Eine industrielle Revolution ist auch immer eine des Transportwesens: Die Dampftechnologie trieb nicht nur die Fabriken, sondern auch die Eisenbahnen an. Und der Siegeszug der Elektrizität machte nicht an den Fließbändern halt, sondern veränderte auch den allgemeinen Straßenverkehr. In Form der Digitalisierung steht nun der nächste große Umbruch an: Die sogenannte „Industrie 4.0“ wird das Wirtschaftsleben nachhaltig verändern.

In den Unternehmen werden langfristig bestehende Prozesse und Systeme mit digitaler Infrastruktur und modernen Kommunikationstechnologien verzahnt. Etablierte Arbeitsweisen werden dadurch zunehmend flexibler und interaktiver gestaltet. Die Fertigung wird dadurch in Zukunft noch effizienter und produktiver. 

In der Industrie ist es aber natürlich nicht damit getan, Produkte herzustellen. Waren müssen auch zu ihren Abnehmern befördert werden. Da nicht nur die Produktion, sondern die gesamte Wertschöpfungskette digitalisiert wird, sind Logistiker aktuell gefragt, den digitalen Wandel auf allen Wegen zu realisieren. Die „Industrie 4.0“ ist nämlich ohne eine „Logistik 4.0“ nicht denkbar.

Wartung in Echtzeit

Grundsätzlich wird man im Transport aber auch weiterhin das tun, was man immer getan hat: Eine Ware auf dem effizientesten Weg von A nach B befördern. Zahlreiche technologische Hilfsmittel, die der digitale Wandel hervorbringt, können dabei jedoch zusätzlich helfen.

Nicht nur in der Fabrik, sondern auch auf der Strecke sind Zuverlässigkeit und regelmäßige Intervalle wichtige Faktoren für Produktivität. Jeder Ausfall eines Fahrzeugs unterbricht diesen steten Fluss von Materialien und Geräten zum Kunden.

Dank des digitalen Fortschritts lässt sich solchen Unterbrechungen aber noch effizienter vorbeugen.

Fahrzeuge werden nun nicht mehr allein von Menschenhand und somit bloß nach dem Kalender gewartet: Beim „Condition Monitoring“ geben die Fahrzeuge selbstständig Rückmeldung über ihren Zustand. Somit lassen sich notwendige Reparaturen viel früher im Voraus diagnostizieren. Ein Lastwagen etwa wird dann umsichtig bereits vorab aus dem Verkehr gezogen und kommt gar nicht erst angeschlagen zum Einsatz.

Der Vorteil insbesondere für ein Fuhrparkmanagement von Schwer- und Sonderfahrzeugen liegt auf der Hand: Lieferketten, in denen viele und große Fahrzeuge tätig sind, werden durch Ausfälle nicht mehr unterbrochen. Instandhaltungskosten lassen sich so erheblich reduzieren: Im Werk vorzubeugen, kostet schließlich deutlich weniger, als auf der Strecke eingreifen zu müssen.

Flexibel sein durch Interaktivität

Im Datenmanagement steckt daher ein großes Potenzial für die Transportwirtschaft. Auch Trackingsysteme werden die Logistik zunehmend produktiver machen. Eine derartige Dokumentation in Echtzeit wirkt Verlusten entgegen oder hilft dabei, die Lieferkette effizienter zu gestalten, etwa indem kurzfristig und interaktiv Warenströme umgeleitet und je nach Auftragslage situativ neu organisiert werden können.

Diese Interaktivität sorgt aber auch auf Kundenseite für Bewegung: Analysesysteme im Lagerbetrieb werden durch automatische Bestellungen die Auftragslage ankurbeln.

Durch GPS-Systeme und die reibungslose digitale Kommunikation wiederum werden einzelne Fahrer flexibler und können so auf überraschende Hindernisse schneller eigenständig reagieren – etwa, indem sich Routen von jedem Haltepunkt neu berechnen lassen und kurzfristig relevant werdende Faktoren einbeziehen.

Allein wird die Technik jedoch nicht alles lösen können. Da aber dennoch mehr und mehr Tätigkeiten von Maschinen erledigt werden, wird es darauf ankommen, MitarbeiterInnen auf den Strukturwandel entsprechend vorzubereiten.

Die Logistik ist gefragt, ihre Angestellten entsprechend umzuschulen und deren Aktivitäten im Betrieb zu verlagern. Wenn das gelingt, nimmt im besten Fall in der Transportwirtschaft der Zukunft der Computer dem Menschen nur Arbeit ab und nicht weg.