In der österreichischen Wirtschaft herrscht ein Wechselbad der Gefühle: Auf der einen Seite stehen großartige Unternehmen, die trotz des schwierigen Umfeldes nach wie vor weltweit Erfolge erzielen. Auf der anderen Seite gibt es eine anhaltende Investitions- und Wachstumsschwäche und einen stetigen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Während sich Europa langsam erholt und viele EU-Länder wieder stärkere BIP-Zuwachsraten verzeichnen, bleibt Österreich im Hintertreffen.

Überbordende Bürokratie und Belastungen sowie fehlende Reformen im öffentlichen Bereich haben Frust bei den Betrieben erzeugt. Die im Sommer fixierte Steuerreform bringt zwar eine willkommene Kaufkraftstärkung und auch 330.000 UnternehmerInnen direkt eine Einkommensteuerentlastung. Zudem konnte die Wirtschaft bei zentralen Punkten noch Verbesserungen für die Betriebe erreichen. Problematisch sind aber die verbliebenen Steuererhöhungen bei der Gegenfinanzierung, weil sie einen dämpfenden Effekt auf die Konjunktur haben. Hinzu kommt, dass wichtigen Ankündigungen - Stichwort Wohnbauoffensive etc. - bis dato keine Taten gefolgt sind. Dabei hätten die heimischen Betriebe eine rasche Umsetzung dringend nötig, um im Baubereich und in dem für die KMU so wichtigen Baunebenbereich zu Aufträgen zu kommen.

Die Botschaft der heimischen KMU lautet daher: Österreichs Regierung muss nun rasch in die Offensive gehen. Es ist an der Zeit, jene Reformen anzugehen, die den Standort stärken. Notwendig sind nachhaltige Entscheidungen, die dazu führen, dass in der Verwaltung Nägel mit Köpfen gemacht werden. Noch nie haben Unternehmen derart viel leisten müssen, um die bürokratischen Anforderungen abzuarbeiten. Wir leisten uns eines der teuersten Pensionssysteme in der EU und noch immer mangelt es unserem Bildungssystem an echten Reformen. Und: Obwohl Österreich dank der Stärke der heimischen KMU weiterhin ein Beschäftigungsplus von zumindest einem Prozent in den kommenden Jahren verzeichnen wird, ist keine Entlastung bei den Arbeitslosenzahlen in Sicht. Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und gezielte Investitionsanreize sind angesagt.

Erfolgsbeispiele: Crowdfunding und Creative Industries

Dass die heimische Wirtschaft eine enorme Dynamik in sich trägt, zeigen die Beispiele Crowdfunding bis Creative Industries: Durch unseren Einsatz wurde die Thematik der alternativen Finanzierungsformen auf solide Beine gestellt und gesetzlich – z.B. durch eine Lockerung der Prospektpflicht – abgesichert. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden mehr Mittel über diese neue Form der Unternehmensfinanzierung aufgebracht als in den beiden Jahren davor.

Weiterhin dynamisch unterwegs ist die heimische Kreativwirtschaft, in der heute rund 140.000 Menschen beschäftigt sind. Die Zahl der Kreativwirtschaftsunternehmen stieg von 2008 bis 2012 um acht Prozent, jene der Beschäftigten und der Umsatz der dazugehörigen Branchen sogar um zehn Prozent. Und: Heimische Kreativwirtschaftsunternehmen ticken anders, sie blicken zuversichtlicher in die Zukunft als die Gesamtwirtschaft.

Österreichs junge Unternehmer glauben an ihre Ideen und damit an den heimischen Standort: Jahr für Jahr befinden wir uns bei den Unternehmensneugründungen auf hohem Niveau. Im ersten Halbjahr 2015 ist bei den Gründungen sogar ein beachtliches Plus von 1,6 Prozent zu verzeichnen. Diesen Jungunternehmern, die mit ihren Start-ups und als EPU die Arbeitgeber von morgen sind, gilt es eine Perspektive zu geben. So wie unsere Unternehmensneugründer ihren Businessplan hieb- und stichfest ausformulieren mussten, ist es an der Zeit, einen solchen Businessplan für Österreich zu finden.

Unsere Kreativen, unsere Gründer und Jungunternehmer zeigen, dass der heimische Standort ein interessanter, moderner Platz für neue Geschäftsideen ist. Dieser Geist sollte sich in den politischen Entscheidungen widerspiegeln: Neue Herangehensweisen finden, Dinge beim Namen nennen und umsetzen – das sind die Handlungsanleitungen, an die wir uns jetzt halten müssen- Expertise ist genug vorhanden. Jetzt geht es um die Realisierung!