Die besonderen Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ergeben sich aus organisatorischen Gegebenheiten. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto größere Anforderungen stellen sich angesichts begrenzter Delegationsmöglichkeiten für Unternehmer/innen selbst, fordern gewissermaßen das „Universalgenie“.

Finanzierung als große Herausforderung für KMU

Analysen der Insolvenzursachen belegen, dass wirtschaftliche Probleme nicht oder nur selten auf mangelnde handwerklich/technische Fähigkeiten oder unzureichende soziale Kompetenz zurückzuführen sind.

Ausschlaggebend sind vielmehr Defizite im betriebswirtschaftlichen Bereich bzw. Fehler, die bereits bei der Unternehmensgründung gemacht werden. Das Fundament eines Unternehmens ist die Finanzierung. Eine solide Qualität der Finanzierung ist unabdingbare Voraussetzung für den Unternehmenserfolg und bewahrt Unternehmen davor, in schlechten Zeiten von unangenehmen konjunkturellen „Stürmen“ (oder sogar schon „Lüftchen“) zum Einsturz gebracht zu werden.

In diesem Zusammenhang geht es vor allem um die Ausstattung mit Eigenkapital. Im Sinne eines branchenunabhängigen, groben Richtwerts sollten zumindest 20 % des Betriebsvermögens mit Eigenkapital finanziert sein.

Eigenkapital bei der Unternehmensgründung als schwierigste Herausforderung

Bei Unternehmensneugründungen werden vielfach sogar 30 % Eigenkapitalquote gefordert. Die erfolgreichsten KMU haben im Durchschnitt rund 62 % ihres Betriebsvermögens mit Eigenkapital finanziert. Ein häufiger, existenzgefährdender Fehler in der Gründungsphase von Kleinst- und Kleinbetrieben ist, dass die Privatentnahmen höher sind als der realisierte Gewinn, das heißt, mehr entnommen wird als verdient wurde.

Bei gleichzeitig schwacher Eigenkapitalausstattung sind Unternehmen dann oft sehr schnell überschuldet und damit insolvenzgefährdet. Davon sind allerdings nicht nur Gründer/innen betroffen: bei 31 % aller KMU der gewerblichen Wirtschaft sind die Schulden größer als das vorhandene Betriebsvermögen, ist also das Eigenkapital negativ.

Liquidität und Eigenkapital bei der Gründung eines Unternehmens

Weitere Probleme resultieren aus einer nicht fristenkongruenten Finanzierung von Investitionen. Wenn die Finanzierungsdauer nicht mindestens der Amortisationsdauer einer Investition entspricht, ergeben sich daraus in der Regel Liquiditätsprobleme, die in zunehmendem Ausmaß nicht einfach zu lösen sind.

Das hat nicht zuletzt auch mit der Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für Banken (Stichwort Basel II/III) zu tun, mit der die Kreditfinanzierung für KMU nicht gerade erleichtert wurde. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist eine möglichst hohe Eigenkapitalquote hilfreich. Höhere Anforderungen an Planungsunterlagen, wachsende Informations- und Berichtspflichten sowie die stärkere Anbindung der Kreditkonditionen an die Bonität von Unternehmen, stellen vor allem für Kleinst- und Kleinbetriebe enorme Herausforderungen dar.

Aus- und Weiterbildung für stabile KMU

Dazu kommt der in vielen Branchen anhaltende Fachkräftemangel, der ein professionelles Personalmanagement erfordert. Neue Anforderungen in allen Bereichen der Unternehmensführung unterstreichen die zentrale Bedeutung gezielter Aus- und Weiterbildung auf allen Ebenen sowie Beiziehung externer Expertise für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU. Fazit: Spannende Zeiten für Unternehmer/innen und gefährliche Entwicklungen für Unterlasser/in- nen zeichnen sich ab.