Wie ist aus Ihrer Sicht die Situation der KMU in Bezug auf Bankfinanzierungen?

Die Time-to-Contract ist relative lang, der Dokumentationsaufwand ist hoch – und die Ablehnungsquote ist signifikant hoch. Für heimische KMU stellt das eine riesige Herausforderung dar.

Welche Alternativen hat ein KMU heute?

Davon gibt es einige – auch banknahe Dienstleistungen wie Leasing oder Factoring. Bei Zweiterem etwa steht nicht die Bonität des KMU im Vordergrund, sondern die von dessen Kunden. Es gibt Landes-, Bundes- und EU-Förderungen für Projekte und Investitionen. Besonders spannend sind alternative Finanzierungen geworden. Darunter fällt die kleine Kapitalaufbringung bis 1,5 Millionen Euro, die geringeren Prospektpflichten unterliegt, etwa Crowd-Investing oder Crowdfunding.

Gibt es noch weitere Optionen?

Ja, absolut. Ich nenne gern das Direct-Crowd-Investing, wo das Unternehmen die Gelder direkt von seinen Investoren einwirbt. Das sind Pflänzchen, die wachsen. Derzeit sind die Volumina noch im zweistelligen Millionenbereich, aber es ermöglicht bereits jetzt zusätzliche Finanzierungsoptionen. Und: Man kann diesen Pflänzchen beim Wachsen zuschauen, weil sich da sehr viel tut.

Warum ist es gerade für kleinere Unternehmen wichtig, ihr Eigenkapital zu stärken?

Weil es Bonität und Rating verbessert und somit Finanzierungen erleichtert. Teile der genannten Finanzierungsoptionen werden dem Eigenkapital zugerechnet, Förderzuschüsse wirken eigenkapitalstärkend. Leasing und Factoring tun das zwar nicht, aber sie helfen, die Bilanz signifikant zu verkürzen. Ich kann wirklich nur raten, sich in diesen Sachen professionelle Ratschläge bzw. Hilfe zu holen. Der Kunde hat da eine starke Rolle.