Ewald Tatars Karriere ist ein Klassiker – ein Sinnbild für beruflichen Aufstieg und Erfolg. Angefangen hat der Burgenländer als DJ. Zehn Jahre lang legt er Platten auf, unterhält die Menschen mit Musik. Er hilft als Stagehand beim Aufbau der Festival-Bühnen, klebt Plakate, chauffiert die Musiker. Heute organisiert er selbst riesige Festivals, seine Agentur ist die größte Österreichs. „Es ist gut, dass ich das alles gemacht habe“, sagt Tatar und wischt sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht. „So kann ich überall mitreden.“

Schlaflos auf dem Festival

35 Mitarbeiter beschäftigt der erfolgreiche Veranstalter mittlerweile. Bei den großen Festivals sind es bis zu 2000, die er dirigieren muss. „Ich bin die Schnittstelle, bei der alles zusammenläuft“, so Tatar über seinen Job. Gerade beim Nova Rock – seinem „großem Baby“ wie er sagt – bedeutet dies jede Menge Stress: „Als 46-Jähriger ist es nicht mehr so einfach, vier Tage nacheinander nur zwei Stunden zu schlafen.“ Dennoch könne er sich nichts Besseres vorstellen, als mit und für die Musik zu arbeiten. “Wie ein Fußballer habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht – das darf man sich nur wünschen“, so der Konzertveranstalter. Genau diese Leidenschaft und Begeisterung für Musik ist es, die ihn so weit gebracht hat. Gerade das Bauchgefühl und das Gespür für aktuelle Trends seien in der Musikbranche extrem wichtig: „Du kannst der beste Theoretiker sein – aber wenn du nicht weißt, welche Band gefragt ist, nützt das gar nichts!“

Dass ihm sein Gespür für Trends nicht einfach so in den Schoß gefallen ist, gibt Tatar offen zu. Nur durch seine jahrelange Arbeit als DJ habe er sich sein Wissen über ein so breites Musikspektrum aneignen können. „Von Rock über Reggae bis zu Jazz“, überall kennt sich der Burgenländer aus und bucht auch selbst die Bands. „Als DJ habe ich bereits die ersten wichtigen Erfahrungen in der Musikbranche gemacht“, sagt Tatar. Erfahrungen, von denen er bis heute profitieren kann.

Wie unterhält man am besten die Leute? Wie reagieren sie auf die Musik? Was wollen sie hören, was nicht? Fragen, die sich sowohl ein kleiner DJ als auch ein großer Konzertveranstalter stellen muss. „Im Prinzip war meine Arbeit als DJ jedes Mal wie eine Festivalveranstaltung im Kleinen“, erinnert sich Tatar.

Ohne entsprechende Ausbildung zum Erfolg

Anders als heute, musste Tatar seine Kariere ganz auf eigenen Erfahrungen und Versuchen aufbauen. „Als ich begonnen habe, gab es keine Ausbildungen in diese Richtung.“ Er habe nicht einmal gewusst, dass es so etwas wie den Beruf eines Veranstalters gibt. „Ich bin eigentlich erst darauf gekommen, als mich meine eigenen Kinder gefragt haben: Papa, was bist du von Beruf?“, erzählt der Burgenländer.

Dass mittlerweile viele seiner Kollegen eine Ausbildung zum Veranstalter absolviert haben, betrachtet Tatar durchaus positiv: „Die Kolleg-Abgänger haben den Vorteil, dass sie ein fundamentiertes Know-How in aktuellen Strömungen und wirtschaftlichen Entwicklungen haben.“ Er selbst habe nur wenig Ahnung von Wirtschaft, sagt Tatar schmunzelnd.

Aus Fehlern lernen

Dennoch hat er es an die Spitze gebracht. Beinahe 500 Konzerte und Festivals laufen jährlich unter seiner Federführung. An manchen Tagen sind es bis zu sechs gleichzeitig. Ständig ist Tatar unterwegs, um sich einen Überblick zu verschaffen. Zeit sich zu erholen bleibt da kaum: „Die Planungen für das nächste Nova Rock beginnen am ersten Tag nach dem Festival.“ Der erste Schritt dabei ist, zu schauen, was man in diesem Jahr falsch gemacht hat oder was man in Zukunft verbessern kann. „Denn das perfekte Festival gibt es nicht“, meint Tatar und lächelt freundlich.