Das Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 in den Ländern der Europäischen Union die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen und die Energieeffizienz zu steigern – jeweils um 20 Prozent. Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft rechnet zusätzlich damit, dass sich dank dieses Gesetzes das Bruttoinlandsprodukt um 550 Millionen erhöht und 6400 neue Arbeitsplätze entstehen.

Aufwändig selbstständig

Doch Papier ist geduldig: Dieser Beschluss muss noch mit Leben gefüllt werden. Dazu sind jetzt vor allem die Unternehmen gefragt. Das Gesetz betrifft in erster Linie große Betriebe: Als groß gilt ein Konzern in diesem Fall, wenn er mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigt oder den Jahresumsatz um 50 Millionen Euro und die Bilanzsumme um 43 Millionen Euro überschreitet. Zwar sind diese Unternehmen zu keinen konkreten Einsparmaßnahmen verpflichtet.

Das ist bislang nur den Energieversorgern vorbehalten. Jedoch bedeutet das nicht, dass die restliche Wirtschaft Däumchen drehen darf. Es ist ohnehin damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren die Gesamtwirtschaft zu klaren Zielen verpflichtet wird und daher auch kleinere Unternehmen einbezogen werden. Im Moment schreibt das Gesetz den betroffenen Firmen vor, eine von zwei Maßnahmen zu treffen: Entweder lässt man ein sogenanntes Energieaudit durchführen oder man integriert im Unternehmen für die Energieeffizienz ein Managementsystem, das die jeweiligen Normen erfüllt.

Letztere Maßnahme ist zwar erheblich aufwändiger als die Überprüfung durch ein Energieaudit: Es verlangt die Einführung organisatorischer Systeme, die Festlegung einer Energiestrategie und die Definition von Energiezielen. Dafür ist man bei der Erfüllung des Gesetzes erheblich selbstständiger, weil man eigenverantwortlich im Betrieb vorgehen kann und nicht auf die Mitarbeit von externen Zuträgern angewiesen ist.

Keine Zeit verlieren

Hat man sich bislang in dieser Angelegenheit nicht gerührt, steht das jedoch nicht mehr zur Debatte: Seine Wahl musste man heuer bis zum 30. Jänner melden. Alle Unternehmen, die das verabsäumt haben, sind jetzt automatisch zu einem Energieaudit verpflichtet. Und das sollte möglichst rasch durchgeführt werden, weil die Zahl der zertifizierten Gutachter begrenzt ist. Auch die Messung eines jahreszyklischen Verbrauchs lässt sich jetzt bereits nur noch schwer ermitteln, da der Winter so gut wie vorbei ist.

Zudem könnte die Überprüfung weiter ausufern als man denkt: Sollte einer der drei Bereiche Prozesse, Gebäude oder Fuhrpark seinen Anteil am Gesamtenergiebedarf um mehr als zehn Prozent überschreiten, müsste hier noch ein spezifisches Audit durchgeführt werden. Bis zum 30. November müssen alle betroffenen Unternehmen über ihre Maßnahmen – sei es die Implementierung eines Managementsystems oder die Durchführung eines Audits – Bericht erstatten. Wer bis dahin bei der zuständigen Monitoringstelle nichts vorgelegt hat, muss mit einer Strafzahlung von bis zu 20.000 Euro rechnen.

Jedoch wird es statt einer Gesamtüberprüfung erst nur Stichproben geben. Ohnehin betreibt das Bundesministerium die Monitoringstelle bloß interimistisch – im Laufe des Jahres wird entschieden, welche Organisation diese für die Durchsetzung dieser Initiative wesentlichen Einrichtung betreibt. Es wird wohl noch etwas dauern, bis Wirtschaft und Politik das Gesetz reibungslos umsetzen können.