung.

Bei Medizinkongressen wird mit dem Kepler Universitätsklinikum zusammen gearbeitet und so ermöglicht, dass aktuelle Befunde für die Tagung eingespielt und diskutiert werden. So entsteht ein virtueller Anatomiesaal mitten im Museu

Linz gehört als Veranstaltungsort zu den Zugpferden der österreichischen Tagungsbranche. Wie erklären Sie sich die Steigerung der Teilnehmerzahl um 17,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr?

Zum einen sind wir froh über die Entwicklung der Stadt. So hilft uns die neue Medizinfakultät ebenso wie das erweiterte Ars Electronica Center als Museum der Zukunft. Zum anderen haben wir uns seit dem Kulturhauptstadtjahr komplett neu aufgestellt. Wir haben das Tagungskonzept Blue Meeting® entwickelt, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und erarbeiten dementsprechend individuelle Konzepte mit Veranstaltern sowie unseren Partnern.

Welchen Einfluss haben Faktoren wie Bevölkerung und Infrastruktur auf den Erfolg einer Kongressstadt?

Der Spirit einer Stadt ist an der Stimmung der Bevölkerung und an laufenden Projekten aller Art erkennbar. In Linz herrscht auch nach dem Kulturhauptstadtjahr und der Erringung des Titels „UNESCO City of Media Arts“ Aufbruchsstimmung.

Die Menschen hier sind nicht müde, sondern voller kreativer Ideen. Das zeigt der neue Start-up-Campus in der Tabakfabrik Linz oder auch die wiederkehrende Ausstellung „Höhenrausch“ am Dach des OÖ Kulturquartiers. Im Juli 2017 brachte die Europäische Kommission einen „Kultur- und Kreativstädte-Monitor“ heraus. Darin ist Linz unter den Top Five Kultur- und Kreativstädten Europas gereiht.

Auch etablierte Häuser ruhen sich nicht aus, sondern probieren Neues. So hat unser Palais Kaufmännischer Verein in den letzten Jahren ein Konferenzzentrum dazu gebaut und tüftelt mit einem Partner an einem neuen Eventformat. Auch das Design Center investiert laufend und erweiterte seine WLAN-Kapazitäten.

Spezialisiert ist es auf multimediale Projektionstechnik im Großbildformat wie zum Beispiel Bild-in-Bild oder Animationen. Die Technik des Ars Electronica Centers wird derzeit für multimediale Lernformate bei Ärztekongressen vorbereitet. Im Moment verwandelt eine temporäre Kunstinstallation die Empore in einen ungewöhnlichen Begegnungsraum.m.

Welche Kriterien werden die strategische Entscheidung für – oder gegen – eine Stadt als Tagungsort in Zukunft dominieren?

Früher hat man geholfen, die passenden Räume zu finden. Doch heute, wo alles im Internet zu finden ist, zählt Full-Service. Eine Begleitung bei der Realisierung, Beratung bei Anreise, Umsetzung und Gästebetreuung ist das Um und Auf.

Auch die Vernetzung mit den lokalen Strukturen für Keynotes, Transport und Catering ist wichtig, damit die Leute die Stadt – im Sinne unserer Blue Meetings® – spüren. Klassische Tagungssettings sind out. Was zählt, ist die Begegnung der Stadt mit den Menschen, die darin leben!