Immer schneller, immer komplexer und vor allem: immer digitaler. Um diesen Entwicklungen nicht hinterherzulaufen, rufen viele nach “Digital Leadership”. Führung von Unternehmen im Vierpunktnull-Zeitalter steht für all das, woran es Betrieben – scheinbar – mangelt: Pioniergeist, Disruptionstoleranz, Flexibilität. Bloß, auf diese Weise kommt man schnell in die Gasse der Buzzwords und die vielzitierte Agilität schielt ums Eck.

Wandlungsbereitschaft

Unternehmen sind immer öfter bereit, auch fundamentale Änderungen vorzunehmen. In der VUCA Welt gelten neue Maßstäbe: Was gestern noch unumstößlich war, ist heute nur noch überholt. Aus dem Unbehagen mit dem Status quo entsteht die Sehnsucht nach Neuem. Apologeten von Holacracy und Scrum werden mit offenen Armen empfangen. Sie versprechen eine bessere Passform auf veränderte Rahmenbedingungen. Es sind geradezu mythische Heilsversprechen, die von neuen Organisationsmodellen ausgehen.

Erfolgsversprechen

Spätestens an dieser Stelle sollten bei Führungskräften die Alarmglocken läuten. Woran, außer an euphorischen Zitaten, kann der Erfolg festgemacht werden? Lässt sich das Betriebsmodell einer Silicon Valley Company oder eines Berliner Start-ups auf einen gestandenen Mittelbetrieb übertragen? Die Warnung vor selbsternannten Gurus, die im Sturm der Digitalisierung Halt versprechen, ist angebracht.

Sinnfrage

Hat man sich durch das Gestrüpp der Schlagworte gekämpft, wird deutlich, dass die entscheidenden Themen der Digitalisierung nicht auf technologischer Ebene zu lösen sind. Mehr denn je stellen sich Fragen nach der Bedeutung des Menschen im Arbeitsprozess, nach der Sinnhaftigkeit von Management, nach Vertrauen, Freiheitsgraden und unternehmerischem Handeln.

Es braucht reflektierte Menschen, die durch den Wandel führen. Ob die Digitalisierung gelingt, hängt weniger von Bytes ab, als von Beziehungen zwischen Menschen.