Was war Ihre erste Geschäftsidee und warum sind Sie damit gescheitert?

Eine Geschäftsidee würde ich es nicht nennen. Ich habe mit meiner Frau gemeinsam eine Konditorei in Graz eröffnet, die anfänglich auch ganz gut gelaufen ist - das war 1987. Wir haben dann relativ schnell expandiert und drei weitere Filialen eröffnet und das war wahrscheinlich auch der Fehler. Wenn man zu wenig Eigenkapital hat und so rasant wächst, kann das schon problematisch werden.

Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Eigentlich gar nicht so schlimm. Am Anfang ist ja auch alles weitergelaufen wie sonst auch, nur, dass keine Rechnungen mehr bezahlt werden konnten (lacht). Aber im Ernst:  Ich habe das Ganze als nicht so dramatisch empfunden, wie es wahrscheinlich war und richtig bewusst wurde es mir auch erst am Tag, an dem die Insolvenz angemeldet wurde. Es hat mir vor allem für die Mitarbeiter leidgetan, sie sind das höchste Gut eines Unternehmens.

Was hätte Ihnen damals helfen können?

Gründungs- und Beratungsservice hat es ja auch schon damals gegeben, aber ich habe das alles nicht in Anspruch genommen. Ich bin halt der Typ, der alles so macht, wie er es für richtig hält. Das ist auf der einen Seite nicht immer das Beste, wie man sieht, und andererseits ist es der Grund dafür, dass ich trotzdem weitergemacht habe.

Was hat Sie nach der Pleite motiviert wieder von vorne anzufangen?

Ich bin davon überzeugt, dass man immer das machen sollte, was man selbst wirklich will und wo man sein größtes Talent sieht. Und das ganz bedingungslos, egal, ob man Erfolg hat oder nicht. Genau so habe ich es gemacht. Natürlich war meine Familie in dieser Zeit ein unglaublich wichtiger Rückhalt für mich, der mir geholfen hat, das Ganze durchzustehen.

Am Ende lebt die Wirtschaft von Visionären und kritische Momente gibt es in jedem Unternehmen. Irgendwie habe ich mich gefühlt wie ein Sportler, den die Niederlage richtig anstachelt – wie der sprichwörtlich angeschlagene Boxer, der erst dann so richtig gut und gefährlich wird.

Wie sind Sie wirtschaftlich wieder auf die Beine gekommen?

Ich würde sagen, das Unternehmen wurde gesund geschrumpft. Aus den vier Betrieben mit 50 Mitarbeitern wurde ein Betrieb mit zwei Mitarbeitern.

Die Insolvenz hat uns geholfen, aus den Mietverträgen herauszukommen, was uns sonst nicht gelungen wäre und nach rund drei Jahren waren wir wieder dort, wo wir ganz am Anfang waren.

Was sind jetzt die Grundsätze ihres unternehmerischen Erfolgs?

Wie gesagt, ich mache immer nur das, was ich für richtig halte. Kein anderer Mensch kann dir sagen, was für dein Unternehmen das Richtige ist. Ich mache nur Schokoladen, die ich machen will und nie welche, die der Markt will. Wenn sie den Kunden schmecken, dann ist es gut und wenn nicht, dann esse ich sie selbst.

Von wirtschaftlicher Seite her ist es aber schon so, dass ich aus meinen Erfahrungen gelernt habe. Es ist wichtig, relativ schnell Eigenkapital aufzubauen, denn dann wirkt sich nicht jede kleine Fehlentscheidung so fatal aus. Ich hatte sieben Millionen Schilling  (rund 500.000 Euro) Schulden, als ich die Insolvenz anmelden musste. Keine unglaubliche Summe für ein Unternehmen unserer Größe, aber wenn man kein eigenes Geld hat, kann man halt nichts mehr zahlen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Vor- und Nachteile des Unternehmertums?

Ich sehe nur die Vorteile, das Jammern liegt mir einfach nicht. Sogar die Insolvenz von damals sehe ich als etwas Positives. Es hat mir gezeigt, dass ich unbedingt Unternehmer sein will. Komme was wolle. Sonst ist der größte Vorteil natürlich der, dass ich genau das machen kann, was ich gerne tue.

Was würden Sie Jungunternehmern aus heutiger Sicht mit auf den Weg geben?

Macht nicht so viele Schulden (lacht). Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich die Frage nicht beantworten kann. Ich habe es schon erwähnt, niemand anders kann dir sagen, was für dein Unternehmen das Richtige oder das Beste ist. Und das ist doch gerade das Spannende am Unternehmertum: wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob etwas funktioniert oder nicht...