Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Privatleben beschreibt der wohlklingende Anglizismus Work-Life-Balance und umreißt damit ein aber endlos scheinendes Feld an Aktivierungsimperativen. Time Management, Entspannungsmöglichkeiten in Pausen, aber auch gesunde Ernährung trotz Zeitknappheit sind nur einige davon. Doch Arbeit ist ein wichtiger Teil des Lebens, sodass er gar nicht strikt vom Leben getrennt werden kann. Und auch das Wort „Balance“ meint keine fifty-fifty Verteilung, sondern vor allem die gesunde Mischung der verschiedenen Lebensbereiche.

Rhythmus

Die kreativen Hoch- und Leistungsphasen liegen über den Tag unterschiedlich verteilt, je nachdem ob man eher zu den Eulen (Nachtmenschen) oder Lerchen (Frühaufstehern) zählt. Produktivität und Ausgeglichenheit sind also abhängig vom eigenen Rhythmus. Der Trick ist demnach, nicht die Zeit zu managen, sondern vielmehr die eigene Energie. Zum Beispiel aller 90 Minuten eine Pause einzulegen, weil danach klassischerweise ohnehin die Konzentration sinkt oder das klassische Mittagstief gegen 14 Uhr tatsächlich mit einer Auszeit zu quittieren. Wirkliche Kreativität entsteht nur dann, wenn Rücksicht auf den individuellen Biorhythmus genommen werden kann. Arbeitet man  seinem eigenen Rhythmus zuwider, bringt genau das aus der Work-Life-Balance!

Gegenwärtig ist zu beobachten, dass Arbeitnehmer zunehmend auch am Wochenende oder im Urlaub ihre E-Mails checken, für Kunden zur Verfügung stehen oder ihre Arbeit mit nach Hause nehmen. Moderne Technik und flexible Arbeitszeitmodelle machen es möglich, von überall zu arbeiten. Damit verschmelzen die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben zusehends.

Dieses Phänomen nennt sich Work-Life-Blending. Statt nach einem ausgeglichenen Verhältnis von Arbeit auf der einen und Freizeit auf der anderen Seite zu suchen, geht es nun um eine Verschmelzung. Das neue Ziel: Ein fließender Übergang von Arbeits- und Privatleben.

Verantwortung

Will man den nur allzu bekannten Folgen einer fehlenden Work-Life-Balance wie Burnout oder Tinnitus entgehen, haben auch Arbeitgeber ihren Anteil dafür zu leisten. Denn übermotivierte Angestellte, die ihre Freizeit freiwillig, regelmäßig und in übermäßigem Ausmaß für aktuelle Projekte opfern, sind oft weniger kreativ, weniger leistungsfähig, weniger effizient und häufiger krank. Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens steht also genauso auf dem Spiel wie die individuelle Verfassung jedes Einzelnen.

Die Unternehmenskultur sollte folglich so ausgerichtet sein, dass das Berufsleben mit dem Privatleben der Beschäftigten möglichst der Lebenssituation entsprechend und den persönliche Präferenzen folgend zu vereinbaren ist. Die Balance kann dabei individuell sehr verschieden gestaltet sein.

Möglichkeiten

Es können materielle Anreize durch Erfolgsbeteiligungen, Sozialleistungen oder Kapitalbeteiligung zum Beispiel geliefert werden. Wichtig ist ebenso eine familienfreundliche Gestaltung des Arbeitsalltags, die eine hohe Zeitautonomie der Mitarbeiter erlaubt (flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Homeoffice, ...), aber auch Kinderbetreuungsangebote und Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach Karenzzeiten stellt.

Eine geregelte und gesunde Versorgung der Mitarbeiter über eine Kantine ist ein Must-have jedes Unternehmens ab mittlerer Größe, denn schmeckt das Essen, schmeckt auch die Arbeit. Alternativ kann dazu mittlerweile auch aus einem weiten Spektrum an Lieferdiensten und Caterern gewählt werden, die eine bewusste und geregelte Ernährung gewährleisten.

Außerdem gehören Angebote zur Stressbewältigung, wie autogenes Training in den Pausen, die durch Zeitmanagementkurse strukturiert werden können, und Sportprogramme, um den Kopf frei zu bekommen, zu den Möglichkeiten eines Arbeitgebers, sich verantwortlich für seine Mitarbeiter zu zeigen. Medizinische Betreuung und Vorsorgemaßnahmen erweitern solch ein Gesundheitsangebot noch.

Wer es nicht schafft, sein Smartphone gesunderweise auch mal abzuschalten, kann sich mithilfe einer Terminplaner-App auch Freizeit oder Pausen festlegen – erlaubt ist alles, was hilft, in den eigenen Rhythmus zu finden!