Sie investieren verstärkt in die Informations- und Kommunikationstechnikbranche. Worin besteht da der Reiz für Sie?

Die Bereitschaft, als Business Angel tätig zu sein, ist der Spaß an der Freude. Die IKT-Branche ist der Bereich, der zu mir passt, da ich hier einiges an Erfahrung mitbringe. Ich habe von Aktienbörsen bis Immobilien alles probiert, bei dem einen habe ich kein Händchen und Glück, bei dem anderen fehlt mir die Spannung.

Deshalb investiere ich immer wieder in neue Start-ups, weil es einfach Spaß macht, mit jungen Leuten Firmen mit zu gründen und neue Ideen aus dem Boden zu stampfen. An Start-ups interessieren mich besonders disruptive Geschäftsmodelle, die hoch skalierbar sind und ein Hyper Growth Potential haben. Das funktioniert im IKT-Bereich ausgezeichnet, bei Konsumgütern wäre ein solches Wachstumspotenzial einfach nicht gegeben.

Was hält die Zukunft Ihrer Meinung nach für die IKT-Branche bereit? Welche Trends lassen sich derzeit erkennen?

Da gibt es natürlich jede Menge Trends. Ein Trend, der in aller Munde ist, ist das IoT, das Internet of Things. Es ist jetzt schon einige Zeit im Gange, sodass immer mehr Geräte automatisiert und ans Internet gehängt werden, dennoch sehe ich noch viel Potenzial. Auch UX-Design und Usability sind als große Trends zu nennen. Beschreibungstexte und Gebrauchsanweisungen waren gestern. Wenn man heutzutage als User das jeweilige Produkt nicht sofort intuitiv betätigen kann, ist es beim Konsumenten bereits durchgefallen.

Alles muss sofort und selbsterklärend bedienbar sein. User Interface und User Interaction sind daher auch in naher Zukunft Riesenthemen. Das ist vor allem für all jene Unternehmen wichtig, die ein Produkt erzeugen. Der User steht eindeutig im Mittelpunkt und das wird sich auch noch weiter verstärken. Know your Customer! So viel wie möglich über den Kunden und sein Verhalten in Erfahrung zu bringen, ist das Um und Auf für den Erfolg eines Unternehmens.

Wie sollten Klein- und Mittelunternehmen Ihrer Meinung nach mit diesen Trends umgehen?

Ein KMU muss in jedem Fall auf die bereits angesprochenen Trends setzen und diese auch mitgehen. Wichtig sind aber auch Themen wie Arbeitszeitflexibilisierung und eine entsprechende Ausrichtung der Unternehmenskultur. Arbeit ist heute zunehmend Spaß und Selbsterfüllung, das reine Geldverdienen steht nicht mehr so im Vordergrund wie noch vor einigen Jahren. Sofern nicht schon geschehen, muss die Unternehmenskultur auf die Millennials, die Digital Natives ausgerichtet werden.

Wie schaffe ich es als Unternehmen und auch als Arbeitgeber, interessant für Digital Natives zu sein? Das ist ein großes Thema, gerade für Traditionsunternehmen. Diese sind besonders gefordert, die Trends zu erkennen und auch mitzugehen. Den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, ist besonders entscheidend. Diesbezüglich Daten zu aggregieren und das Kundenverhalten genau zu analysieren, ist sehr wichtig.

Da gibt es noch viel für Unternehmen zu tun, diese großen Datenmengen aus dem Big Data für sich zu nutzen. Denn aus solchen Informationen zu Kunden kann jedes KMU sehr viel lernen und für die Optimierung der Kundenbeziehung herausholen.

Welche Märkte, Ideen und Innovationen haben Sie als Investor begeistert?

Da gibt es vieles, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ganz spannend ist sicherlich der Electronic Sports Markt. Da spielen Millionen Leute weltweit ein Computerspiel bzw. schauen dabei zu. Der E-Sport ist Mainstream geworden, in den nächsten Jahren wird er den normalen Sport in Sachen Zuschauerzahlen überholen. Das fasziniert mich schon sehr. In diesem Bereich gibt es einige Geschäftsfelder, von Streaming bis zu Turnierplattformen. Was Technologien betrifft, gibt es viele spannende Ideen.

Alle Location-based-Anwendungen sind sehr interessant. Es gibt zahlreiche Start-ups, die das Lokalisieren in einem Gebäude, also eine Indoor-Navigation, vorantreiben. Wenn man sich beispielsweise in einem Bahnhof aufhält, dann hört sich quasi das Navigieren im Gebäude auf. Da gibt es viele Ansätze, das zu verbessern, damit  und Indoor-Navigation genauer zu machen.

Damit entstünden auch Möglichkeiten für Unternehmen, etwa Kundenströme zu analysieren oder in einem Geschäft nachvollziehbar zu machen, wo halten sich die Kunden wie lange auf? Solche Informationen – natürlich voll im Einklang mit dem Datenschutz – zu analysieren, bietet auch Unternehmen große Chancen, noch besser auf die Bedürfnisse des Kunden einzugehen.