Es gibt mittlerweile keinen einzigen Bereich der Land- und Forstwirtschaft mehr, in welchen die digitale Welt noch nicht Einzug gehalten hätte. Mögen Traktoren ohne Fahrerkabine oder allein über Felder rollende Arbeitsgeräte, die neben Pflanzenschutz und Düngung auch Ernte und Nachsaat erledigen, heute noch exotisch klingen, spätestens morgen sind sie ebenso Realität, wie alle nur denkbaren Daten sammelnde Drohnen oder effektives Herdenmanagement per Software.

Stadt und Land digital vernetzen

Der technische Fortschritt heißt heute Digitalisierung. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten, sie hat nur in unterschiedlichen Regionen völlig differente Geschwindigkeiten. Die Stadt kennt nur Breitband und mehr, das Land hinkt nach. Und das bereitet in vielen ländlichen Gegenden Sorgen. Denn das Land darf nicht digital abgekoppelt werden.

Das betrifft nicht nur die Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, das hat Einfluss auf das gesamte Leben im Dorf. Wer an die digitale Welt angebunden ist, muss nicht abwandern. Wer im Dorf arbeiten kann und nicht pendeln oder gar in den Ballungsraum übersiedeln muss, belebt die Region, macht sie lebendig und lebenswert.

Und wer als Land- oder Forstwirt die technischen Möglichkeiten nutzen kann, weil ein starkes Netz dies möglich macht, ist auch in Zukunft konkurrenzfähig. Ein lebendiges Land braucht wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe. Und diese brauchen eine gut befahrbare Datenautobahn, um nicht am Abstellgleis zu landen.

Kosten der Digitalisierung: Kooperationen

Technischer Fortschritt heißt aber auch Kosten: Nicht jeder Betrieb kann sich die modernsten Geräte, Maschinen oder Einrichtungen so ohne weiteres leisten. Die einen werden dazu den Maschinenring, andere Formen der überbetrieblichen Zusammenarbeit nutzen.

Die Landwirtschaftskammern beraten die Betriebe dabei, die Instrumente der agrarischen Förderung gilt es dementsprechend anzupassen. Denn alle innovativen Bäuerinnen und Bauern, egal wie groß ihr Betrieb ist, sollen die modernsten Einrichtungen verwenden können.

Datenhoheit bei den Bäuerinnen und Bauern

Maschinen und Geräten bringen auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen beim „precision farming“ jede Menge Daten hervor. Diese werden entweder durch diese Maschinen und Geräte selbst generiert oder eine maßgeschneiderte Software verarbeitet diese im Einsatz. Leider hat der Land- und Forstwirt derzeit keine Datenhoheit darüber.

Oft werden die erhobenen Daten direkt an den Hersteller oder den Betreiber der Cloud geliefert. Vielfach verfügt der Land- und Forstwirt nicht über die entsprechende Software, mit denen er die auf seinem Betrieb geschaffenen Daten selbst entsprechend entschlüsseln oder nutzen könnte.

Die LK Österreich fordert deshalb Datenhoheit für die Betriebe. Das heißt konkret, dass der Land- und Forstwirt Eigentümer der auf seinem Betrieb produzierten Daten bleibt und eine Lieferung seiner Daten und eventuelle Weitergabe an Dritte nicht ohne seine Zustimmung erfolgen darf.

Digitalisierung braucht vernetzte Bildung

Forschung und Praxis, Betriebe und Lehrstätten, Wissenschaft und Alltag im Betrieb: Digitalisierung ist vernetzt zu denken, zu leben und auch zu lehren. Die neuen digitalen Anforderungen müssen sich im Bildungswesen widerspiegeln. Der Bereich der digitalen Schnittstellen zwischen der agrarischen Produktion, den Bedürfnissen der Verarbeiter und den Anforderungen der Kunden erfordert zahlreiche Kompetenzen.

Dazu brauchen wir eine Fachhochschule neuen Typs, die diesen Anforderungen und Bedürfnissen kompetent gerecht wird, die landwirtschaftliche Produktion versteht und gleichzeitig eine hohe Anerkennung in der Wirtschaft hat. Der Standort Wieselburg bietet sich dafür optimal an.

Denn dieser beherbergt jetzt schon mit dem „Francisco Josephinum“ eine Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt, übrigens die traditionsreichste in Österreich, und betreibt mit dem BLT Forschung und Prüfung auf den Gebieten Biomasse und Landtechnik bzw. mit dem LMTZ, dem Kompetenzzentrum für Lebensmitteltechnologie, Versuche und Entwicklungen im Lebensmittelbereich.