Univ.-Prof. Dr. Sarah Spiekermann
Vorstand des Instituts für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien

„Wer Daten von sich im Internet preisgibt, sollte sich immer die gesamte Öffentlichkeit, die sie einsehen kann, vor Augen halten.“ so Prof. Dr. Sarah Spiekermann, Vorstand des Instituts für BWL und Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien. „Nur wenige wissen, welch genaue Analysen man aufgrund einfachster Datenspuren im Internet erstellen kann.“ 

Das Risiko, verbunden mit totaler Transparenz, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Unreflektierte Aussagen oder der untypische Kauf bestimmter Produkte mit einer Kundenkarte können schnell zu Fehlschlüssen oder falschen Zuordnungen zu Gruppen führen. Sich zu schützen ist laut der Expertin schwierig. Im Wesentlichen gilt, jede Aussage vor der Veröffentlichung zu prüfen. Und das nicht nur auf Social Media Plattformen, sondern im gesamten elektronischen Netzwerk. Doch die Belastung kann laut der Expertin nicht alleine auf den Schultern der Konsumenten liegen.

 

Die Menschen wissen zu wenig über den wahren Wert ihrer Daten

„Die wenigsten Nutzer lesen sich das Kleingedruckte in den Nutzungsbedingungen durch, dafür hat auch keiner Zeit.“ so Prof. Spiekermann. Für Unternehmen bietet es wesentliche Vorteile, wenn sie so viele Kundeninformationen wie möglich sammeln, analysieren und vor allem Dritten zur Verfügung stellen. Die Möglichkeiten reichen von Produktverbesserungen über persönliche Angebote bis hin zum lukrativen Verkauf der gesammelten Informationen. „Es handelt sich bei persönlichen Daten um ein echtes Asset, einen Vermögenswert, den Menschen im Moment relativ freizügig zur Verfügung stellen, ohne angemessen am ökonomischen Gewinn beteiligt zu sein, der mit ihren Daten verbunden ist. “ Der wunde Punkt liege in der mangelnden Transparenz, was mit den gesammelten Daten passiert. Darum müsse sich laut der Expertin letztlich der Staat kümmern. „Der Gesetzgeber sollte den Menschen die Möglichkeit geben, Eigentumsrechte an persönlichen Daten auszuüben.“

 

„Was die Leute tangiert ist nicht nur Sicherheit, sondern: Was unterschreibe ich mit dem Kleingedruckten?“

 

Ferner sollte es leichter sein, ernst zu nehmende Sanktionen von Unternehmen zu verlangen, die gegen Datenschutz verstoßen und den Kunden ihre Rechte letztlich verweigern. „Beispielsweise indem man sie gar nicht aufklärt, was mit ihren Daten passiert oder sie mit seitenlangem, kleingedruckten Juristendeutsch in die Irre führt.“ sagt die Expertin. Stattdessen sollten einheitliche Standards zu schnell zu erfassender, transparenter Aufklärung führen. Es sollten einheitliche Standards her, wie Kunden auf einfache Weise aufzuklären sind. Der neue Datenschutzverordnungsvorschlag der EU-Kommission ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Bei all den Gefahren darf man jedoch die positive Seite des technologischen Fortschritts nicht außer Acht lassen. Es ist möglich, sich weltweit zu vernetzen, in Verbindung zu bleiben sowie Informationen rasch zu teilen. Prof. Spiekermann meint dazu: „Es gibt auch viele Menschen, die sich freuen durch Facebook ein öffentliches Tagebuch führen zu können und die Gefallen an der Dokumentation ihrer eigenen Geschichte finden. Ich finde es wichtig, dass Menschen die Wahl haben.“