Als Mittagessen schnell eine Wurstsemmel verschlingen und schon geht es weiter mit der Arbeit – eine Angewohnheit, die wir nicht nur von Kommissar Rex kennen, sondern täglich so auch in vielen österreichischen Betrieben erleben können. „Es ist leider kein Klischee“, sagt die Ernährungsexpertin Claudia Horacek. „Die klassische Wurstsemmel als Mittagstisch macht einen großen Anteil aus.“ Dabei sei eine gesunde und bewusste Ernährung gerade am Arbeitsplatz besonders bedeutend, so Horacek. „Leistungstiefs und nachlassende Konzentration sind auf falsche Ernährung zurückzuführen.“

Arbeitsunfälle, vermehrte Krankenstände und eine geringere Produktivität der Angestellten sind die Folgen. Umgekehrt kann gutes und gesundes Essen im Betrieb dazu beitragen, die Produktivität zu steigern und sogar dabei helfen, das Arbeitsklima und die interne Kommunikation zu verbessern. Ein Erfolgsrezept, das mittlerweile auch immer mehr österreichische Unternehmen für sich entdecken.

Mittagessen als Teil der Unternehmenskultur

„Wie mit dem Thema Essen und Gesundheit umgegangen wird, ist ein Spiegelbild der jeweiligen Unternehmenskultur“, so die Ernährungswissenschafterin. „Betriebe, die viel Wert auf gesunde Ernährung am Arbeitsplatz legen, sind meist auch um ein gutes Miteinander bemüht und betrachten ihre Mitarbeiter als wertvolles Kapital.“ Dabei spielt es nach Einschätzung von Claudia Horacek keine Rolle, wie groß ein Unternehmen ist. Wichtig ist die „Philosophie des Hauses und der Unternehmensführung“. Betriebe aus allen Branchen – vom Handwerk bis hin zur „Denkwerkstatt“ – lassen sich beim Thema gesunde und richtige Ernährung beraten.

Alte Weisheiten, die bis heute gelten

Doch was macht die richtige Ernährung eigentlich aus? „Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann ist zwar ein uraltes Sprichwort, trifft aber aus Sicht der Ernährungswissenschaften noch immer zu“, so ein Ratschlag der Expertin zu den wichtigsten Mahlzeiten des Tages. Rund ein Drittel der täglich benötigten Energie sollte am Mittag aufgenommen werden. Die bereits erwähnte Wurstsemmel ist dabei zwar ein zuverlässiger Energielieferant, jedoch braucht der Mensch für eine ausgewogene Ernährung mehr als nur Kalorien. „Je bunter der Teller und je vielseitiger die Zutaten, desto mehr Nährstoffe im Essen.“

Ein warmer Mittagstisch eignet sich dafür besonders gut. Wer für diese keine Zeit findet und über viele Stunden den Körper nicht mit Energie und Nährstoffen versorgt, dem geht es nicht anders als einem Auto ohne Treibstoff: „Wenn nichts im Tank ist, kann keine Leistung erbracht werden.“

Gute Atmosphäre am Mittagstisch hilft

Es gibt jedoch noch mehr Gründe, warum sich Betriebe über die Ernährung ihrer Mitarbeiter Gedanken machen sollten. „Gesundheit betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche, wobei gerade das Essen Auswirkungen auf beides hat“, so die Ernährungswissenschafterin. Während die Speisen selbst die benötigte Energie und Nährstoffe liefern, wirkt sich das gemeinsame Mittagessen auf das Sozialgefüge aus und stärkt das Wir-Gefühl. „Wir haben alle Sehnsucht nach einem gemeinsamen Mittagstisch.“

Stattdessen ist es in vielen Betrieben oft üblich, dass „neben der Tastatur und Computermaus gesnackt wird.“ Eine Angewohnheit, die eigentlich gar nicht im Sinne der Chefs sein sollte, wünschen sich diese doch meist einen verstärkten Austausch in der Belegschaft. Auch dafür hat Horacek eine Lösung: „Es ist nichts leichter als einen Raum zur Verfügung zu stellen, wo gemeinsam gegessen wird.“ Letztendlich liegt es in der Verantwortung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf die richtige Ernährung als Teil der Unternehmenskultur am Arbeitsplatz zu achten. Profitieren können beide davon.