Mag.(FH) Gerald Wolf
Head of Consulting Vienna, Xvise innovative logistics GmbH

Die Entwicklungen sind hochspannend, komplex und sparen viel Zeit und Geld. Der Mensch ist aber unersetzbar. Ein Expertengespräch mit Mag. Gerald Wolf und Mag. Thomas Bale.

Was ist branchenspezifisch bei der Lagerplanung besonders zu beachten?
An erster Stelle steht die Frage, welche Rolle das Lager in der Logistik des jeweiligen Unternehmens spielt. Wesentlichen Einfluss auf die Planung eines Lagers nehmen in erster Linie die zu lagernden Artikel und deren Größe sowie Lagerfähigkeit. In Kombination mit den erforderlichen Beständen und Reichweiten ergeben sich somit die erforderliche Kapazität sowie das Lagervolumen. Bei der Kapazitätsplanung ist etwas Luft nach oben immer sinnvoll.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Prozessgestaltung, die stark von der Art des Geschäfts abhängt. Allerdings sehe ich keine klar branchenspezifischen Unterschiede im Bereich der Lagerung.

Wie weit ist die Lagerautomation heute, welche Vor- und Nachteile erwachsen daraus?
Einer der Vorteile der Lagerautomation ist sicherlich, dass die Lagerung wesentlich komprimierter erfolgen kann als bei manuellen Lagern. Die Automation ist heute sehr weit entwickelt und bietet Lösungen für viele logistische Herausforderungen. Das gilt für das Lager selbst, aber auch für vor- und nachgelagerte Prozesseinheiten wie etwa Fördertechnik oder Software. Der Entwicklungsstand bei Sensoren, Steuerung und dergleichen ermöglicht rasante und stabile Prozessgeschwindigkeiten. Dabei sind sämtliche spezifische Anforderungen an ein Lager sowie Lagerstrategien heutzutage ohne Probleme realisierbar. Der Größe und Art sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Natürlich steigen dabei auch die Investitionskosten, zumeist rechnen sich automatische Systeme aber rasch.

Mag. Thomas Bale
Logistics Consultant, Xvise innovative logistics GmbH

Welche konkreten Tipps gibt es für Unternehmer, die Ihre Lagerabläufe optimieren wollen?
Wichtig ist aus meiner Sicht, dass sich die Unternehmer zuerst im Detail mit den Anforderungen an ihr Unternehmen auseinandersetzen, die sowohl von Seiten der Kunden, aber auch von den Produkten selbst gestellt werden. Wenn dem Unternehmen klar ist, wohin es sich entwickeln will, können die erforderlichen Prozessabläufe geplant und definiert werden, ergeben sich die Anforderungen der Lagerung und somit die erforderliche Lagertechnologie. Vor der Einführung von IT-Lösungen müssen unbedingt genaue Prozessdefinitionen vorgenommen werden und vor der Wahl eines Lieferanten ist exakt festzulegen, wie die Lösung individuell anzufertigen ist.

Wie beurteilen Sie die Rolle des Faktors Mensch im Kontext der Transformation der Branche?
Die Lagerplanung hat sich mit den technischen Möglichkeiten entwickelt. Heute existieren hochmoderne Logistikanlagen, die nahezu ohne Personal auskommen. Oft kann der Mensch sogar als limitierender Faktor gesehen werden, betrachtet man Prozessgeschwindigkeiten oder Arbeitsplatzanforderungen. Automatische Systeme reüssieren vorwiegend bei Routinetätigkeiten, bei denen Menschen rascher ermüden. Dafür sind Menschen bei routinefernen Prozessen noch wesentlich flexibler als Maschinen.
Veränderungen hat es auch in den Auftragsstrukturen gegeben. Bestanden Aufträge lange Zeit aus größeren Mengen eines Artikels mit geringen Varianten, setzen sich heute Bestellungen oft aus vielen verschiedenen Artikeln mit geringen Stückzahlen zusammen. Ein gutes Beispiel ist E-Commerce, wo die Mehrheit der Aufträge aus Kleinmengen besteht, die vorwiegend via Paketdienst versendet werden.

Aus heutiger Sicht wird die Automation wohl weiter zunehmen. Zudem dürfte verstärkt auf einen flexibleren Einsatz der Lösungen geachtet werden. Neue Technologien und Transport-/Handlingmöglichkeiten können Einfluss nehmen, wie ein Lager dimensioniert werden muss. Die rasche Entwicklung der Technologien kann vieles deutlich schneller geschehen lassen als viele denken.