Erste heftige öffentliche Diskussionen über Sinn oder Unsinn von Verpackungen haben vor allem in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts stattgefunden. Interessanterweise ist diese Diskussion in letzter Zeit wesentlich zurückgegangen und findet heute auch medial nur sporadisch statt.

Grundlegende Funktionen der Verpackung

Um die Sinnhaftigkeit von Verpackungen beurteilen zu können, muss man sich deren vielfältigen Aufgaben vor Augen führen. Beginnen wir bei der Schutzfunktion: ihre Erfüllung soll garantieren, dass einerseits ein Produkt sicher und ohne Schaden zu nehmen vom Erzeuger zum Verbraucher gelangt, andererseits die Umwelt und alle Beteiligten vor möglichen Gefährdungen durch das Produkt geschützt werden.

Die Logistikfunktion ermöglicht einen rationellen, optimierten und sicheren Warentransport. So wäre zwar eine kugelförmige Verpackung wegen der minimierten Verpackungsoberfläche ökologisch optimal, aber spätestens bei der Palettisierung beginnen die Probleme, ganz abgesehen vom Verhalten am Transport; man sieht, nicht alles, was optimal ist, ist auch realistisch. Die Marketingfunktion hat schließlich durch die Entwicklung im Handel in den letzten Jahrzehnten wesentlich an Bedeutung gewonnen, da sich ein Produkt heute über die Verpackung dem Konsumenten im Handelsregal präsentiert und dabei deutlich von anderen Produkten abheben soll.

„Das Motto lautet: so wenig Verpackung wie möglich, aber so viel wie nötig!“

Informations- und Gesetzesfunktion gehen immer mehr ineinander über, da der Gesetzgeber immer mehr Angaben über das Produkt zur Information des Konsumenten verlangt (Stichworte: Nährwertdetails, Rückverfolgbarkeit, …). Nicht zuletzt sollte die Conveniencefunktion erwähnt werden, die Eigenschaften wie z.B. leicht zu öffnen/Wiederverschließbarkeit oder Zusatznutzen wie Hilfsmittel für Unterwegsverzehr erfordert. Diese Fülle der Funktionen dem Konsumenten noch deutlicher zu machen, ist sicher eine Aufgabe für die Zukunft.

Funktionen im Wandel

Die Zunahme des Einkaufs über das Internet wird deutliche Auswirkungen auf die Gestaltung von Verpackungen haben. Zum einen wird die Marketingfunktion an Bedeutung verlieren, da der Konsument via Bildschirm (gleich ob Smartphone, Tablett oder PC) das Produkt aussucht und die Verpackung dort kaum eine Rolle spielt. Zum anderen bekommt die Schutzfunktion eine höhere Bedeutung, da viele Produktverpackungen zwar für den Verkauf über den Einzelhandel optimiert wurden, aber nicht unbedingt für einen Versand per Paketdienst geeignet sind. Weitere wesentliche Entwicklungen betreffen die Themen Seniorengerechtheit und „intelligente“ Verpackungen (Anzeige von Verderb/optimaler Temperatur bis zur möglichen Kommunikation im Internet der Dinge).

Volkswirtschaftliche Bedeutung der Verpackung

2013 erzielte die österreichische Verpackungswirtschaft mit knapp 14.000 Beschäftigten eine abgesetzte Produktion von 3,4 Milliarden EUR. Sie erreichte damit einen Anteil von 1,05 % am BIP. Betrachtet man diesen Anteil am BIP im Vergleich der letzten 50 Jahre, sieht man beginnend in den 60er Jahren mit einem Anteil von 1,33 % einen Anstieg auf 1,61 %
1974 und seitdem einen kontinuierlichen Rückgang bis zum aktuellen Wert. Dies spiegelt einerseits die Entwicklung der Handelsform „Selbstbedienung“ wieder, andererseits seit den späten 70er Jahren auch die permanente Bestrebung, den Verpackungsaufwand zu reduzieren. Diese Entwicklung gab es bei allen relevanten Verpackungsmaterialien (Glas, Kunststoff, Metall, Papier/Karton/Pappe; Holz nimmt eher eine Sonderstellung ein); beispielhaft sei eine 0,5-l-Getränkedose aus Weißblech angeführt, die vor über 30 Jahren mehr als 80 Gramm wog und heute weniger als 30 Gramm wiegt.

Verpackungsrecycling

Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: jede Verpackung muss verwertbar sein (stofflich, energetisch oder biologisch) und diese Anforderungen erfüllen die in Österreich am Markt befindlichen Verpackungen fast hundertprozentig. Auch die Sammelsysteme sind mittlerweile so etabliert und komfortabel, dass keine Verpackung mehr im Restmüll landen sollte. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Österreich eine lange Tradition mit der Sammlung von gebrauchten Verpackungen hat: bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Sammlung von Altglas und Altpapier begonnen – damals, um notwendige Rohstoffe für die Industrie bereitstellen zu können.