Univ. Prof. Dr.phil. Gerald Steinhardt
Dekan der Fakultät für Informatik; Technische Universität Wien
 

Wie groß ist die Bedeutung von IT-Studien- und Lehrgängen in Österreich?
Die Informatik ist eine der Schlüsseltechnologien der modernen Informations- und Wissensgesellschaft. Deswegen werden auch immer mehr Fachkräfte benötigt, die eine qualitätsvolle Ausbildung erhalten haben und bereit sind an der Problemlösung der komplexen Herausforderungen unserer Zukunft zu arbeiten. Jährlich verlassen rund 550 solcher Kräfte die TU Wien.

 

Wie sehen die Berufschancen für diese Absolventen aus?
Unsere Absolventen sind hoch nachgefragt. Die Wirtschaftskammer hat vor zwei oder drei Jahren eine Erhebung zur Arbeitskräftesituation im Informatiksektor gemacht. Dabei ist sie zu dem Schluss gekommen, dass der Bedarf durch die Zahl der Absolventen in Zukunft nicht gedeckt werden kann. Als junge Wissenschaft stehen wir in den nächsten Jahren auch vor der Herausforderung, dass die ersten Akademiker aus unserem Bereich pensioniert werden. Dies wird eine Lücke hinterlassen, die es zu füllen gilt. Die Nachfrage nach Informatik-AbsolventInnen wird also weiterhin hoch sein.

 

Wo liegen die Schwierigkeiten, wenn es um eine höhere jährliche Absolventenzahl geht?
Generell begrüßen wir das Interesse an unseren Studiengängen und würden selbst auch gerne die Zahl unserer Absolventen erhöhen. Allerdings darf die Qualität der Ausbildung nicht darunter leiden. Es muss ein sinnvolles zahlenmäßiges Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden geben. Wir stoßen aber derzeit schon an die Grenzen unserer Ressourcen und erwarten deshalb von der Politik, dass sie handelt. Schließlich ist es für Österreich als Hochtechnologieland wichtig, dass wir weiterhin gut ausbilden können. Das Wissen ist das Kapital unseres Landes.

 

Wir haben über die LehrendenStudierenden-Relation gesprochen. Wie sieht das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Studierenden aus?
In der Informatik gibt es weit we niger Frauen, als wir uns das wünschen. An den Universitäten variiert das natürlich je nach Studienrichtung. In Studiengängen mit hohem Frauenanteil haben wir rund 40 Prozent weibliche Studierende. Unser Ziel ist es, dass es ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter gibt.

 

Warum glauben Sie, finden noch immer so wenige Frauen den Weg in technische Ausbildungsgänge?
Ich denke, das hat mit tiefsitzenden gesellschaftlichen Stereotypen zu tun, die dann auch die Studienwahl bestimmen. Solange technisches Werken an den Schulen eine Burschendomäne bleibt, wird es schwierig bleiben, bei jungen Frauen das Interesse für ein technisches Hochschulstudium zu wecken.

 

An der Frage nach dem lieben Geld kommt man nicht vorbei. Wie sehen die Verdienstmöglichkeiten im IT-Bereich aus?
Im Verhältnis zu anderen jungen Akademikern verdienen unsere Absolventen überdurchschnittlich gut. Natürlich wachsen die Anfangsgehälter auch hier nicht in lichte Höhen und es gibt signifi kante Unterschiede je nach Tätigkeitsbereich.