Was waren eure größten Herausforderungen bei der Planung der Google-Büros? Und wie seid ihr dabei mit dem Faktor Zeit umgegangen, der ja meist für Architekt wie Auftraggeber belastend ist?

Tatsächlich befand sich Google Zürich zu diesem Zeitpunkt unter enormem Expansionsdrang, beinahe alles wurde Kosten und Terminen untergeordnet. Dazu kam unser eigener Anspruch an eine allumfassende Gestaltung. Um möglichst schnell in die »Google-Welt« einzutauchen und die verschiedenen Vorstellungen zu erfassen, haben wir gleich zu Beginn Workshops organisiert und die Google-MitarbeiterInnen in die Planung integriert.

Eine weitere, auch koordinative Herausforderung lag darin, dass allein unser Gestaltungsteam aus vier Disziplinen bestand: aus der Architektur, Landschaftsarchitektur, Lichtplanung und Farbkunst. Dies unterstützte unser Ansinnen an eine allumfassende Gestaltung. Wie auch das Ziel, das bunt-verspielte Google-Design weiterzuentwickeln, es «erwachsener» werden zu lassen. Am Ende haben sich alle – auch die MitarbeiterInnen – mit dem Ergebnis identifiziert.

»Eine Arbeitswelt, die anregt statt einengt.« Was steckt hinter dieser Aussage?

Es geht um Themen wie Autonomie und Selbstbestimmung. Bei Google gibt es keine vorgegebene, strikte Trennung von Arbeit, Pause oder Freizeit. Entsprechend haben wir einen mäandrierenden Raum konzipiert, der über Kommunikationsnischen, offene Arbeitsinseln sowie Einlagerungen von abgeschlossenen Räumen verfügt. Die Arbeitsplätze sind nicht abgeschottet, sondern integrierter Bestandteil des realen Lebens.

Zu einer »anregenden« Gestaltung gehört es auch, den Menschen Spiel- und Bewegungsräume anzubieten – im wahrsten Sinne des Wortes. Der mäandrierende Raum erlaubt einen organischen Bewegungsfluss. Statt eines mechanischen Hin und Her zwischen Geraden und rechten Winkeln führt er in Schlaufen entlang der Fassade, vorbei an vielgestaltigen Räumen und Bereichen. Es gibt vielfältige Orte der Begegnung, weil Bewegung nicht nur der Gesundheit dient, sondern auch dem Austausch untereinander.

Welche Kriterien sollte ein Modern Office heutzutage definitiv erfüllen?

Natürlich ist dies abhängig von der Dienstleistung, die in den Räumen stattfindet. Grundsätzlich verhält es sich bei der Gestaltung von Arbeitswelten ähnlich wie beim Städtebau. Man sollte genau differenzieren zwischen öffentlichen, halböffentlichen und privaten Räumen. Funktional wie gestalterisch. Wichtig ist die Ausformulierung der Übergänge.

Bei Google gibt es Telefonboxen oder einen Raum mit Einzelkojen für den privaten Rückzug. Die Micro Kitchen sind dagegen als gesellige Orte des Austauschs in den Ecken angesiedelt. Sie funktionieren ein bisschen wie ein öffentlicher Marktplatz. Zwischen ihnen und den offenen Arbeitsbereichen schlängeln sich die halböffentlichen Übergangszonen mit Nischen für informelle Besprechungen.

Open Spaces & Privacy – wie lässt sich das vereinbaren? Was für einen Einfluss haben Akustik und Licht auf die Arbeitsatmosphäre und das Wohlbefinden?

Allgemein ist der Wunsch nach Regulierung der Privatheit etwas zutiefst Menschliches – unabhängig, ob es sich um einen Wohn- oder Bürobau handelt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Grade der Abgrenzung. Für die Akzeptanz von Open Spaces ist es wichtig, die Wahl zu haben. Etwa, indem man den MitarbeiterInnen vielfältige Ausweichräume oder Möglichkeiten zur Einflussnahme anbietet.

Auch in den Open Spaces lässt sich die Privatheit verstärken. Akustik und Licht sind zentrale Themen. Die Akustik ist besonders wichtig, weil sich viele in ihrer Arbeit durch Lärm gestört fühlen. Bei Google wurden die Deckenpaneele in Kombination mit einem speziellen Farb- und Belichtungskonzept zum gestalterischen Leitmotiv. Zudem gibt es einen guten Mix aus allgemeiner Beleuchtung, indirektem Licht sowie individuell schwenkbaren Tischleuchten für Fokusbeleuchtung. Diese Lichtinseln schaffen auch persönlichen Raum.

Wie wichtig ist es, die Firmenidentität bzw. die Unternehmensphilosophie architektonisch widerzuspiegeln?

Architektur ist nie sprachlos, sondern steht immer als gebautes »Image« einer Unternehmung da. Diesem Aspekt sollte man Rechnung tragen. Abgesehen davon ist es eine Chance, denn Gebäude und Räume erzeugen Orte, die die Firmenidentität eindrücklich erfahrbar machen.

Woher holt ihr die Inspiration für eure Konzepte?

Im Falle von Google saßen Gestalter aus vier Disziplinen an einem Tisch. Das bringt eine Vielfalt an Sichtweisen und Perspektiven. So halten wir es auch in unserem Büro: Wir sind ein Team von 50 Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Zusammen bringen wir es auf 580 Jahre Berufserfahrung.

Es ist uns wichtig, nah am Leben zu sein und auch so zu bauen. Jeder von uns Partnern hat Familie und Kinder, das erdet. Wir schätzen die Vielfalt des Lebens. Deswegen mögen wir auch keine Verzichtsarchitektur. Als Architekten verstehen wir uns eher als Volksmusiker, denn als Asketen.