Wie hat sich die Rolle der IT im Arbeitsleben verändert?

In den ersten 30 bis 40 Jahren diente IT dazu, Abläufe zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Inzwischen aber spielt sie in allen Unternehmensbereichen eine Rolle und eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten für das Geschäft. Deshalb wird IT aber auch eine immer wichtigere Managementaufgabe.

Noch vor zehn Jahren haben viele Manager diesen Bereich weniger beachtet und häufig weitgehend dem IT-Chef überlassen, solange die Kosten nicht zu stark gestiegen sind. Heute ist das völlig anders: Jeder Manager muss selbst darüber nachdenken, wie die IT im Unternehmen gestaltet wird.

Welche Auswirkungen wird der digitale Wandel in Zukunft auf das Arbeitsleben haben?

Meiner Einschätzung nach wird es in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren zu einem großen Umbruch auf dem Arbeitsmarkt kommen: Eine vielseits beachtete Studie der Universität Oxford hat aufgezeigt, dass bald bis zu 47 Prozent der bestehenden Arbeitsplätze von intelligenter Software und Robotern massiv verändert werden oder wegfallen.

Inzwischen gibt es viele Untersuchungen, die in eine ähnliche Richtung zeigen. Übertragen wir diese Zahlen auf Österreich, sind eineinhalb bis zwei Millionen Menschen von dieser Entwicklung betroffen.

Muss man sich also ernsthaft Sorgen machen?

Ich bin nicht so pessimistisch, zu sagen, dass es zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen kommen wird. Einige werden sicherlich wegfallen, aber dafür werden auch viele neue entstehen. Jedoch auch an den weiter bestehenden Arbeitsplätzen wird sich viel verändern.

Auf fast allen Ebenen ist das ein wichtiges Thema. Von Ärzten, die verstärkt von Diagnosesystemen unterstützt werden, über Sachbearbeiter, die zunehmend automatisierte Systeme nutzen, bis hin zu physischen Berufen, in denen Arbeiter selbstständig arbeitende Roboter kontrollieren und anlernen. Darauf müssen die Menschen vorbereitet werden – ob sie gerade erst in den Arbeitsmarkt eintreten oder bereits im Berufsleben stehen.

Wie muss diese Vorbereitung denn konkret gestaltet werden?

In der Aus- und Weiterbildung müssen wir in der Tiefe und in Breite noch mehr tun: Derzeit suchen die Unternehmen vor allem nach zwei IT-Kompetenzen: Zum einen werden Personen gesucht, die vor allem an den Schnittstellen von IT und Fachabteilungen die jeweiligen Anforderungen über- und umsetzen können.

Zum anderen werden überall Entwickler gebraucht. Jedoch müssen wir nicht nur solche Experten ausbilden. In jedem Job ist bald digitale Kompetenz gefragt – dem müssen wir noch mehr gerecht werden.

Wie ist es denn bislang um die Ausbildung in diesem Bereich bestellt?

Hierzulande hängen wir zugegeben noch etwas hinterher – insbesondere gegenüber den skandinavischen Ländern, wo der Unterricht bereits flächendeckend auf die Erlernung von digitalen Kompetenzen ausgerichtet ist. In Österreich gibt es zwar viele engagierte Lehrkräfte und zahlreiche Experimente, aber insgesamt sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen und müssen. Es gibt viele positive Signale – auch aus der Politik – dass sich in nächster Zeit in diesem Bereich einiges tun wird.

Und wie sieht es wiederum im Bereich der Weiterbildung aus?

Es ist derzeit für die Mitarbeiter nicht so einfach, sich über eine geeignete digitale Fortbildung für die eigene Arbeit zu informieren. Es gibt bereits ein großes Angebot, das jedoch sehr fragmentiert ist, sodass der Einzelne es schwer hat, herauszufiltern, was relevant ist.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung in den nächsten Jahren?

Wir müssen die Nachfrage in den IT-Studienrichtungen weiter erhöhen – die Statistiken zeigen, dass insbesondere weibliche Absolventen sich hier nach wie vor zurückhalten. Deshalb müssen wir die Attraktivität dieser Ausbildung noch besser vermitteln. IT bedeutet schließlich nicht allein, den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu sitzen und zu programmieren. Das ist vielmehr ein Berufsfeld mit einer großen Bandbreite an Möglichkeiten und Tätigkeitsfeldern.