Was ist Supply Chain Risikomanagement?

Die Supply Chain ist das Wertschöpfungsnetzwerk vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden. Sie betrifft alle unternehmensinternen sowie -übergreifenden Wertschöpfungsprozesse. Das Risikomanagement besteht aus vier Schritten: Identifikation von Risiken, deren Bewertung, die Entwicklung und Umsetzung von Risikomanagementstrategien und die Überwachung der Risiken.

Welches Ziel wird damit verfolgt?

Die Grundidee von Risikomanagement ist, die Eintrittswahrscheinlichkeit, das Ausmaß und die Auswirkung von Risiken zu bewerten. Genau hier liegt auch die Hauptschwäche, da eine realitätsnahe Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Ausmaßes der Wirkung kaum machbar ist.

In welche Richtung gehen die Lösungsansätze?

Wir versuchen, den positiven Gedanken voranzutreiben, der in der Entwicklung von individuellen und organisationalen Fähigkeiten im Umgang mit Störungen liegt. Stichwort: Supply Chain Resilienz. Die Idee dahinter: Sich nicht so sehr mit der Bewertung von Risiken beschäftigen, sondern eher unabhängig davon in die Entwicklung von Widerstands- und Veränderungsfähigkeit zu investieren.

Können Sie konkrete Beispiele für Störungen nennen?

Interne Störungen sind etwa ungeplante Stillstände in der Produktion aufgrund von Fehlteilen oder Maschinengebrechen. Externe Störungen werden etwa von Streiks auf Flughäfen oder Naturkatastrophen aller Art verursacht.

Wie wirken sich solche Störungen aus?

Sie erzeugen Unsicherheit aufgrund fehlender beziehungsweise mangelnder Planbarkeit. Unternehmen müssen mit höheren Aufwänden rechnen, um die Produktion aufrecht zu erhalten  - bis hin zu Produktionsstillständen. Auch zusätzliche Kosten können auf sie zukommen, etwa weil sie das Transportmittel wechseln müssen.

Welche Maßnahmen gilt es zu treffen?

Die wichtigsten Maßnahmen sind nicht während sondern vor der Störung zu treffen. Hier können Unternehmen sehr viel von sogenannten Highly Reliable Organisations (HRO) – wie Militär, Rettung, Feuerwehr oder Kraftwerksbetreiber lernen. Diese entwickeln Handlungsszenarien und trainieren diese, um vorbereitet zu sein.

Wer hat im Falle einer Störung welche Aufgaben?

Auch dies gilt es vorzubereiten. Unsere Studie zeigt: Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine definierte Entscheidungsbefugnis und Eigenverantwortung am Arbeitsplatz gewähren, kommen deutlich besser durch Störungen. Aus diesem Grund gilt es in der Zeit des Normalbetriebes Eskalationsstufen zu definieren. Somit weiß jeder im Unternehmen, welche Ereignisse er oder sie selber managen kann und in welchen Fällen Vorgesetzte oder Experten zu informieren sind.

Wie können Störungen in der Wertschöpfungs- und Lieferkette beseitigt werden?

Transparenz in der Supply Chain schaffen, sich über mögliche Risikoquellen bewusst werden, diese bewerten und priorisieren. Und: Unternehmensspezifische Frühwarnindikatoren sowie szenariobasierten Risikomanagementstrategien entwickeln. Ich empfehle außerdem eine konsequente Investition in die Entwicklung von Resilienzfähigkeiten.

Wie lassen sich Risiken im Vorfeld identifizieren?

Die Grundvoraussetzung ist, bei allen Beteiligten in der Supply Chain Bewusstsein zu schaffen. Es hilft auch, auf mögliche Frühwarnindikatoren bei Lieferanten zu achten. Wichtig ist außerdem: Supply Chain Risikomanagement kann nicht im Alleingang durchgeführt werden – es müssen alle dazu beitragen.

Wie sieht ein optimales Supply Chain Risikomanagement aus?

Es ist notwendig, die eigene Supply Chain und ihre Wirkmechanismen zu verstehen sowie mögliche kritische Lieferantenbeziehungen, Materialien, interne Prozesse etc. zu definieren und diese kritischen Elemente zu überwachen. Auch das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen gehört abgewogen, denn man kann sich nicht gegen alle Risiken absichern.