Pius Strobl
Pius Strobl (58) war Mitbegründer der Partei Die Grünen und fast zwei Jahrzehnte im ORF-Stiftungsrat. Der Kommunikations- und Marketingexperte betreibt heute eine Beratungsfirma und ist aktuell als Eventmanager für den ESC 2015 in Wien verantwortlich.

Wie kam es dazu, dass Sie den Eurovision Song Contest in Wien als Eventmanager organisieren und was reizt Sie daran?

Ich wurde vom ORF gefragt, ob ich diese Aufgabe, „für alles außer die TV-Show und der damit zusammen hängenden Technik verantwortlich zu sein“, übernehmen würde. Nach einigem Überlegen und der Frage an mich selbst, ob ich mir dieses riesige Projekt auch zutrauen würde, bin ich zur Überzeugung gelangt, dass ich es mir nicht nur inhaltlich und fachlich zutraue, sondern auch gerne machen möchte.


Der Reiz liegt darin, dass es ein einmaliger Event ist, den man mit keiner anderen Veranstaltung vergleichen kann. Eine Musikshow, die in über 40 Ländern zeitgleich in Europa und weltweit bis China, Australien und Kanada übertragen wird, ist vermutlich das spannendste und vielfältigste Projekt, das man sich als Manager wünschen kann.

Was war Ihr persönlicher Bezug zum Song Contest, bevor Sie die Organisation übernommen haben?

Ich bin ein Fan und habe schon in den 1990er Jahren mit Freunden den Song Contest andersrum konzipiert und erfolgreich in der „Tribüne Krieau“ umgesetzt. Zudem habe ich private Song Contest Parties veranstaltet oder solche als Gast gerne besucht. Aber das alles ist mit diesem Projekt selbstverständlich weder von der Größe der Aufgabe, noch von der weltweiten Wirkung vergleichbar. Der Eurovision Song Contest 2015 ist in der Realität um so vieles größer und vielschichtiger - all das wird einem angesichts von 84 Einzelprojekten erst so richtig bewusst .

Erfordert eine solche große Veranstaltung nicht auch besondere Sicherheitsvorkehrungen?

Naturgemäß spielt das Thema Sicherheit in Zeiten wie diesen eine große Rolle. Man muss sich wohl nur die geopolitische Lage vor Augen führen, um zu erahnen, dass nirgendwo in Europa Gefährdungen auszuschließen sind. Von Beginn an haben wir daher sehr intensiv mit den Behörden daran gearbeitet, beim Eurovision Song Contest bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten - unsere Maßnahmen und Vorkehrungen bei den Song Contest-Örtlichkeiten und -Veranstaltungen können getrost mit den Sicherheitsstandards auf einem internationalen Flughafen verglichen werden. Die European Broadcasting Union (EBU), in deren Auftrag der ORF den Song Contest produziert, und die zuständigen Polizei- und Magistratsbehörden sind mit unseren geplanten Sicherheitsmaßnahmen sehr zufrieden und geben uns diesbezüglich immer wieder positives Feedback.

Welche Anforderungen stellen Sie an sich und Ihr Team, um einen gelungenen Song Contest 2015 zu organisieren?

Ganz wesentlich ist, dass wir mit der uns zur Verfügung stehenden knappen Vorbereitungszeit zurechtkommen - in der Event-Branche würde wohl jeder davon ausgehen, so einen Event mit einer Vorlaufzeit von gut zwei Jahren zu planen, wir haben aber nur neun Monate für die konkrete Arbeit. Um den Song Contest dennoch auf die Beine zu stellen, sind neben hoher Fachkompetenz der Verantwortlichen und ihrer Teams ganz besonders soziale Kompetenz, Teamfähigkeit und Entscheidungsfreudigkeit gefragt.

Sonst würde auch die unerlässliche Zusammenarbeit mit externen Partnern, etwa mit der Wiener Stadtverwaltung, nicht funktionieren. Und für mich als Letztverantwortlichen ist klar, dass bei so einer großen Veranstaltung nicht eine Person alle Entscheidungen treffen kann. Zum Glück habe ich Leute in mein Team geholt, die neben ihrer großen Kompetenz auch gerne Verantwortung übernehmen und Führungsqualitäten mitbringen.

Der diesjährige Song Contest wird als Green Event über die Bühne gehen, was bedeutet das?

Für uns bedeutet es eine große Herausforderung, als Green Event neue Maßstäbe zu setzen und einen TV-Event dieser Größenordnung weltweit erstmals umweltfreundlich und nachhaltig zu gestalten. Das Ziel ist mit hervorragender Planungsleistung die dementsprechende Zertifizierung als Green Event zu erreichen. Allen im Team war und ist diese Vorgabe von ORF-Generaldirektor Dr. Wrabetz ganz wichtig, jeder Planungsschritt wurde von Beginn an als nachhaltig konzipiert.

Das betrifft Fragen der Mobilität genauso wie konkrete Schritte, „späteren“ Müll erst gar nicht zu produzieren - statt vieler Flyer mit Hinweisen, gibt es eine eigene App, mit der wir Gäste und Song Contest-Interessierte informieren. Und alle unsere Facilities sind als „Mehrweg“ und „wiederverwendbar“ gestaltet - ob es die Trinkflaschen sind oder die Werbeplanen. Es würde Seiten füllen, all jene Dinge aus der Planung aufzuzählen, die im Ergebnis den Eurovision Song Contest 2015 zu einem Green Event machen.

Was bedeutet die Austragung des ESC für den Event-Standort Österreich?

Zuallererst sehr große Chancen für Österreich und die Host City Wien, sich international als offen, tolerant und modern zu präsentieren, ohne auf unsere große Geschichte und die schönen Besonderheiten zu vergessen. Österreich ist ein innovatives Land, was wir z.B. auch mit der begleitenden Ausstellung „Hidden Champions“, in der wir eine Auswahl der rund 500 österreichischen Weltmarktführer zeigen wollen. Wien wird allzu oft auf die historischen Bauwerke reduziert und als nicht sehr modern gesehen.

Die Stadt kann mit Hilfe des ESC dieses international gängige Bild um einige moderne Aspekte erweitern, die Wiener Stadthalle kann sich der ganzen Welt - und vielen internationalen Veranstaltern - als toller Veranstaltungsort mit vielfältigen Möglichkeiten zeigen und auf sich aufmerksam machen. Inhaltlich wollen wir unsere nationalen und internationalen Gäste und die rund 1.700 JournalistInnen, die zum ESC kommen, sowie die zehntausenden Fans, die Public Viewings aufsuchen werden, nicht nur mit perfekten Shows überzeugen, sondern auch mit unübertrefflicher Gastfreundschaft sowie mit den besten Bildern Österreichs und so das Image eines weltoffenen, innovativen und nachhaltig orientierten Landes prägen.