DI Dr. Karl Wagner
Vorstand der Gesellschaft für Prozessmanagement

Unternehmensführung ohne Prozessmanagement ist in marktstarken, langfristig erfolgreichen Unternehmen nicht mehr vorstellbar. Nur durch die kontinuierliche Optimierung aller Prozesse ist die nachhaltige Standortsicherung und die Steigerung der Wirtschaftlichkeit im internationalen Wettbewerb in Europa erreichbar! 

Nach den Modetrends der New Economy, des Shareholder-Value und der kurzfristigen Optimierungen kommen viele Unternehmen heute wieder auf den Kern nachhaltiger Unternehmensgestaltung zurück. Im Fokus steht nicht das kurzfristige Optimieren finanzwirtschaftlicher Kennzahlen, sondern die langfristige Lebensfähigkeit des Unternehmens und der Organisation.

 

Nachhaltige Steigerung

Effektives Prozessmanagement bietet einen strukturellen Rahmen der kontinuierlichen Unternehmensentwicklung in Richtung der „Performance Excellence“ und damit der nachhaltigen Unternehmensleistungssteigerung. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, wie die Strategie effizient und effektiv in Prozesse umgesetzt wird und wie daraus optimierte Organisations- und ITStrukturen abgeleitet werden.

 

Zufriedene Kunden – intern und extern

Prozessmanagement ist hierbei die Ausrichtung, um Innovation, Produktivität und wirtschaftliches Ergebnis einer Organisation nachhaltig zu steigern. Die Zufriedenstellung der „Stakeholder“ und die Konzentration auf die Kernkompetenzen verlangen den Übergang vom Denken in Funktionen zum Denken in Prozessen.

Geschäftsprozesse durchschneiden horizontal die einzelnen Funktionsbereiche, sind auf die Befriedigung interner und/oder externer Kunden gerichtet, schaffen Werte, optimieren die Organisation als Ganzes und werden von durchsetzungsstarken Führungskräften geleitet. Zukunftsorientierte Unternehmen haben diesen Übergang von der innenorientierten Denkweise in Abteilungsgrenzen zur außen- und damit kundenorientierten Handlungsweise erfolgreich proaktiv vollzogen.

 

„Prozesse können im Unternehmen nur richtig verstanden werden, wenn konsequent die Kundensicht eingenommen wird.”

 

Veränderungen sind gefragt

Prozesse können im Unternehmen nur richtig verstanden werden, wenn konsequent die Kundensicht eingenommen wird. Dies bedeutet aber auch, dass sich das Unternehmen von einer Innenorientierung hin zu einer Außenorientierung systematisch verändern muss.

Prozessmanagement ernst genommen, bringt auch die umfassende Integration des Kunden des Prozesses in die Organisationsgestaltung in Form der Ablauforganisationsgestaltung, verbunden mit der Definition der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sowie des Informationsflusses, mit sich.

 

Perspektive im Auge behalten

Eine überzogene Außenorientierung vor dem Hintergrund der immer stärker werdenden Dynamisierung der Märkte und der raschen Änderung der Kundenbedürfnisse birgt aber auch die Gefahr, dass Prozesse in eine stark operative und kurzfristige Sicht abrutschen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass im Rahmen der Prozessorientierung niemals die strategische und normative Perspektive verloren wird.

Hilfreich dabei ist die Fragestellung „Wozu sind wir da?“ im Rahmen des Mission Statement, um die richtige Fokussierung und Ausrichtung im Prozessmanagement zu finden. Robert D. Chandler formulierte: „Structure follows strategy“.

Dies wäre in Richtung „Organizational structure follows process and process structure follows strategy“ zu erweitern, damit der Bedeutung von Prozessmanagement bei der Organisationsgestaltung Rechnung getragen wird. Diese finale Konsequenz im Sinne der prozessorientierten Organisationsgestaltung führt zum prozessorientierten Denken und Handeln im Unternehmen und damit zu einem effizienten Einsatz jeglicher Ressourcen.