Wie eine gute Tasse Kaffee, so gehören auch Papier, Kugelschreiber, Druckerpatronen und Co. zu einer klassischen Büroausstattung. Obwohl Büro- und Druckmaterialien zum täglich Brot in nahezu jeder Firma gehören, wird bei Einkauf und Verwendung oft nicht auf nachhaltige Aspekte geachtet. Doch gerade hier gibt es viele Möglichkeiten, sagt Umweltexpertin Jutta Kellner: „Es gibt immens große Potenziale, den Verbrauch im Büro zu reduzieren – und zwar standardmäßig! Das ist genauso wie in jedem einzelnen Haushalt, nur sind im Büro die Einheiten viel größer.“

Nachhaltigkeit zwischen Angebot und Nachfrage

War Anfang der 1990er-Jahre das Thema Umweltschutz im Büro noch auf Papier oder nachfüllbare Materialien beschränkt, wird ihm heute in nahezu allen Bereichen Beachtung geschenkt. Das kann von Elektronik- und Heizungsverbräuchen bis hin zu Reinigungsmitteln, Einrichtungsgegenständen oder auch der MitarbeiterInnenverpflegung reichen. „Es gibt überall Angebote und Lösungen. Von der Mobilität angefangen bis hin zu Geräteeinkauf, Meetings oder umweltfreundlichen Reisen.

Das hat sich im Laufe der Zeit radikal geändert“, berichtet Kellner aus ihrer persönlichen Erfahrung. Heute haben sich viele Firmen Umwelt- und Ressourcenschutz auf die Fahnen geheftet. „Am besten ist es aber, wenn es nicht nur auf dem Papier ein klares Bekenntnis gibt, sondern es sich auch bei Auftragsvergaben und Einkaufsrichtlinien widerspiegelt.“, gibt Kellner zu bedenken. Interessanterweise ist das Angebot an nachhaltigen Bürolösungen tatsächlich größer als es die aktuelle Nutzung vermuten lässt. Das bestätigt auch Kellner: „Es gibt wesentlich mehr Möglichkeiten als früher. Die Hersteller sind in den letzten Jahren schon sehr innovativ geworden. Es kommt nur noch darauf an, dass die Anwender zugreifen.“

Bewusster Einsatz von Papier

Eines jener Materialien, in denen sich das Potenzial von Nachhaltigkeit am offensichtlichsten zeigt, ist Papier. „Die große Hoffnung zum papierlosen Büro hat sich noch nicht erfüllt, aber die Möglichkeiten weniger Papier einzusetzen sind gestiegen, vor allem durch elektronische Lösungen zur Archivierung und Verwaltung von Dokumenten“, stellt Kellner fest. Während einzelne Mitarbeiter selbst Duplex-Funktionen nutzen können, sollten seitens der Betriebe Öko-Standards eingesetzt und auch offen gezeigt werden.

So kann beispielsweise eine bei E-Mails angefügte Botschaft zum Papiersparen ein Signal nach außen sein. Um zusätzlich Papier einzusparen, schlägt Kellner außerdem vor, firmenintern etwa einen Papiersparwettbewerb anzuregen. Neben einem bewussteren Einsatz von Papier sollten auch der Papiereinkauf ökologisch gestaltet und innerbetriebliche Druckerzeugnisse recyclingfähig hergestellt werden. „Das sind alles Bereiche, in denen für die Umwelt ein großer Vorteil lukriert werden kann. Außerdem stellt das eine für den Betrieb eine Kostenverringerung dar“, verdeutlicht Kellner.

 

Nachfüllen, recyceln, wiederverwerten

Statistik Papierverbrauch in Europa und ÖsterreichNachhaltigkeit heißt nicht unbedingt gleich teurer. Wenn weniger Ressourcen eingesetzt werden müssen, bedeutet das auch weniger Kosten. Wiederverwertbare Materialien gibt es in Büro auch abseits von Papier genug. Das Ziel dabei ist insgesamt weniger Müll zu produzieren. Auch Kellner weiß davon ein Lied zu singen: „Es wird oft gejammert, dass eh alles zum Wegwerfen sei. Mit Recycling- und Nachfüllprodukten setzt man einen Kontrapunkt!

So können etwa hochwertige Moderationsstifte oder Kugelschreiber mehrfach nachgefüllt und verwendet werden. Daneben gibt es Schreibgeräte, deren Gehäuse selbst bereits aus recycelten Kunststoffen gefertigt wurden. Was allgemein für Büromaterialien gilt, kommt ebenso bei Tonerkartuschen zum Tragen. Denn auch diese können wiederaufbereitet werden. „Tonerkartuschen sind wie der Motor in einem Auto. Man würde nie auf die Idee kommen, einen Motor wegzuschmeißen, bloß weil das Benzin ausgegangen ist“, pointiert die Umweltexpertin.

Umweltmaßnahmen: Lernen für zu Hause

Die Möglichkeiten, Nachhaltigkeit im Büro umzusetzen, sind seitens der Büroartikelhersteller also groß. „Vielfach liegt es aber an der Umsetzung und an der Verhaltensänderung in den Betrieben“, versucht Kellner zu erklären. „Es braucht Motivation dafür, etwas anders zu machen als bisher. So gesehen, hat Nachhaltigkeit auch einen sozialen Aspekt.“ Kellner empfiehlt, zusätzlich Vorschläge von MitarbeiterInnen aktiv umzusetzen.

„Vielleicht haben MitarbeiterInnen schon im Privaten viel Erfahrung mit Ressourcenschonung oder beim Energiesparen gemacht und können dies als Anregung in den Betrieb mitnehmen. Davon können beide Seiten profitieren!“ Betriebliche Umweltmaßnahmen helfen so nicht nur Kosten zu reduzieren und firmenintern Nachhaltigkeit zu fördern. „Letztendlich gibt es viele Brücken in den privaten Bereich und viele MitarbeiterInnen lernen wiederum etwas für zu Hause.“ Nachhaltigkeit lohnt sich – davon ist Kellner überzeugt und sagt abschließend: „MitarbeiterInnen können stolz auf ihr Unternehmen sein, wenn es umweltgerecht und nachhaltig wirtschaftet!“