Klaus Veselko
Vizepräsident Verband Österreichische Software Industrie (VÖSI)

Angesichts der Vielfalt an komplexen Themen wie Big Data und Cloud Computing, den damit verbunden Ausbildungs- und Sicherheitsanforderungen sowie der Vielzahl an immer besser zu verbindenden Systemen (CRM, ERP, HR etc.) fühlen sich laut aktuellen Studien bereits etwa die Hälfte der CIOs überfordert. Die größte Furcht besteht darin, mit dem Tempo der Digitalisierung nicht Schritt halten zu können. Dabei hat die Phase der umfassenden Digitalisierung ja erst begonnen, was auch bedeutet, dass sich die Veränderungsgeschwindigkeit wohl eher noch steigern wird. In unserer vom Beratungsunternehmen Gartner bereits zur dritten Ära der Unternehmens-IT erklärten Zeit stehen grundlegende Änderungen an und die CIOs müssen sich nun auch noch um die Mitentwicklung und technische Umsetzung ganz neuer Geschäftsmodelle kümmern. Dabei sollten sie natürlich weiterhin die Kosten im Auge behalten und die Effizienz der Systeme steigern

Hardware wird unsichtbar, Software bestimmt die Funktion
Im Internet der Dinge wird jeder Gegenstand zum Mini-Computer, der programmiert werden muss. Dabei stößt bereits heute die Miniaturisierung weniger an technische als biologische und ergonomische Grenzen.
Manche Geräte könnten nämlich schon so klein gebaut werden, dass sie sich nicht mehr bedienen ließen. So tritt die Hardware immer mehr in den Hintergrund, nur noch die durch die Software bestimmten Funktionen werden genutzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass nach einer aktuellen Lünendonk-Studie unter IT-Entscheidern 2015 die höchsten Budgets für die Modernisierung der Software eingeplant sind.
In diesem Prozess der Digitalisierung verschmelzen letztlich Menschen und Maschinen, die menschlichen Fähigkeiten werden technisch stark ausgeweitet. Software ist allerdings im Gegensatz zur Hardware sehr abstrakt und nicht greifbar. Um hier das Vertrauen und die Akzeptanz der Anwender nicht zu verlieren, können in Analogie zur Architektur grafische Modelle dabei helfen, die mit der Software umgesetzten Funktionen zu veranschaulichen.
Nur so lassen sich auch die zukünftigen Nutzer – Stichwort: Open Innovation – in den Entwicklungsprozess einbeziehen, um gemeinsam IT-Lösungen zu entwickeln, die dann auch akzeptiert, verstanden und genutzt werden.

Innovation braucht Fantasie
In der zunehmenden Digitalisierung der Lebens- und Geschäftsprozesse sowie der von uns konsumierten Produkte und Services wird die IT zum zentralen Erfolgsfaktor. Der CIO muss seine wertschöpfende Funktion weiter ausbauen und darf dabei die Kunden nicht aus dem Auge verlieren.
Wenn nämlich das mit IT Machbare die Anpassungsfähigkeit der Menschen übersteigt, werden Produkte und Dienstleistungen keine Abnehmer finden. Daher müssen Unternehmen und Organisationen die Menschen durch geeignete Methoden einbeziehen und sich gleichzeitig auf agile und sich immer wieder ändernde Prozesse einlassen, um ihr Angebot rasch an wechselnde und neue Bedürfnisse anpassen zu können.
Da die Digitalisierung unsere Welt noch stärker verändern wird als die Industrialisierung vor 100 Jahren, müssen wir natürlich auch unsere Bildungsorganisation an die neuen Bedingungen anpassen. Um etwa die inzwischen zur Verfügung stehenden Informationen überhaupt verarbeiten zu können, werden wir uns vermehrt auf Algorithmen verlassen müssen, die Zusammenhänge erkennen helfen. Nur so lässt sich aus Big Data auch der gewünschte Nutzen für das Geschäft ziehen.
Letztlich bleibt es aber der menschlichen Fantasie und dem Einfühlungsvermögen überlassen, aus dem durch IT Machbaren eine sozial erwünschte und nachhaltige Innovation zu schaff en. Für diesen Schritt müssen wir in Unternehmen wie in der Gesellschaft Raum und Gelegenheiten schaff en und dabei auch das Scheitern von Innovationen zulassen.
Denn nur wenn wir gezielt Kreativität auf Ingenieurkunst treff en lassen, können wir in einzelnen Unternehmen oder auch in Österreich den erwünschten Schritt hin zum Innovation-Leader schaff en.