Die Entwicklung in Netz ist extrem dynamisch - der Umsatz ist innerhalb der letzten 3 Jahre (zwischen 2011 und 2014) um 24% gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (2013: rd. 2,9 Mrd €) weist der österreichische Internet-Einzelhandel 2014 ein Umsatzwachstum von 7% bzw. ein Plus von rd. 200 Mio € auf.

Im Jahr 2013 haben 57% der Konsumenten (16-74 Jahre) per Mausklick eingekauft. Neben dem Umsatz des heimischen Onlinehandels sind auch die Ausgaben der österreichischen Konsumenten für Interneteinkäufe deutlich gestiegen: Im Jahr 2013 haben die Online-Shopper bereits 5,9 Mrd € im Netz ausgegeben. Im Jahr 2006 waren es 1,5 Mrd.

Politische Herausforderung: Kaufkraftabfluss von 3 Milliarden Euro pro Jahr!

Stellt man die Ausgaben der österreichischen KonsumentInnen im Netz dem Umsatz des heimischen Onlinehandels für das Jahr 2013 gegenüber, zeigt sich der Wermutstropfen der Entwicklung: Die heimischen Händler decken mit 2,9 Mrd € nämlich nur knapp die Hälfte der Internet-Ausgaben der Österreicher ab, während die zweite Hälfte – ebenfalls rund 3 Mrd € - in den ausländischen Internet-Einzelhandel bzw. auch zu (Marken-)Herstellern fließt.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Onlinewelt fordern eine faire europäische Steuerpolitik, faire Einkaufspreise für heimische Händler und Fairness im Rahmen des Abgabenwesens.

Dieser Kaufkraftabfluss österreichischer Konsumenten stellt nicht nur für den österreichischen Handel, sondern mittlerweile auch volkswirtschaftlich ein massives Problem dar.

Massive Benachteiligungen österreichischer Händler im europäischen Binnenmarkt

Trotz der Vereinheitlichung vieler Bereiche auf EU-Ebene bestehen nach wie vor massive Unterschiede in den Rahmenbedingungen in den einzelnen Mitgliedstaaten.  Dies betrifft nicht nur die Bereiche Abgaben und Steuern, sondern auch soziale und arbeitsrechtliche Standards.

 „Europa vertiefen - Chancengerechtigkeit herstellen“

Gerade im grenzüberschreitenden Online-Handel sind gleiche Wettbewerbsbedingungen und die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen durch alle Anbieter von größter Bedeutung, damit für die österreichischen Händler keine ungerechtfertigten Wettbewerbsnachteile entstehen und Konsumenten beim Produktkauf auf ausländische Online Anbieter ausweichen.

Es darf darüber hinaus kein „gold plating“ bei der Umsetzung von EU-Richtlinien in nationales Recht erfolgen, da dadurch die Produkte österreichischer Händler teils mit hohen Abgaben und Auflagen belastet werden.

Die folgenden Themen sind daher aus Sicht der Bundessparte Handel der WKO für den österreichischen Handel von besonderer Bedeutung für die Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit:

 

  • Chancengerechtigkeit bei Abgaben und Steuern

    Es muss sichergestellt sein, dass der österreichische Handel nicht durch höhere Abgaben in Österreich stärker als Händler aus anderen Mitgliedstaaten belastet ist.

    Ein weiteres Problem stellt die europäische Steuerpolitik dar. Waren und Dienstleistungen sollten dort besteuert werden, wo der Umsatz ausgeführt wird und es steht nicht an, dass sich große internationale  Konzerne in Steueroasen  niederlassen und so gut wie keine Steuern zahlen. Diese unbefriedigende Situation führt zu enormen Wettbewerbsnachteilen für die heimische Wirtschaft.

  • Chancengerechtigkeit hinsichtlich sozialer und arbeitsrechtlicher Standards

    Österreichische Händler leiden unter einer höheren Kostenbelastung als ausländische Konkurrenten aufgrund der hohen Unterschiede bei den sozialen und arbeitsrechtlichen Standards in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten. In Grenzregionen ist der klassische Handel davon in besonders hohem Ausmaß betroffen. Beispiel Deutschland: eine Vielzahl der Mitarbeiter deutscher Händler unterliegt keinem Tarifvertrag im Handel. Die Mindestlöhne der Mitarbeiter deutscher Händler, die einem Tarifvertrag unterliegen, liegen deutlich unter dem Niveau österreichischer Löhne.