Die zunehmende Digitalisierung erfordert in wirtschaftlicher, rechtlicher, kultureller und gesellschaft­licher Hinsicht ganz neue Denkmodelle, die auf einer klar formulierten digitalen Agenda aufbauen sollten. Die EU veröffentlichte Anfang Mai dazu eine „Strategie für einen digi­talen Binnenmarkt für Europa“, der sogar mit einem genauen Umsetzungszeitplan für 2015/2016 versehen ist.

Seit 2012 gibt es auch für Österreich eine nationale informations- und kommunikationstechnologische (IKT-)Sicherheitsstrategie – zur eigentlichen IKT-Strategie existiert allerdings bisher nur ein Entwurf.

Nachhaltige Unternehmensgründungen fördern

Die kürzlich vom Bundesminis­terium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft präsentierte Studie „Land der Gründer“ will den Übergang in das digitale Zeitalter ganz gezielt mit der Förderung von entsprechenden Jungunternehmen verbinden.

Deutlich wurde dabei aber inzwischen, dass Förderungen bis zur Markteinführung gebraucht werden, denn erst dann wird eine technische Innovation auch zu einer Marktinnovation. Besonderes Augenmerk sollte nicht zuletzt darauf gelegt werden, dass Jung­unternehmen nachhaltig am Markt bleiben und ihre Mitarbeiterzahl möglichst kontinuierlich erhöhen.

„Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft benötigt in vielen Bereichen neue Rahmenbedingungen und eine voraus­schauende Strategie.“

Integration in Geschäfts- und Innovationsprozesse ver­bessern

Während Österreich im eGovernment immer wieder als Vorreiter in Europa genannt wird, belegten wir etwa im „Network Readiness Index 2015“ des Weltwirtschaftsforums im Bereich „Business and Innovation Environment“ nur Platz 43. Gerade also bei der Übertragung digitaler Strategien in das Geschäfts- und Innovationsgeschehen muss noch einiges verbessert werden. Dabei gilt es, für einzelne Branchen maßgeschneiderte Modernisierungskonzepte zu erarbeiten.

So zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschers PAC, dass das Haupthindernis für die Umsetzung der digitalen Strategie bei Versicherungsunternehmen die oft veraltete Technologie ist. Im Kern geht es dabei um die Modernisierung veralteter Software-Anwendungen, die versicherungstypische Kernprozesse wie Schadensbearbeitung oder Vertragsverwaltung unterstützen.

Einmal mehr wird so deutlich, dass im Zentrum der digitalen Revolution Software steht, die Sprache der digitalen Welt. Das bestätigt auch eine aktuelle Lünendonk-Studie unter IT-Entscheidern, die 2015 die höchsten Budgets für die Modernisierung von Software einplanen.

Große Herausforderungen warten

Das Grundsatzpapier zur Entwicklung einer österreichischen IKT-Strategie stellt den Menschen als Individuum und Teil der Gesellschaft sowie dessen Bedürfnisse in den Vordergrund und formuliert vier strategische Ziele:

■ Österreich an der Spitze der IKT-Nationen positionieren.
■ Die Breitbanddurchdringung und -nutzung erhöhen.
■ Das Internet als Chance für alle Menschen begreifen.
■ Eine Koordinierung der IKT-Politik und eine Einbeziehung sowie Umsetzung von Forschungsergebnissen fördern.

Ganz in diesem Sinne hat der Verband Österreichischer Software Industrie (VÖSI) kürzlich mit seinem sechs Punkte umfassenden Software-Manifest ebenfalls eine Initiative gestartet, um die Bedeutung von Software als unabdingbarem Treibstoff und interessantem Wachstumsmarkt auf dem Weg ins digitale Zeitalter zu unterstreichen.

Österreich hat aufgrund seiner bekannten Kreativität und einem hohen Maß an Ingenieurkunst beste Karten für den Weg ins digitale Zeitalter. Es gilt allerdings, sie gezielt und nachhaltig einzusetzen, um den erwünschten Schritt hin zum Innovation-Leader auch zu schaffen. Angesichts der Wichtigkeit des Themas erscheint es auch nicht überzogen, sich einen Minister/ eine Ministerin für Digitalisierung zu wünschen.

Neben den traditionellen Infrastrukturthemen Verkehr und Energie wird die digitale Infrastruktur wohl entscheidend auf dem Weg zum digitalen Österreich sein.